Die NRW-Landesregierung hat den Fahrplan im Wechsel zurück zum Abitur nach neun Jahren (G9) beschlossen. - © picture alliance / Frank May
Die NRW-Landesregierung hat den Fahrplan im Wechsel zurück zum Abitur nach neun Jahren (G9) beschlossen. | © picture alliance / Frank May

Düsseldorf NRW-Kabinett beschließt Abkehr vom "Turbo-Abi“ - 2300 neue Lehrer

Düsseldorf (dpa). Zum Schuljahr 2019/2020 soll das Abitur nach neun Jahren an den Gymnasien (G9) in Nordrhein-Westfalen wieder zur Regel werden. Auch G8 bleibt aber möglich. Die Kosten für den Umstieg sollen nicht an den Kommunen hängen bleiben. Entsprechende Eckpunkte für ein neues Schulgesetz hat das Landeskabinett am Dienstag in Düsseldorf beschlossen. Detailfragen sind in Eckpunkten für neue Ausbildungs- und Prüfungsordnungen geregelt, die Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) vorstellte. Im Folgenden ein Überblick über die wichtigsten Veränderungen. DER ZEITPLAN Die Umstellung von G8 auf G9 als Regelfall an öffentlichen Gymnasien startet im übernächsten Schuljahr mit den Klassen fünf und sechs. Gebauer sieht derzeit keine Grundlage, dem Drängen einer Elterninitiative nachzukommen, schon zu Beginn mehr Jahrgänge auf den G9-Bildungspfad mitzunehmen. Das Gesetz soll vor den kommenden Sommerferien verabschiedet werden. DIE ENTSCHEIDUNG Die Schulkonferenz - zu je einem Drittel besetzt mit Schülern, Eltern und Lehrern - kann zum Schuljahr 2019/20 einmalig entscheiden, bei G8 zu bleiben. Ein solcher Beschluss müsste im Herbst 2018, spätestens aber bis Ende Januar 2019, mit einer Zweidrittel-Mehrheit plus einer Stimme getroffen werden. Allerdings können die kommunalen Schulträger bei gravierenden Gründen ein Vetorecht geltend machen. Bei späteren Wechselentscheidungen zu G8 oder G9 liegt die Entscheidungsgewalt nur noch beim Schulträger. Voraussetzung ist dann eine stichhaltige Bedarfsprüfung. PLANUNGSSICHERHEIT Das Schulministerium rechnet damit, dass über 90 Prozent der Gymnasien zu G9 zurückkehren werden. „Es gibt eine Lücke für Eltern, die ihre Kinder jetzt anmelden wollen", räumte Gebauer ein. Eine verbindliche Auskunft, welchen Weg sie künftig gehen, könnten die Gymnasien derzeit noch nicht geben. Es wäre aber wünschenswert, den Eltern nach Möglichkeit bereits eine Tendenz zu nennen, sagte Gebauer. DIE KOSTEN Wie viele Millionen der Umstieg genau kostet, kann das Schulministerium derzeit nicht beziffern. Klar ist aber, dass mit den Kommunen eine pauschale Erstattung vereinbart werden soll. Bei Spätwechslern, die sich noch nicht zum übernächsten Schuljahr festlegen, ist die Kostenübernahme noch nicht geklärt. DIE LEHRER In der Endphase des Umstiegs werden nach Berechnungen des Ministeriums etwa 2300 zusätzliche Lehrerstellen in NRW nötig sein. DIE KLASSENZIMMER Die Jahrgangsstufe 13 wird in Großstädten wie Köln, Düsseldorf, Bonn oder Münster bis zum Schuljahr 2026/27 jeweils etwa 150 zusätzliche Klassenräume erforderlich machen. DER LEHRPLAN Die Gespräche mit den Schulbuchverlagen laufen bereits. Die alten Schulbücher, die bis 2005 verwendet worden waren - also vor der Schulzeitverkürzung in NRW - sind nicht mehr brauchbar. Die schwarz-gelbe Landesregierung will neue Akzente setzen, vor allem in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik, bei digitalen Kenntnissen, aber auch in der Verbraucherbildung und bei ökonomischen Kompetenzen, die mittelfristig in einem eigenen Schulfach „Wirtschaft" vermittelt werden sollen. DIE STUNDENTAFEL Mehr Zeit zum Lernen bedeutet auch mehr Unterricht. In der Sekundarstufe I soll die sogenannte Gesamtjahreswochenstundenzahl von derzeit 163 auf 188 steigen. Vor 2005 lag sie bei 179. Das Unterrichtsvolumen ist so bemessen, dass grundsätzlich ein Halbtagsbetrieb möglich ist. Von den 188 Wochenstunden sollen acht nicht verbindlich sein. Die Schulen können sie nutzen, um schwächere und besonders starke Schüler individuell zu fördern oder um das Profil der Schule zu schärfen - etwa mit einem bilingualen oder mit einem künstlerisch-musischen Schwerpunkt. FREMDSPRACHEN Laut Schulministerin sprechen sich alle Fachverbände dafür aus, mit der zweiten Fremdsprache an allen Schulformen erst wieder in Klasse 7 statt schon in Klasse 6 zu beginnen. Dazu gebe es eine Tendenz, aber noch keine finale Entscheidung, sagte Gebauer.

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