Kämpfen für gleichen Lohn für gleiche Arbeit: Stefan Nierfeld aus Essen (l.) und Rainer Lummer aus Paderborn engagieren sich im Vorstand der Schutzgemeinschaft angestellter Lehrer in NRW.  - © Andreas Zobe
Kämpfen für gleichen Lohn für gleiche Arbeit: Stefan Nierfeld aus Essen (l.) und Rainer Lummer aus Paderborn engagieren sich im Vorstand der Schutzgemeinschaft angestellter Lehrer in NRW.  | © Andreas Zobe

Düsseldorf Initiative fordert gleichen Lohn für angestellte und verbeamtete Lehrer

Gehalt: In NRW verdienen angestellte Pädagogen deutlich weniger als ihre verbeamteten Kollegen. Die Gewerkschaft SchaLL fordert Gerechtigkeit – auch als Maßnahme gegen den Personalmangel.

Carolin Nieder-Entgelmeier

Düsseldorf. Der Grundsatz „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" ist in der nordrhein-westfälischen Landesverfassung verankert. In den Schulen des Landes gilt dieser Grundsatz jedoch nicht, denn 40.000 der insgesamt 198.000 Lehrer in NRW sind angestellt und haben dadurch deutlich geringere Einkommen und Rentenansprüche. Die Schutzgemeinschaft angestellter Lehrer (SchaLL) in NRW will das nicht länger hinnehmen und fordert von der Landesregierung eine Einkommensgleichstellung. Nächste Woche treffen sich die Interessenvertreter mit Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). „Wenn die Landesregierung den massiven Mangel an Lehrkräften und den verheerenden Unterrichtsausfall bekämpfen will, dann muss der Beruf des Lehrers attraktiver werden. Dazu gehört auch ein Ende der Diskriminierung angestellter Lehrer", sagt Stefan Nierfeld aus Essen, Mitglied im Vorstand der SchaLL NRW. Aktuell haben angestellte Lehrer in NRW monatlich rund 500 Euro netto weniger als ihre verbeamteten Kollegen. Über 30 Dienstjahre entspricht das einem Verlust von 180.000 Euro. Bei der Altersversorgung macht der Unterschied sogar bis zu 1.000 Euro aus. „Die Arbeit von angestellten und verbeamteten Lehrern unterscheidet sich aber trotz dieser eklatanten Einkommensunterschiede nicht. Arbeitszeit und Belastung sind identisch", erklärt SchaLL-Vorstandsmitglied Rainer Lummer aus Paderborn. "Zweiklassengesellschaft im Lehrerzimmer" Mit der Anpassung der Besoldung von Grundschullehrern hat die Politik in NRW laut Nierfeld gezeigt, dass sie Einkommensgerechtigkeit umsetzen kann, „wenn auch wieder nicht für alle Lehrkräfte". Die Begründung für die Anhebung der Besoldung von Grundschullehrern lässt angestellte Lehrer aufhorchen. Grundschullehrer werden nach Angaben der Landesregierung besser bezahlt, weil ihre Ausbildung seit 2009 genauso lange dauert wie die von Lehrern, die an Gymnasien unterrichten. „Warum dann nicht auch angestellte Lehrer besser bezahlt werden, lässt sich nicht erklären, denn die Ausbildung von angestellten und verbeamteten Lehrern hat sich noch nie unterschieden", erklärt Lummer. Deshalb herrsche eine Zweiklassengesellschaft im Lehrerzimmer. Um das zu ändern, fordert die Lehrergewerkschaft ein Gesetz zur Einkommensgleichstellung. „Maßnahmen, wie die Anhebung der Besoldung von Grundschullehrern, reichen nicht aus, um die strukturellen Probleme zu lösen", sagt Nierfeld. Nötig sei ein Masterplan, erstellt von einer parteiübergreifenden Kommission. „Dabei geht es uns nicht darum unsere Kollegen mit Beamtenstatus in die Pfanne zu hauen, sondern um die Wertschätzung unserer Arbeit und gleichen Lohn für gleiche Arbeit, so wie es in der Landesverfassung verankert ist." Die SchaLL fordert für alle verbeamteten Lehrer die Besoldungsgruppe A13 als Eingangseinkommen und die Entgeltgruppe (EG) 15 für alle angestellten Lehrer. „Angestellte Lehrer benötigen rund 1.000 Euro mehr brutto, um auf das gleiche Nettoeinkommen wie verbeamtete Lehrer zu kommen", erklärt Lummer. Deshalb folgt die SchaLL nicht den Forderungen anderer Gewerkschaften wie der GEW oder dem VBE in NRW, die A13 für verbeamtete Lehrer und EG 13 für angestellte Lehrer fordern. Auch in der Altersversorgung fordert die SchaLL ein Ende der Ungleichbehandlung. „Wir haben der Politik in NRW schon Lösungsvorschläge gemacht. Wie zum Beispiel die Wiedereinführung der beamtengleichen Brutto-Gesamtversorgung im Rentenalter", sagt Nierfeld. Nach Gesprächen mit Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) und den bildungspolitischen Sprechern der Landtagsfraktionen folgt in der kommenden Woche ein Treffen mit Ministerpräsident Armin Laschet. „Wir hoffen sehr, dass die Landesregierung eine bildungspolitische Katastrophe verhindert und endlich die strukturellen Probleme anpackt", sagt Nierfeld.

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