Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hat einen engen Zeitplan für die Umsetzung beim Übergang zurrück zu G9 vorgegeben. - © picture alliance / Marcel Kusch/dpa
Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hat einen engen Zeitplan für die Umsetzung beim Übergang zurrück zu G9 vorgegeben. | © picture alliance / Marcel Kusch/dpa

Rückkehr zu G9-Abitur: Mehr Klassen, mehr Räume, mehr Kosten

Lothar Schmalen

Düsseldorf. Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) drückt aufs Tempo: Noch vor der Sommerpause soll das Gesetz über die Rückkehr zur neunjährigen Gymnasialzeit verabschiedet werden. Dazu gehört auch die gesetzliche Regelung, wer die Kosten für die zusätzlichen Lehrer und zusätzlichen Klassenräume tragen soll. Vor allem der letzte Punkt, die Finanzierung der erforderlichen Baumaßnahmen, birgt noch viel Konfliktpotenzial. Eigentlich gilt für Schulen das Prinzip, dass das Land die Personalkosten und der Schulträger, also die Kreise oder Kommunen, die Baukosten trägt. Allerdings hat das Land versprochen, im Fall der Rückkehr zu G 9 eine Ausnahme zu machen und auch die baulichen Folgekosten zu übernehmen. Konnexität nennen die Fachleute das. Das Land übernimmt die Kosten, weil es sie selbst durch den G-9-Beschluss verursacht hat. Kommunen sind irritiert über Fragebögen Wie groß ist aber nun der zusätzliche Raumbedarf und wie hoch sind also die Kosten, die das Land den Kommunen erstatten muss? Eigentlich scheint es ganz einfach: Wenn ein dreizügiges Gymnasium in G-8-Zeiten 24 Klassen hatte, so wird es bei G 9 27 Klassen haben und entsprechend mehr Räume brauchen. Doch der Teufel liegt im Detail. In Abstimmung mit den kommunalen Spitzenverbänden soll deshalb nun ein neutraler Gutachter, das Wuppertaler Institut für bildungsökonomische Forschung, herausfinden, wie groß der zusätzliche Raumbedarf tatsächlich ist. Für Irritationen allerdings hat in vielen Kommunen gesorgt, dass nun aber nicht nur die Kommunen als Schulträger, sondern parallel dazu auch die Schulen selbst einen entsprechenden Fragebogen erhalten haben. „Da sollen wir wohl gegeneinander ausgespielt werden", sagt der Bürgermeister einer westfälischen Mittelstadt im Gespräch mit dieser Zeitung. Schon diese Irritation zeigt, wie groß das Konfliktpotenzial bei der Ermittlung der Baukosten, die in ihrer Gesamtheit allein einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag ausmachen dürften, ist. Ein fehlender Abitur-Jahrgang Während Sprecher der Düsseldorfer Regierungsfraktionen CDU und FDP betonten, mit dem jetzt vorliegenden G-9-Gesetz schaffe die Landesregierung die versprochene Klarheit, sieht die Opposition dies ganz anders. Die schulpolitische Sprecherin der Grünen, Sigrid Beer (Paderborn), betonte, wichtige Fragen seien unbeantwortet. Gemeint sind damit unter anderem die noch unklaren Kosten für die Schulträger und der Umgang mit dem zu erwartenden kleinen Abitur-Jahrgang (wegen der fehlenden Gymnasial-Abiturienten in diesem Jahr). Jochen Ott (Köln), schulpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, hätte sich eine klarere Entscheidung für G 9 gewünscht. Jetzt werde der Streit in die Schulen und Schulträger weitergereicht.

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