Menschen aus Ost-Ghouta richten klare Worte an die AfD. - © Adopt a Revolution
Menschen aus Ost-Ghouta richten klare Worte an die AfD. | © Adopt a Revolution

Netzwelt Syrer laden AfD-Politiker nach Ost-Ghouta ein

"Kommt vorbei! Ihr werdet es keine 24 Stunden aushalten."

Matthias Schwarzer

Damaskus. Eine Gruppe von AfD-Politikern ist derzeit in Syrien unterwegs - um "zu gucken, ob das Land sicher ist". In den vergangenen Tagen twitterte der NRW-Abgeordnete Christian Blex fleißig Impressionen von seiner Reise. Auf den Bildern: Keine Spur von Krieg und Leid. Stellenweise sei das Leben hier sogar besser als in Berlin-Neukölln, berichtet Blex. Es sind Bilder, die der Propagada des Assad-Regimes perfekt in die Hände spielen dürften - und Flüchtlingsgegnern in Deutschland sowieso. Die AfD-Politiker bewegen sich während ihrer Reise ausschließlich in den von der Regierung kontrollierten Gebieten. Teile von Damaskus hat der syrische Krieg bislang verschont. Nur drei Kilometer weiter, vor den Toren der syrischen Hauptstadt, wirft das Assad-Regime Bomben auf die Bewohner von Ost-Ghouta. Hunderte Zivilisten sind dort in den vergangenen Wochen ums Leben gekommen, darunter viele Kinder. Hinterbliebene wenden sich nun direkt an die AfD-Delegation: "Besucht uns! Ihr haltet es keine 24 Stunden hier aus." "Ihr wisst genau Bescheid, was hier los ist" Der Aufruf wurde von der Hilfsorganisation "Adopt a Revolution" auf Facebook verbreitet. "Die AfD-Delegation behauptet, die Situation hier in Syrien sei normal und ruhig", sagt der Syrer Bilal in die Kamera. "Die Flüchtlinge sollen zurückkehren? Wo sollen sie den hier bitte leben? Seht doch selbst, hier ist alles zerstört. Und über uns die Kampfflugzeuge. Die Situation ist furchtbar, unvorstellbar schlimm." Die Syrerin Eman ergänzt: "Ihr seid gerade in Damaskus. Also hört ihr doch selbst die ganze Zeit die Kampfflugzeuge und Granaten. Und ihr wisst ganz genau über alles Bescheid, was hier bei uns passiert. Mit diesem Video fordere ich euch heraus: Kommt hierher und haltet es 24 Stunden aus. Oder sagen wir: eine einzige Stunde. Ihr werdet es nicht aushalten." Mit ihrer AfD-Reise will die AfD Syrien als sicheres Herkunftsland darstellen - Flüchtlinge sollten wieder dorthin zurückkehren, heißt es. Unterschlagen wird dabei, dass viele Syrer selbst in den vom Regime kontrollierten Gebieten nicht sicher sind: Zum einen, weil sich die Sicherheitslage jederzeit ändern kann - zum anderen, weil das Assad-Regime mit aller Härte gegen Kritiker vorgeht. Scharfe Kritik an AfD-Reise Die Syrienreise der AfD-Delegation wird von der Bundesregierung darum scharf kritisiert. "Das syrische Regime zeigt jeden Tag, wie menschenverachtend es vorgeht", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. "Wer dieses Regime hofiert, der disqualifiziert sich selbst." Unter anderem hatten sich die AfD-Politiker mit dem Großmufti Ahmed Hassun getroffen. Dieser hatte 2011 für den Fall einer westlichen Militärintervention gedroht, Selbstmordattentäter nach Europa und Amerika zu schicken. Zur AfD-Delegation gehören auch Politiker aus OWL, darunter der Mindener AfD-Landesvorsitzende Thomas Röckemann und der Gütersloher Bundestagsabgeordnete Udo Hemmelgarn. Am selben Tag, an dem die AfD-Politiker durchs sonnige Damaskus kutschiert wurden, starben allein in den Vororten der syrischen Hauptstadt 89 Menschen.

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