Düsseldorf Fragen und Antworten: So soll der Landarztmangel in NRW bekämpft werden

Bestandsaufnahme: In Westfalen-Lippe hat sich ein "Kompetenzzentrum" gegründet, um die medizinische Versorgung in der Fläche zu retten. Doch die Förderprämie für Mediziner birgt ein Problem

Florian Pfitzner
Martin Fröhlich

Düsseldorf. Der Ärztemangel vor allem auf dem Land erreicht immer dramatischere Dimensionen in Westfalen. Seit Jahren versuchen Politik und Ärzte gegenzusteuern. Ohne Erfolg? Eine Bestandsaufnahme. Nimmt die Zahl der Hausärzte tatsächlich ab? So alt die Problemlage, so tief die Kluft bei der Versorgung: Seit 2006 ist die Zahl der jährlichen Anerkennungen neuer Allgemeinmediziner in Nordrhein-Westfalen um rund 39 Prozent auf nur noch 219 im Jahr 2016 geschrumpft. Mehr als doppelt so viele Hausärzte waren hingegen 2016 ausgeschieden. Vor allem in ländlichen Regionen wie Ostwestfalen-Lippe spüren Patienten den Rückgang an niedergelassenen Hausärzten. Was tut das Land, um kurzfristig gegenzusteuern? Um die Versorgungslücken auszugleichen, setzt NRW auf eine Förderprämie zur Ansiedlung von Praxen auf dem Land. Derzeit führt die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) ein Verzeichnis mit 26 Gemeinden, in denen in naher Zukunft Engpässe bei der medizinischen Versorgung auftreten könnten. Wie hoch ist die Förderung des Landes? Droht in absehbarer Zeit die Unterversorgung, können Mediziner einen Zuschuss von 25.000 Euro beantragen. Gilt eine Gemeinde als akut unterversorgt, gibt es sogar 50.000 Euro Starthilfe. Die Anträge laufen beim sogenannten Kompetenzzentrum Weiterbildung Allgemeinmedizin Westfalen-Lippe ein. Die Förderprämie fließe "ohne großen bürokratischen Aufwand", verspricht Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe. Wo hakt es bei der Förderung noch? Unter anderem daran, dass die Ärzte die Fördermittel komplett versteuern müssen. Damit fließt ein Gutteil des Geldes, das die Mediziner anlocken soll, schon nach kurzer Zeit wieder zurück an den Fiskus - der Anreiz für die Mediziner sinkt. Nach Informationen dieser Zeitung stehen das NRW-Gesundheitsministerium und die Ärzteverbände in Verhandlungen, um diese Situation zu ändern. Was wird noch getan? Zu Jahresbeginn gegründet, vernetzen sich in einem Kompetenzzentrum die allgemeinmedizinischen Abteilungen der Ruhr-Universität Bochum und der Universität Münster eng mit der Ärztekammer, der KVWL und der Krankenhausgesellschaft NRW. Man habe es sich zur Aufgabe gemacht, "neue Wege in die hausärztliche Versorgung zu erarbeiten", heißt es allgemein in der Einladung zur Auftaktveranstaltung. Was tun die Nachbarn? In Hessen hat man den Plan, Ärzte mit Geld aufs Land zu locken, wieder verworfen. Der Kassenärztlichen Vereinigung reichen die finanziellen Anreize nicht aus - eine Förderprämie zur Ansiedlung von Praxen in ländlichen Regionen wurde im Sommer abgeschafft. Vor Kurzem schlugen die Kassenärzte ein "Aktionsbündnis für das ländliche Hessen" vor. "Hessens Weg ist nicht unser Weg", sagt Theodor Windhorst. "Es geht darum, das Geld, das uns zur Verfügung steht, richtig einzusetzen. Da werden unsere Maßnahmen bald Früchte tragen." Was tut die Politik im Bund? Im Koalitionsvertrag von Union und SPD versichern die Parteien lapidar, man wolle die Umsetzung des "Masterplans Medizinstudium 2020" zur Neustrukturierung und Verbesserung der Medizinerausbildung und zur besseren flächendeckenden hausärztlichen Versorgung gerade in ländlichen Regionen "eng begleiten". Die möglichen Koalitionäre würden "sicherstellen, dass alle auch zukünftig eine gute, flächendeckende medizinische und pflegerische Versorgung von Beginn bis zum Ende ihres Lebens erhalten", heißt es weiter - und zwar "unabhängig von ihrem Einkommen und Wohnort".

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