Präsidentenpaar in Marxloh: Beim Gang durch den Stadtteil erläutert Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link (l.) Frank-Walter Steinmeier und Elke Büdenbender die Probleme. Foto: Lothar Schmalen - © Lothar Schmalen
Präsidentenpaar in Marxloh: Beim Gang durch den Stadtteil erläutert Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link (l.) Frank-Walter Steinmeier und Elke Büdenbender die Probleme. Foto: Lothar Schmalen | © Lothar Schmalen

Duisburg Der Bundespräsident besucht einen ganz besonderern Stadtteil

Frank-Walter Steinmeier und Elke Büdenbender machen sich in Duisburg-Marxloh ein Bild von der Lage in einem sozialen Brennpunkt.

Lothar Schmalen

Duisburg. Hildegard Brombach hat für den Besuch des Bundespräsidenten nur ein müdes Lächeln übrig. „Wissen Sie, die Spitzenpolitiker kommen der Reihe nach hierher. Gleich fährt der Steinmeier weg, und dann sind wir wieder vergessen." Seit 27 Jahren lebt die 66-Jährige in Duisburg-Marxloh, jenem Stadtteil, der traurige Berühmtheit erlangt hat. Ein viel zu hoher Ausländeranteil und Geschäftemacher, die Häuser zu Schrottimmobilien herunterkommen lassen, machen eine Integration fast unmöglich. Hildegard Brombach hat genug davon. Die Rentnerin, die sich als Zeitungsbotin ein paar Euro dazu verdient, zieht in vier Wochen aus dem Zwölf-Familien-Haus in der Hagedornstraße aus. Sie zahle für ihre 49 Quadratmeter 210 Euro Kaltmiete und 90 Euro Nebenkosten. Das Haus sei immer schmutziger und verwahrloster geworden. Eine einzige deutsche Familie wohne hier noch, „ansonsten nur noch Bulgaren und Rumänen". Immer, wenn eine Mietpartei ausziehe und eine neue komme, erhöhe der Eigentümer, ein türkischer Geschäftsmann aus Köln, die Miete. Dem Mann sollen noch drei weitere Häuser in Marxloh gehören. Ein trostloses Wetter lässt das Quartier, in dem fast aus jedem Fenster Gesichter schauen, denen die Perspektivlosigkeit anzusehen ist, noch trostloser erscheinen als sonst. Unzählige Polizisten haben es schon Stunden vor der Ankunft des Bundespräsidenten in eine Sicherheitszone verwandelt. „Hier haben sie in den vergangenen Tagen schnell den Müll weggeräumt, damit es nicht so schlimm aussieht", sagt Manuela Könnecke, die seit 32 Jahren in dem Stadtteil wohnt. Und doch gibt es Lichtblicke in Marxloh. Zum Beispiel die katholische Grundschule in der Henriettenstraße. Hier leisten die Lehrer und Lehrerinnen um Schulleiterin Regina Balthaus-Küper Schwerstarbeit für den Zusammenhalt der Gesellschaft. „Motto des Monats: Ich komme an jedem Tag zur Schule", ist auf einem Schild zu lesen. 200 Kinder werden hier unterrichtet, 160 sind keine deutschen Staatsbürger (die meisten stammen aus Südosteuropa), 95 Prozent haben einen Migrationshintergrund. 14 Nationen sind vertreten. Die größten Gruppen: Bulgaren und Rumänen. Alle Kinder haben sich im Treppenhaus versammelt, als die hohen Gäste kommen. Frank-Walter Steinmeier und seine Frau, Elke Büdenbender sind gerührt, als die Kinder aus voller Kehle ihr Guten-Morgen-Lied in zehn Sprachen schmettern. Mit einer Begeisterung, die erahnen lässt, welch großartige Leistung die Lehrer hier vollbringen. Vor dem Eingang haben Vladimir, Junus, Josif, Rafael und Alfred mit ihren Trommeln das Präsidentenpaar begrüßt. Eine Stunde lang hält Steinmeier sich in der Schule auf, dann geht der Präsident weiter durch die Henriettenstraße und lässt sich vor einem Haus, das die Behörden geschlossen haben, das „Geschäftsmodell" der Schrottimmobilie erklären. Nach dem dreistündigen Aufenthalt glaubt der Bundespräsident, dass viele Kräfte Hand in Hand gehen würden, um Marxloh wieder nach vorn zu bringen. Doch die Mienen der Anwohner sprechen eine andere Sprache. „Ich glaub’ nicht, dass sich was ändert", sagt Hildegard Brombach.

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