Ausverkauft: 300 Zuschauer lachen in der Bielefelder Hechelei mit den Journalisten der NW über kuriose Zuschriften. - © Oliver Krato
Ausverkauft: 300 Zuschauer lachen in der Bielefelder Hechelei mit den Journalisten der NW über kuriose Zuschriften. | © Oliver Krato

Bielefeld Hass zum Lachen: Dritter Hateslam der NW

Hateslam: 300 Zuschauer lachen in der ausverkauften Bielefelder Hechelei mit Journalisten der Neuen Westfälischen über kuriose, fiese und hasserfüllte Leserzuschriften.

Carolin Nieder-Entgelmeier

Bielefeld. Die Ehe für alle, der Wahlerfolg der AfD, Sexismus in Kreuzworträtseln, Horrorclowns, Zuwanderung und die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen – all diese Themen haben die Leser der NW in den vergangenen Monaten besonders beschäftigt. Den Hass mit Humor entlarven In Tausenden Zuschriften loben und kritisieren die Leser die Arbeit der Redakteure und tragen so zu einer Verbesserung ihrer Arbeit bei. Doch in einigen Zuschriften regiert mitunter eine Hasskultur, die eine Veröffentlichung unmöglich macht. Damit diese Zuschriften nicht verstauben, inszenieren die Redakteure beim dritten Hateslam in Bielefeld wieder die fiesesten Leserbriefe und entlarven den Hass mit Humor. Immer dann, wenn Leser anonyme Zuschriften schicken, sind die Inhalte besonders absurd. So fordert einer der fleißigsten Leserbriefschreiber der NW, dass die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen, die in Deutschland sieben Prozent beträgt, bei Kommentatorinnen der NW noch höher angesetzt werden sollte. In seinen seitenlangen Ausführungen beschreibt der Unternehmer, der seine Zuschriften vom Mailaccount seiner Frau schickt und der Redaktion trotz dieses genialen Tricks bekannt ist, „dass die systematischen Falschbehauptungen von weiblichen Kommentar-Absetzern, die auf die Diskriminierung von Männern abzielen, per se mit sieben Prozent Lohnabzug bestraft werden und weitere sieben Prozent, weil Respektlosigkeit und Ungehorsam gegenüber Männern bestraft gehört." Zum Abschluss noch die Drohung: „Sollten Sie sich weigern, das Feierabendbier aus dem Keller zu holen, werden Sie mit weiteren Strafzahlungen bedacht." Ein anderer Leser rät Redakteurinnen der NW, die er Tusneldas nennt, zu einem Blick in den Spiegel, wenn sie Horrorclowns sehen wollen. Für Aufregung sorgt auch die Bezeichnung von Daniela Schadt, der Lebensgefährtin des ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck, als First Lady. Ein Leser fragt die Redaktion: „Frau Schadt ist nur die Geliebte des Bundespräsidenten, eines verheirateten Pfarrers, und ihr Auftreten in der Öffentlichkeit zeigt eine Frau ohne jedes Schamgefühl, ohne Ehrgefühl und Moral. Macht das eine First Lady aus?" Sexismus im Kreuzworträtsel? In der Kritik stehen auch die Kreuzworträtsel der NW. Eine Leserin moniert, dass in das Suchfeld „Erwachsener Mensch" nur das Wort Mann passt. „Entscheidet etwa das Geschlecht darüber, in einem Kreuzworträtsel als erwachsen zu gelten?" Richtig zornig reagieren Leser auf die Berichterstattung über die Ehe für alle. Für den einen Leser ist die Abstimmung eine Niederlage für heterosexuelle Menschen und für den anderen die Öffnung für Sodom und Gomorrha. Wieder andere fordern in ihren hasserfüllten Zuschriften, dass homosexuellen Menschen Liebesbekundungen in der Öffentlichkeit verboten werden, „weil Homosexualität eine evolutionäre Fehlentwicklung ist". Sie fordern auch, homosexuellen Menschen das Adoptionsrecht zu verwehren, „weil Kinder nicht nur kleine Fruchtzwerge sind, die man wie ein Pflegemittel einsetzen kann, um die seelischen Gemüsebeete von Schwulen und Lesben in Schuss zu halten". Nüchtern nacherzählt klingt das, was der Medienanwalt der NW, Ralf Petring, Chefredakteur Thomas Seim, Redakteurin Ariane Mönikes sowie Annika Falk-Claußen, die leiterin der Digital-Redaktion, und ihr Stellvertreter Christian Lund auf der Bühne vortragen, absurd, mitunter sogar beschämend. Doch sobald es laut inszeniert wird, können Redakteure und Zuschauer nicht anders, als lauthals zu lachen. Besonders häufig steht der Chefredakteur am Pranger, insbesondere wenn er die Arbeit oder Äußerungen von Politikern kommentiert. Ab und an wird Seim sogar zum Kampf aufgefordert: „Es ist jetzt Ihre heilige Pflicht als der Ritter der Kokosnuss: Zücken Sie Ihr Schwert, kämpfen Sie gegen die Windräder des Bösen, Sie tapferer Knappe einer großen Frau, nämlich Hannelörchen, der ersten und zugleich letzten."

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