Bielefeld Mehr Sicherheit in Zügen kostet 2,6 Millionen Euro

Im Dezember beginnt auf der Bahnlinie zwischen Hamm und Bielefeld ein Pilotprojekt, das mehr Zugbegleiter und Sicherheitsteams auf den Weg bringt.

Matthias Bungeroth

Bielefeld. Die Sicherheit für die Fahrgäste auf den Bahnlinien zwischen Hamm und Bielefeld soll deutlich besser werden. Das sieht ein Pilotprojekt vor, über das die Zweckverbandsversammlung des Verkehrsverbundes Ostwestfalen-Lippe (VVOWL) beraten hat. Die Kosten für das auf eine Dauer von zwei Jahren angelegte Projekt liegen laut Planung bei etwa 2,6 Millionen Euro. Davon trägt der Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) als Aufgabenträger gut 1,7 Millionen, das Land Nordrhein-Westfalen fördert es mit gut 800.000 Euro. Kurt Kalkreuter, Vorsitzender des Gremiums, sieht diese Weichenstellung als einen Einstieg in mehr Sicherheit des Schienennahverkehrs insgesamt an, wie er dieser Zeitung sagte. „Wir wollen dahin kommen, dass wir zu einer 100-prozentigen Zugbegleiterquote kommen." Dieses optimale Sicherheitskonzept sei jedoch nicht zum Nulltarif zu haben. Die lückenlose Begleitung aller Züge würde den NWL rund zehn Millionen Euro pro Jahr kosten, rechnet Kalkreuter vor. Das jetzt auf den Weg gebrachte Pilotprojekt geht auf die Analyse des NWL zurück, dass auf der Strecke Hamm – Bielefeld – Minden in jüngster Zeit „eine Häufung der Schadensfälle" stattgefunden habe, wie es in der Vorlage für die politischen Gremien heißt. Es habe steigende Zahlen von Übergriffen auf Mitarbeiter der Verkehrsunternehmen und eine Verschlechterung des Sicherheitsgefühls der Fahrgäste gegeben. Zudem sei die Deeskalation zunehmend schwieriger geworden und damit ein wachsender Handlungsdruck für die Eisenbahnunternehmen entstanden. Hauptbestandteile des Sicherheitskonzepts sind Dreierteams, die künftig in den Zügen präsent sein sollen und aus zwei Sicherheitskräften und einem Zugbegleiter bestehen werden. Die Sicherheitskräfte sollen schwerpunktmäßig in den Nächten von Freitag auf Samstag sowie von Samstag auf Sonntag zum Einsatz kommen. Eine Leitstelle der Bundespolizei soll die Einsätze planen. Auf den Verkehrsstationen in Hamm und Umgebung sollen darüber hinaus Sicherheitsteams mit je einem Hundeführer und einem Diensthund eingesetzt werden. 16 Stunden pro Tag sollen davon abgedeckt sein. Zeitlich noch nicht konkret absehbar ist die Ausweitung des Anfang August eingeführten Westfalentarifs für den schienengebundenen Nahverkehr in den Raum Kassel/Hofgeismar. Diese Nachricht nahm die Zweckverbandsversammlung entgegen. Hintergrund sei ein Zuschussbedarf von bis zu 1,9 Millionen Euro pro Jahr für den NWL oder eine zuschussneutrale Lösung, die aber „zu unerträglich hohen Einzelticket-Preisen" führen würde, wie es in der Vorlage heißt. Deshalb will man nun die Fahrgastzahlen auf der betroffenen RE-Linie 11 (Hamm – Paderborn – Kassel) näher untersuchen. Die Einführung des Westfalentarifs im Raum Kassel verschiebe sich deshalb auf Ende 2019/Anfang 2020.

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