Der Schlüssel zum Erfolg: Gerade in Westfalen-Lippe setzen viele Bauern auf die Schweinehaltung. FOTO: DPA - © Verwendung weltweit
Der Schlüssel zum Erfolg: Gerade in Westfalen-Lippe setzen viele Bauern auf die Schweinehaltung. FOTO: DPA | © Verwendung weltweit

Münster Sorgen bei Schweinehaltern in OWL: Furcht vor Pest und Preisverfall

Mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr sind Westfalens Bauern zufrieden. Doch die Schweinehalter blicken mit Sorge in die Zukunft. Grund ist eine Tierseuche.

Martin Fröhlich

Münster/Bielefeld. Westfalens Bauern könnten erleichtert sein: 2017 war ein gutes Jahr für sie, eine „Atempause" in eher schwierigen Zeiten wie Johannes Röring, Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands, sagt. Doch die Zukunft bereitet den Bauern Sorgen, vor allem den Schweinehaltern. Aus Osteuropa droht eine Gefahr. Die Afrikanische Schweinepest (ASP) rückt immer näher. Seit zehn Jahren. Das Baltikum hat zahlreiche Fälle gemeldet, inzwischen auch Ostpolen und Tschechien. Die Krankheit verläuft bei Wild- und Hausschweinen meist tödlich, ist für Menschen aber ungefährlich. Allerdings gibt es bislang in Osteuropa kaum Fälle, in denen die ASP bei Hausschweinen auftrat. Fast alle verendeten Tiere waren Wildschweine. Dennoch haben Westfalens Bauern Angst. „Sobald in Deutschland nur ein Fall bei einem Wildschwein bekannt wird, trifft es uns", sagt Johannes Röring. Der Grund: Große Exportländer für deutsches Schweinefleisch, allen voran China, haben angekündigt, dass sie bei Auftreten der Pest sofort Sperren verhängen – auch wenn gar keine Hausschweine betroffen sind. „Da geht es um Schäden von bis zu einer Milliarde Euro für die Region", so der Bauernpräsident. NRW ist nach Niedersachsen (8,5 Millionen Tiere) das Bundesland mit den meisten Schweinen (7,24 Millionen). Röring sieht im schlimmsten Fall Betriebe in ihrer Existenz bedroht. "Es reicht schon ein weggeworfenes Wurstbrot aus Polen" Experten sagen, dass die Pest Deutschland auf jeden Fall erreicht. Das will Röring so nicht hinnehmen: „Wir müssen alles versuchen, um das zu verhindern." Deshalb fordern die Bauern Maßnahmen von den Behörden. Infektiöses Material aus Osteuropa dürfe nicht auf Höfe gelangen. Landwirte sollten nicht an Jagden in betroffenen Ländern teilnehmen. Betriebe könnten eingezäunt werden, damit keine Wildschweine in die Nähe der Ställe kommen. Erntehelfer aus Osteuropa schreibe man an und weise sie auf die Gefahr einer Übertragung hin. „Es reicht schon ein weggeworfenes Wurstbrot aus Polen, das ein Wildschwein frisst." Außerdem fordert der Deutsche Bauernverband, dass 70 Prozent der Wildschweine in den Wäldern erlegt werden, wie Vizepräsident Werner Schwarz erklärte. Tschechien geht noch weiter und erlegt in betroffenen Gebieten alle Tiere. „Die Bauern haben wieder das Gefühl, dass man mit ihnen redet und nicht nur über sie." Das zweite Problem der ersten Wochen 2018: „Für einige Produkte hat wieder ein Preisverfall eingesetzt", so Röring. Das Kilogramm Schweinefleisch sein von 1,80 Euro auf 1,34 Euro gefallen. Er kritisierte den Preisdruck durch die Schlachtbetriebe. Auch bei der Milch, deren Preis sich auf 40 Cent pro Liter erholt hatte, deute einiges auf einen erneuten Verfall des Niveaus hin. Zufrieden sei man in Westfalen-Lippe mit dem Geschäftsjahr 2016/17. Das durchschnittliche Unternehmensergebnis habe bei 64.000 Euro gelegen – ein Plus von 70 Prozent. Hier sei allerdings die EU-Betriebsprämie von 18.000 Euro eingerechnet. Nicht eingerechnet sind Erträge aus Energieanlagen wie Biogas und Windrädern, die es auf vielen Höfen heute gebe. Die schwarz-gelbe Landesregierung lobt der CDU-Bundestagsabgeordnete Röring: „Die Bauernfamilien haben wieder das Gefühl, dass man mit ihnen redet und nicht nur über sie." Der SPD im Bund wirft er vor, dass sie „keinen Landwirtschaftsexperten mehr in ihren Reihen hat". Mit Skepsis betrachte man Pläne für weitere Kennzeichnungspflichten für Produkte, die Milch oder Schweinefleisch enthalten. Dabei geht es um Haltungsbedingungen. „Wie soll das bei Leberwurst aussehen, in der Teile von Tieren aus mehreren Haltungen enthalten sind?"

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