Kegeln war einst eine beliebte Sportart. Tausende Männer und Frauen waren Mitglied in einem Verein oder mieteten zum Spaß nach der Arbeit eine Kegelbahn. Nun haben die Vereine massive Nachwuchsprobleme. - © picture alliance / Swen Pförtner/dpa
Kegeln war einst eine beliebte Sportart. Tausende Männer und Frauen waren Mitglied in einem Verein oder mieteten zum Spaß nach der Arbeit eine Kegelbahn. Nun haben die Vereine massive Nachwuchsprobleme. | © picture alliance / Swen Pförtner/dpa

Bielefeld Der Volkssport Kegeln rollt ins Abseits

Abwärtstrend: Kegeln zählte Ende der 1980er Jahre zu den beliebtesten Sportarten. Heute sieht die Situation dramatisch anders aus – auch in Ostwestfalen-Lippe.

Teresa Kröger

Die Sportart Kegeln könnte es schon bald nicht mehr geben. Sportstätten schließen, Mannschaften lösen sich auf und Nachwuchs fehlt vielerorts. Das Kegeln steckt in der Krise – auch in OWL. In Nordrhein-Westfalen kegeln offiziell 2.544 Menschen noch aktiv in Vereinen, doch davon sind lediglich 265 Mitglieder im Jugendbereich aktiv, also im Alter von 10 bis 18 Jahren. Für Ostwestfalen-Lippe zählt man 636 erwachsene Kegler, im Nachwuchsbereich sind es gerade einmal 132 Kegler. Kein Vergleich zu den Hochzeiten in den 1980er Jahren. „Früher war Kegeln eine Familiensport. Heute ist das längst nicht mehr so. Das ist einfach eine gesellschaftliche Entwicklung, die man nicht beeinflussen kann", bedauert der Marketingreferent des Deutschen Kegler- und Bowlingbundes, Uwe Veltrup. Das Jahr 1989 wartete mit erheblich anderen Zahlen auf: 11.613 Kegler und fast 1.000 Nachwuchskegler in ganz NRW. Diese Zeit wird auch intern die „Kegelclub-Gründerzeit" genannt. Verstaubtes Image, fehlender Nachwuchs Heute hat sich das Blatt gewendet. Es fehlt an Sportstätten. Über die Jahre entwickelte sich das Ganze in einen Teufelskreis, sozusagen einer Abwärtsspirale. Immer weniger Menschen interessierten sich für den Kegelsport und die Kegelbahnen der Gasthäuser waren kaum noch ausgelastet. Für die Gasthäuser lohnte sich der Betrieb der Bahnen kaum noch. Die Folge davon: Viele Kegelbahnen wurden nicht mehr modernisiert. „Das eher verstaubte Ambiente führte zu einem verstaubten Image und zum ausbleibenden Nachwuchs auf den Kegelbahnen", sagt Veltrup. Dabei ist die TG Herford noch einer der größeren Kegelsportvereine in der Region. Sie spielt in der ersten Bundesliga und hat einen Einzelweltmeister in der Klasse 50 bis 60 Jahre in ihren Reihen – Thomas Klein. Aber auch in einem scheinbar so erfolgreichen Verein läuft es nicht wirklich rund. Langer Unterricht lässt Jugendlichen weniger Zeit Auch die TG als einer der erfolgreichen Clubs plagen die üblichen Probleme. „Wir haben in fünf bis sieben Jahren einen Rückgang von fast 50 Prozent der Mitglieder verzeichnet. Und das, obwohl wir einen besonderen Anreiz bieten, da wir höherklassig spielen", sagt der 1. Vorsitzende der Kegelsportabteilung der TG Herford, Andreas Fischer. Es trifft so gut wie alle Vereine, dass ein Teil der Menschen zu alt wird, aber die junge Generation kaum nachfolgt. Ein großes Problem dabei besteht darin, dass die Jugendlichen meist bis 17 Uhr die Schulbank drücken und kaum Zeit zum Kegeln aufbringen können. „Einfach ist es für uns nicht, aber bei anderen Sportarten sieht das auch nicht viel besser aus", sagt Veltrup. Nur wenige entdecken noch die Leidenschaft für Würfe wie „Acht ums Vorderholz". Das lässt sich auch deutlich an den Reformen der Ligen erkennen. Spielwesen wurde reformiert Die Personenstärke in den Mannschaften hat man drastisch reduziert. In den unteren Ligen bilden bereits vier Spieler ein Team. Erst ab der Regionalliga wird die Teamstärke auf sechs Personen angehoben. Durch die stark reduzierte Anzahl an Keglern gestaltet es sich immer schwieriger, einen attraktiven Ligabetrieb aufrecht zu halten. Deshalb wurde durch die Reform des Spielwesens die Anzahl der Spieler pro Mannschaft verkleinert. So sollte zumindest mittelfristig ein regulärer Ligabetrieb ermöglicht werden. Auch Günter Mirus, 1. Vorsitzender der Bielefelder Sportkegler, weiß um die schwierige Situation. Er hofft aus einem ganz bestimmten Grund auf Besserung: „Halten wir jetzt noch ein paar Jahre durch, gibt es uns bald 100 Jahre", sagt Mirus: „Das werden wir vermutlich noch schaffen, zumindest versuchen wir dem Jubiläum positiv entgegen zu blicken."

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