Ein Auszubildender in einer Ausbildungswerkstatt in Berlin (Symbolbild). - © picture alliance / Bernd von Jutrczenka/dpa
Ein Auszubildender in einer Ausbildungswerkstatt in Berlin (Symbolbild). | © picture alliance / Bernd von Jutrczenka/dpa

Bielefeld Verschärfter Fachkräftemangel wird zum Wachstums-Risiko

Unternehmen in Ostwestfalen-Lippe suchen durchschnittlich 
mehr als 40.000 ausgebildete Arbeitnehmer im Jahr

Teresa Kröger

Bielefeld. Die Arbeitsmarktsituation wird immer komplexer. Aktuell verzeichnet Deutschland mit 44,3 Millionen Beschäftigten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes die höchste Anzahl an Erwerbstätigen seit der Wiedervereinigung, nicht zuletzt dank der vorherrschenden guten Wirtschaftslage. Durch die positive Konjunkturentwicklung werden am Arbeitsmarkt vermehrt Fachkräfte nachgefragt. Der massive Fachkräftemangel, der speziell die mittelständischen und die kleinen Unternehmen trifft, birgt große Risiken. Im schlimmsten Fall kann es bei den betroffenen Unternehmen zu Lieferengpässen oder Auftragsablehnungen kommen. Laut der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe werden in den nächsten Jahren mehr Fachkräfte aus den geburtenstarken Jahrgängen in den Ruhestand gehen als Nachwuchskräfte ihre Ausbildung abschließen. „Die Fachkräftelücke könnte also in den nächsten Jahren noch weiter wachsen, und das wäre dann in der Tat ein Problem für das Wirtschaftswachstum und die Versorgung mit handwerklichen Leistungen", sagt Wolfgang Borgert, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Bielefeld. Größeres Interesse am Studium Schuld daran ist die demografische Entwicklung. „Sinkende Schulentlasszahlen und ein teilweise größeres Interesse am Studium sorgen dafür, dass die Zahl der Bewerber um Ausbildungsplätze sinkt. Gerade in den handwerklichen Berufen, die für viele Jugendliche unattraktiver wirken, ist es für Unternehmen schon länger schwer, Fachkräfte zu rekrutieren", sagt Sprecherin Janine Billerbeck von der Bundesagentur für Arbeit (BA). Oftmals passt der Berufswunsch der Jugendlichen nicht mit dem Profil der ausgeschriebenen Stellen überein. Außerdem entscheiden sich immer mehr Jugendliche für ein Studium statt einer Berufsausbildung, wie die BA mitteilte. Laut der Bundesagentur für Arbeit, Stand März 2017, werden in OWL gut 800.000 Erwerbstätige in der Statistik geführt. Im Jahresdurchschnitt suchen OWL-Unternehmen mehr als 40.000 Fachkräfte – mit steigender Tendenz. „Der Mangel an Fachpersonal ist eines der größten Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung der Region", so der Pressesprecher der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen, Jörg Deibert. In den Zeitarbeitsfirmen und der BA sucht man nach Alternativen. „Zum Beispiel überschneiden sich manchmal Tätigkeitsfelder, dann kann man einen Industriemechaniker auch als Werkzeugmechaniker einsetzen", sagt Anja Schütze von Mara Personalservice.

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