Momentaufnahme: Wildkatzen sind äußerst scheu, weshalb Menschen sie im Wald nur selten zu Gesicht bekommen. - © Foto: epd
Momentaufnahme: Wildkatzen sind äußerst scheu, weshalb Menschen sie im Wald nur selten zu Gesicht bekommen. | © Foto: epd

Bielefeld Das Tier des Jahres 2018 lebt in OWL

Wildkatze: Im Naturpark Teutoburger Wald/Eggegebirge findet sich eines der wenigen noch bestehenden Vorkommen in Nordrhein-Westfalen. Die Population der scheuen Art steigt aktuell leicht an

Carolin Nieder-Entgelmeier

Bielefeld. Nachts streift sie auf Samtpfoten durch den Wald, tagsüber zieht sie sich zum Schlafen zurück. Die Wildkatze zählt zu den geheimnisvollsten Waldbewohnern, denn die scheuen Tiere bekommt kaum jemand zu Gesicht. Damit die Öffentlichkeit der bedrohten Art mehr Aufmerksamkeit schenkt, hat die deutsche Wildtierstiftung die Wildkatze zum Tier des Jahres 2018 gekürt. Heimisch ist sie übrigens auch in Ostwestfalen-Lippe. Im Naturpark Teutoburger Wald/Eggegebirge findet sich eines der wenigen noch bestehenden ursprünglichen Wildkatzenvorkommen in Nordrhein-Westfalen. In großen, zusammenhängenden Waldgebieten fühlen sich Wildkatzen am wohlsten. "Doch die genaue Zahl lässt sich leider nicht verlässlich beziffern, weil der Nachweis von Wildkatzen extrem schwierig ist", erklärt Jochen Behrmann, Geschäftsleiter des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in NRW. »Wildkatzen benötigen viel Platz zum Leben und wandern viel« "Sichtungen oder Fotos reichen aufgrund der hohen Verwechslungsgefahr mit verwilderten Hauskatzen für einen Nachweis nicht aus." Verlässliche Zahlen können deshalb nur mit DNA-Nachweisen ermittelt werden, sagt Behrmann. Möglich sei das beispielsweise mit der Nutzung von Lockstoffen. "Holzpflöcke werden in Baldrian getränkt und in den Boden geschlagen. Die Tiere reiben sich an dem Pfahl, sodass Haare an dem rauen Holz hängen bleiben. Die können dann eingesammelt und im Labor untersucht werden." Der BUND schätzt das Wildkatzenaufkommen in Deutschland grob auf 5.000 bis 8.000 Tiere. "Etwa ein Zehntel davon lebt in NRW", sagt die BUND-Referentin für Wildkatzenschutz in NRW, Christine Thiel-Bender. "In der Eifel, dem Gebiet mit der größten Wildkatzenpopulation Deutschlands, leben etwa 1.000 Tiere." Von der Eifel aus wandern die Wildkatzen weiter ins Land. Nachweise dazu gibt es neben OWL auch im Rothaargebirge, im Arnsberger Wald und im Kottenforst in der Nähe von Bonn. "Sicher ist, dass die Wildkatze in nordrhein-westfälischen Wäldern wieder vermehrt umherstreift." Leichter Anstieg der Population Die Wildkatze erobert sich also ihren Lebensraum zurück, und das trotz erschwerter Bedingungen. Denn große, zusammenhängende Waldgebiete gibt es für die Tiere kaum noch. "Waldgebiete werden durch Verkehrswege und Flächennutzungen weiter zerschnitten, wodurch die Erhaltung der Wildkatzenpopulationen trotz des strengen Schutzes und leicht steigender Zahlen weiterhin einer großen Bedrohung ausgesetzt ist", moniert Behrmann. Die meisten Todesopfer unter Wildkatzen fordert das dichte und viel befahrene Straßennetz. "Wildkatzen benötigen viel Platz zum Leben und wandern viel. Dabei queren sie häufig Straßen und werden überfahren. Die weitere Ausbreitung der Wildkatzen geschieht deshalb viel langsamer, als es eigentlich möglich sein könnte", sagt Malte Götz, Wildkatzenexperte der Deutschen Wildtier-Stiftung. Deshalb plädiert die Stiftung für mehr Schutzmaßnahmen. "Wildkatzen sind auf den Erhalt naturnaher Wälder sowie hecken- und gehölzreicher Kulturlandschaften angewiesen", sagt Götz. Um wirksame Schutzmaßnahmen ergreifen zu können, müsse die Forschung vorangetrieben werden. "Denn noch immer bleibt vieles über die ökologischen Ansprüche der Wildkatze im Verborgenen." Inwieweit menschliche Aktivitäten in Wäldern, wie zunehmender Verkehr auf Waldwegen oder der Betrieb von Windenergieanlagen, das Verhalten und die Lebensbedingungen der Wildkatzen beeinflussen, ist nicht erforscht.

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