Ärztemangel ist auch in OWL ein Thema. - © picture alliance/Ulrich Baumgarten
Ärztemangel ist auch in OWL ein Thema. | © picture alliance/Ulrich Baumgarten

Der Druck wächst: Ärzte-Vereinigung erfüllt ihre Pflicht nicht

Martin Fröhlich

Bielefeld. In einigen Städten in OWL herrscht schon Ärztemangel, in vielen droht er. Die Kommunen denken längst darüber nach, wie man vor allem Haus- und Kinderärzte anlockt. Doch sie sind gar nicht dafür zuständig. Der gesetzliche Sicherstellungsauftrag liegt bei der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL). Und der Druck auf diese wächst. Neun OWL-Kommunen führt die KVWL bereits als förderberechtigt bei Hausärzten, was nichts anderes bedeutet, als dass dort perspektivisch ein Mangel herrschen wird. Weitere werden dazukommen. Die Städte und Gemeinden wollen dem Versuch der KV, den Mangel zu verhindern, nicht länger untätig zuschauen. Sie starten eigene Projekte, erhöhen aber zugleich den Druck auf die KV: „Wenn sie die ärztliche Versorgung auf dem Land dauerhaft nicht sicherstellen können, dann muss das eben gesetzlich neu geregelt werden", sagt Reinhold Stücke, Vorsitzender des Regionalrates OWL. Es könne letztlich nicht in der Verantwortung der Kommunen liegen, ausreichend Ärzte zu besorgen. Auch Susanne Mittag, Bürgermeisterin von Langenberg, sieht die KV in der Pflicht: „Wenn sich die Lage verschlechtert, werden wir als Kommunen in OWL gemeinsam den Druck erhöhen", sagte sie am Rande einer Bürgermeisterkonferenz in Bielefeld. An dieser nahmen Vertreter von mehr als der Hälfte aller Städte und Gemeinden der Region teil. Sie wollten ausloten, wie Kommunen dabei helfen können, dem Ärztemangel zu begegnen. „Wir brauchen mehr Gestaltungsräume", so Mittag. KV widerspricht Vorwürfen Bei der KV in Dortmund wehrt man sich gegen die Vorwürfe. „Es ist uns bislang in OWL immer gelungen, das Versorgungsnetz ohne spürbare Lücken aufrecht zu erhalten", sagt Sprecher Jens Flintrop. Es gebe einen Mangel, aber keine Unterversorgung. Die Zahlen kennt auch die KV: Jeder dritte der 5.000 Hausärzte in Westfalen-Lippe ist über 60 Jahre alt, der Mangel vielerorts eine Frage weniger Jahre, weil es an Nachwuchs fehlt. „Das bereitet auch uns Sorgen, weshalb wir schon früh Maßnahmen ergriffen haben", sagt Flintrop. Er verweist auf Förderkonzepte, Nachwuchskampagnen an den Unis, Sonderbedarfsregelungen und die Erlaubnis von Filialpraxen in schlecht versorgten Kommunen. Günter Garbrecht, früherer Landtagsabgeordneter der SPD und Gesundheitsexperte, warb für eine Reform des Vergütungssystems. „Ärzte in unterversorgten Gebieten müssen beim Honorar bessergestellt werden, nur so können wir Anreize schaffen.

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