Vollverschleierte Frauen auf einer Kundgebung des radikalen Salafistenpredigers Pierre Vogel im Jahr 2014. - © picture alliance / dpa
Vollverschleierte Frauen auf einer Kundgebung des radikalen Salafistenpredigers Pierre Vogel im Jahr 2014. | © picture alliance / dpa

Bielefeld/Herford Salafistenfrauen sammeln für Terror-Netzwerke in NRW

Beobachtungen: Der Verfassungsschutz des Landes identifiziert Gruppe von rund 40 Mitgliedern. Sie vermitteln dort ihre Ideologie. Auch Ostwestfalen-Lippe ist betroffen

Matthias Bungeroth

Bielefeld/Herford. Sie geben in den sozialen Netzwerken scheinbar harmlose Tipps für ein gutes Leben, Ernährung oder auch Kindererziehung. Doch dahinter verbergen sich nicht selten Aktivitäten von Frauen, die dem salafistischen Umfeld zugeordnet werden. "Wir gehen im Moment von etwa 40 aktiven Frauen aus", sagt Tobias Dunkel, Sprecher des nordrhein-westfälischen Innenministeriums, auf Anfrage. Auch Ostwestfalen-Lippe haben die Verfassungsschützer im Blick. Die Herforderin Birgit Ebel, Vorsitzende der Präventionsinitiative "Extrem dagegen", ist überzeugt davon, dass es entsprechende Aktivitäten auch in der Region gibt. "Wir haben hier in OWL ganz klar salafistische junge Frauen, die den ganzen Tag werben", sagt sie unserer Zeitung. Ihre Themen seien Geschlechtertrennung, Vollverschleierung, Scharia und Hetze gegen angeblich Ungläubige. "Ganz junge Frauen und oft Konvertitinnen, deutsch-einheimische Mädchen und Frauen lassen sich anwerben", so Ebel weiter. Es gebe in OWL mehrere Facebookgruppen dieser Art, die ihr bekannt seien. Inhaftierte Männer hinterlassen Lücken Aktivitäten wie diese werden seit einiger Zeit vom Verfassungsschutz des Landes beobachtet. Denn, so Dunkel: "Sie vermitteln eine Ideologie, die Nährboden ist für den nächsten Schritt." Mit diesen Aktivitäten füllen Frauen den Erkenntnissen der Behörde zufolge die Lücke, die durch die Inhaftierungen männlicher Angehöriger der salafistischen Szene entstanden sind. "Das ist ein Phänomen, das der Verfassungsschutz erkannt hat. Und das ist natürlich nicht gut", so Dunkel weiter. Dieses sei im Rahmen der Onlinebeobachtung aufgefallen. Mit ihren Aktivitäten, die auf einem "klassischen, eindimensionalen Rollenverhalten" fußten, produzierten die weiblichen Netzwerker neue Teilnehmer der salafistischen Bewegung, sagt der Sprecher. Aktivitäten der Salafisten werden deutlich in familiären Bereich verlagert Dunkel berichtet als Beispiel von einer Facebook-Gruppe, die Spenden für inhaftierte IS-Aktivisten sammele, die rund 2.500 bis 3.000 Mitglieder habe. "Frauen sind einfach gute Netzwerker", sagt Dunkel. Mit ihren Aktivitäten im Internet hat sich der Salafismus nach den Erkenntnissen des NRW-Verfassungsschutzes immer mehr in den familiären Bereich verlagert. Dies sei auch auf die Fahndungserfolge, wie etwa dem Verbot der Koran-Verteilaktion "Lies", die auch in Städten wie Bielefeld und Herford zu beobachten war, zurückzuführen. Deshalb sehen die Verfassungsschützer auch die Gefahr, dass sich in NRW salafistische Parallelgesellschaften entwickeln könnten.

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