Eine Studie hat erforscht, wo in Deutschland am meisten gestritten wird - © picture alliance / blickwinkel/M. Baumann
Eine Studie hat erforscht, wo in Deutschland am meisten gestritten wird | © picture alliance / blickwinkel/M. Baumann

Bielefeld In NRW und Berlin leben die streitfreudigsten Deutschen

Männer sind häufiger in Ärger verwickelt als Frauen. Bundesweit den meisten Stunk gibt es in Oberhausen. Ein ansässiger Schiedsmann weiß, warum

Friderieke Schulz

In Deutschland wird zunehmend mehr gestritten. Bundesweit fallen auf 100 Einwohner im Schnitt 25,1 Streitfälle. Das geht aus der neuen Streitatlas-Studie von Advocard, dem Rechtsschutzversicherer der Generali, hervor. Demnach geht es unter den Bundesländern besonders in Berlin mit 31,2 Streitfällen hitzig her, gefolgt von NRW, das mit 28,8 Fällen das streitfreudigste Flächenland ist. Sieben der Top-Ten-Streitstädte liegen im Westen. In der Familie herrscht der meiste Streit Angeführt werden diese von Oberhausen (34,1). Die prozentuale Steigerung von 4,8 im Vergleich zum Vorjahr ist spürbar, wie der heimische Schiedsmann Andrè Schruff berichtet: „Ich habe rund 16 Fälle pro Jahr in meinem Bezirk in Oberhausen. Im Vergleich mit anderen Kollegen ist das viel." Wie in der Studie überwiegt auch bei seinen Fällen der Streit im Privatleben. „Von Beleidigung über leichte Körperverletzung bis hin zum Nachbarschaftsärger über zu viel Laub, überwachsende Pflanzen oder zu hohe Zäune, ist alles dabei", so Schruff. Zugenommen hätte die Zahl der Beleidigungen. Diese Fälle enden oft ohne Einigung. Männer zoffen sich am häufigsten Nicht mitgezählt hat der Schiedsmann die telefonischen Anfragen, bei denen es nicht zur eigentlichen Schiedstätigkeit kommt: „Das sind viel mehr geworden." Gründe dafür sieht Peter Stahl, Vorstandssprecher bei Advocard, in der steigenden Zahl von Gesetzen. „In Deutschland kann man heutzutage immer schneller in einen Streit verwickelt werden. Bis der beigelegt wird, dauert es zudem zunehmend länger", sagt Stahl. Mehr als zwei Drittel der Streitigkeiten werden von Männern ausgetragen. Ihr häufigster Streitgrund ist zugleich mit 27,9 Prozent der zweithäufigste im gesamten Ranking: der Straßenverkehr. Die Zahl der Bußgeldverfahren steigt „Den Eindruck kann ich bestätigen", sagt der Bielefelder Fachanwalt für Verkehrsrecht, Mirko Roßkamp. Das läge vor allem an dem Verhalten der Versicherer bei Unfällen, die es ihren Kunden schwerer machen, an ihr Recht zu kommen.„Es gibt mehr Versicherer, viel mehr unterschiedliche Arten von Versicherungen und mehr Internet-Firmen, die keine Ansprechpartner für die Kunden haben." Gleichzeitig steige die Zahl der Bußgeldverfahren. „Die Leute fahren nicht unvernünftiger. Kleinere Straftaten, wie Nötigung oder Trunkenheit am Steuer werden sogar seltener. Es gibt einfach eine extreme Zunahme der Verkehrsüberwachung." Andererseits können nach der Umstellung der Verkehrssünderdatei in Flensburg schon kleine Unachtsamkeiten zu Punkten führen. Immer mehr Autofahrer wehren sich dagegen juristisch.

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