Greift durch: Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) zieht die Leitung des umstrittenen Logineo-Projektes in ihr Haus. FOTO: DPA - © dpa
Greift durch: Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) zieht die Leitung des umstrittenen Logineo-Projektes in ihr Haus. FOTO: DPA | © dpa

Düsseldorf Schulministerin zieht Notbremse bei Projekt zu Arbeitsplattform Logineo

Digitale Plattform: Ein unabhängiger Gutachter übt scharfe Kritik an der Umsetzung der Pläne durch einen Dienstleister. Sogar die Verträge seien mangelhaft. Das Ministerium will nun selbst Verantwortung übernehmen

Carolin Nieder-Entgelmeier
Martin Fröhlich

Düsseldorf. Die Schulen in Nordrhein-Westfalen müssen offenbar noch lange auf die dringend benötigte digitale Arbeitsplattform warten. Das geht aus einem Bericht des Schulministeriums hervor. Demnach ist der erste Versuch, das Projekt "Logineo NRW" auf den Weg zu bringen, gründlich gescheitert. Bereits im Oktober war der ursprüngliche Zeitplan außer Kraft gesetzt worden. Der beauftragte Dienstleister, das kommunale Rechenzentrum Niederrhein, sollte Mängel beheben, die die Medienberatung NRW moniert hatte. Nun hat das Ministerium unter Ministerin Yvonne Gebauer (FDP) das Projekt endgültig an sich gezogen. Man beabsichtige, die weitere Planung selbst vorzunehmen, heißt es im Bericht an den Ausschuss für Schule und Bildung im Landtag. Gänzlich neues Vertragswerk notwendig Im Oktober habe man gravierende technische Probleme festgestellt. Nun habe ein unabhängiger Gutachter begonnen, das Projekt unter die Lupe zu nehmen. Dabei habe sich gezeigt, dass die informationstechnische Umsetzung, die Projektorganisation und die vertraglichen Regelungen "mangelhaft bzw. ungeeignet waren". Zur Umstrukturierung gehöre auch ein gänzlich neues Vertragswerk. Man halte an der Notwendigkeit einer digitalen Arbeitsplattform für die Schulen fest. Einst war geplant, dass "Logineo NRW" schon 2016 eingeführt wird. Wann es so weit sein wird, ist derzeit völlig offen. Kritiker wie der Detmolder Berufsschullehrer Klaus Keßler monieren nicht nur handwerkliche Fehler, sondern auch datenschutzrechtliche Probleme. Unter anderem, weil eine aus seiner Sicht unzulässige Vermischung von Verwaltung (Zensuren/ Zeugnisse) und Unterricht (Lernmaterial) stattfindet und die Lehrer mit privaten Geräten auf beide Bereiche der Plattform zugreifen sollen. Medienberatung NRW im Fokus der Kritik Keßler sieht die Hauptschuld für das Scheitern des Vorhabens bei der Medienberatung NRW, die bislang die Projektleitung innehat: "Die Akteure dort waren offensichtlich fachlich und organisatorisch nicht in der Lage, dieses Großprojekt zu stemmen. Dadurch ist viel gutes Geld verbrannt worden." Die Medienberatung ist ein Angebot des LVR-Zentrums für Medien und Bildung in Düsseldorf und des LWL-Medienzentrums in Münster. Für den Betrieb von "Logineo NRW" samt der Möglichkeit des Cloudzugriffs von privaten Geräten aus, hatte die alte Landesregierung Datenschutzverordnungen geändert. Diese regeln, welche Daten von Schülern, Eltern und Lehrern zur Verarbeitung zugelassen sind. Dabei wurden Einschränkungen gestrichen, so dass mehr Daten einfacher gespeichert und automatisiert verarbeitet werden und persönliche Daten von Schülern in einer Cloud abgelegt werden können, damit Lehrer auch von Zuhause darauf zugreifen können. Zudem musste das Ministerium eine Dienstvereinbarung mit den Hauptpersonalräten der Schulformen schließen.

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