Oft nur wenige Hektar groß: Private Waldstücke gibt es in OWL und vor allem im Wiehengebirge vielerorts. Foto: BARBARA FRANKE - © BARBARA FRANKE
Oft nur wenige Hektar groß: Private Waldstücke gibt es in OWL und vor allem im Wiehengebirge vielerorts. Foto: BARBARA FRANKE | © BARBARA FRANKE

Bielefeld Vernachlässigte Wälder: Förster kritisieren private Waldbesitzer

Viele Eigentümer in NRW kümmern sich nicht mehr um ihre meist geerbte Parzelle. Das hat Folgen.

Matthias Bungeroth

Bielefeld/Düsseldorf. Kleine Waldflächen, um die sich niemand mehr kümmert: Mit einer Initiative für die gemeinschaftliche Bewirtschaftung von Wäldern machen Förster in Nordrhein-Westfalen schon seit Jahren mobil gegen vernachlässigte Baumbestände, die es auch in Ostwestfalen-Lippe gibt. Trotzdem fürchten sie, dass die Fläche der „herrenlosen Wälder" in NRW schon bald größer werden könnte. Denn das Bundeskartellamt geht gegen die gemeinsame Holzvermarktung vor. Dadurch könnten viele kleine Waldbesitzer auch in NRW bereits ab dem kommenden Jahr vor dem Problem stehen, ihr Holz selbst verkaufen zu müssen. „Es gibt eine ganze Reihe kleinster Waldgebiete, wo die Förster Schwierigkeiten haben, an die Besitzer heranzukommen", berichtet auf Anfrage Michael Blaschke, Sprecher des Landesbetriebs Wald und Holz NRW. Der Bereich des Wiehengebirges rund um Porta Westfalica sei von dieser Entwicklung besonders betroffen. Doch: „Wenn sich keiner mehr um den Wald kümmert, wird er nicht mehr gepflegt." Förster: "Wichtiger Baustoff" Fast vier von zehn (39 Prozent) der rund 152.000 privaten Waldbesitzer in Nordrhein-Westfalen besitzen nach Zahlen von Wald und Holz NRW nur eine Parzelle von weniger als 20 Hektar. Nicht bekannt ist, wie hoch der Anteil der nicht mehr bewirtschafteten Waldgebiete ist. Nur etwas mehr als die Hälfte (55 Prozent) des NRW-Waldes wird von Zusammenschlüssen bewirtschaftet. Die Holzernte in den Wäldern ist aus Sicht des NRW-Forstbetriebs wichtig. Michael Blaschke: „Wir brauchen ja das Holz. Es ist unser wertvollster, ökologischster Baustoff." Zudem sei die Regionalität dieses Baustoffes bedeutungsvoll. Der Wald spiele auch eine wichtige Rolle bei der Versorgung der heimischen Holz- und Sägewerksbetriebe. Durch nicht genutzte Holzreserven in den Wäldern stiegen die Importe, etwa aus Russland oder Osteuropa. „Was dort wächst, ist das Ergebnis einer detaillierten, langfristigen Pflege." Grund für die Entwicklung sind unter anderem die Erbschaften, die zu einer immer weiteren Aufteilung der Waldgrundstücke führten. Viele der Waldbesitzer lebten längst in Großstädten wie Köln oder Düsseldorf und manche wüssten gar nichts mehr von ihrem Besitz, sagt Heidrun Buß-Schöne vom nordrhein-westfälischen Waldbauernverband. Fast zwei Drittel (64 Prozent) des Waldes in NRW sind in privater Hand. Damit ist dieser Anteil so hoch wie in keinem anderen Bundesland. Mit 915.000 Hektar ist mehr als ein Viertel (26,9 Prozent) der Landesfläche mit Wald bewachsen. Den Trend zu kleinsten privaten Waldparzellen, die nicht mehr bewirtschaftet werden, sieht Blaschke kritisch. „Wenn der Wald nicht gepflegt wird, kommen keine hochwertigen Bäume dabei raus." Um entsprechende Bäume heranzuziehen, sei ein Auslichten schon sehr zeitig vonnöten. „Das was dort wächst, ist das Ergebnis einer detaillierten, langfristigen Pflege." Auch beim Landwirtschaftsverband Westfalen-Lippe (WLV) wird die Entwicklung zu immer kleineren Privatwäldern aufmerksam verfolgt. Hubertus Behringmeier, Vorsitzender des Bezirksverbands Ostwestfalen, sagt dazu: „Man sieht immer mehr, dass wir kleine Waldparzellen haben, die verwildern." Ein Gegensteuern seitens des WLV stehe bislang zwar nicht zur Diskussion. Aber, so Behringmeier: „Wir haben schon ein Interesse daran, dass die Wälder ordnungsgemäß bewirtschaftet werden."

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