Alles besetzt: Aus der Luft stellt sich die Parksituation für Lkw meistens so dar. - © dpa
Alles besetzt: Aus der Luft stellt sich die Parksituation für Lkw meistens so dar. | © dpa

Bielefeld Zu wenig Lkw-Stellplätze: Brummis überfüllen Rasthöfe

Auf Autobahnen in OWL gibt es massiven Bedarf an Lkw-Stellplätzen. Die Laster müssen in Verbotszonen parken. Sie nehmen Bußgelder und ein Unfall-Risiko in Kauf

Bielefeld. Brummi-Fahrer Hans Berger rudert wild mit seinen Armen und flucht lautstark aus dem offenen Fenster: „Das ist jetzt der sechste Parkplatz. Nirgendwo ist was frei. Was für eine Sauerei." Verzweifelt stellt er seinen Zwanzig-Tonner nach einigen Minuten am Streckenrand ab. Es ist Donnerstag, kurz nach 19 Uhr – und die Raststätte Lipperland Süd auf der A 2 bei Bielefeld ist rappelvoll. Neu ist das Problem nicht. Aber: Es wird immer schlimmer – den Brummi-Fahrern fehlt es massiv an Parkplätzen. Auch für den Autoverkehr ist abends kaum noch ein Durchkommen – eine gefährliche Situation für alle. An den Autobahnen in Ostwestfalen-Lippe gibt es 31 Rastanlagen mit insgesamt 862 Lkw-Stellplätzen. Dazu kommen noch sechs Autohöfe. Die Anlagen Heideplatz und Sürenheide sind derzeit im Bau, sie sollen 72 zusätzliche Stellplätze bieten. Doch das ist noch immer viel zu wenig. Eine Erhebung im Auftrag des Landtages hatte bereits im Jahr 2013 ermittelt, dass in NRW rund 4.000 Lkw-Stellplätze fehlen. Neue Zahlen soll es im nächsten Jahr geben. "Das kann schon bis zu 600 Euro ausmachen" Für die überfüllten Rastplätze gibt es vor allem zwei Gründe: Durch die EU-Osterweiterung 2004 ist das Lkw-Aufkommen auf deutschen Autobahnen massiv gestiegen. Zudem müssen sich die Fahrer an strenge Regeln halten – die sogenannten Lenkzeit-Vorschriften. Sie schreiben Mindestpausen und Ruhezeiten vor. Neun Stunden dürfen die Trucker innerhalb von 24 Stunden fahren, dann ist Schluss. Wer dagegen verstößt, muss zahlen. „Das ist richtig teuer und kann bis zu 600 Euro ausmachen", sagt Brummi-Fahrer Hans Berger aus Thüringen. Das Problem: Manchmal suche er bis zu zwei Stunden lang einen Parkplatz für die Nacht. Die Zeit fehle ihm am Ende. „Wie soll ich denn dann pünktlich liefern? Ich muss ja schließlich Pause machen", sagt er. Sonst gebe es Probleme mit der Polizei und seinem Chef. Auch Lkw-Fahrer Laimutis Puodziukas kennt das Problem: „Ab 17 Uhr geht auf den Autobahnraststätten gar nichts mehr", sagt der gebürtige Litauer und fragt: „Wo sollen wir denn hin?" Er kann gut verstehen, dass viele seiner Kollegen aus der Not heraus auf dem Standstreifen parken oder mit ihren Brummis die Auf- und Ausfahrten belegen. „Ein Bußgeld ist vergleichsweise günstig", sagt er. Tatsächlich ist die Summe verhältnismäßig gering. „Das Parken auf dem Seitenstreifen einer Autobahn kostet 70 Euro und gibt einen Punkt", sagt Bielefelds Polizei-Sprecherin Kathryn Landwehrmeyer. Kommt es dadurch zu einem Unfall, erhöht sich das Bußgeld auf 105 Euro. Parkt ein Lkw auf einem Pkw-Stellplatz, muss der Fahrer zwischen zehn und 30 Euro zahlen. "Es wird von Jahr zu Jahr schlimmer mit dem Platz" Die überlasteten Parkplätze werden in der Dunkelheit nicht selten zur Gefahr: Im vergangenen Jahr kam es auf Autobahnraststätten in OWL zu 32 Verkehrsunfällen – in zwei Fällen wurden Menschen verletzt. 2014 waren es 20 Unfälle, 2013 knallte es 18 Mal. „Mir wurden erst kürzlich die Spiegel abgefahren und die Türen zerkratzt, weil ein Spinner hier viel zu schnell durchgebrettert ist", schimpft Brummi-Fahrer Berger. Die Parksituation bezeichnet er als „katastrophal" – und zwar in ganz Deutschland. „Es wird von Jahr zu Jahr schlimmer." Abhilfe ist in Sicht – aber nur in kleinen Schritten. Laut Straßen NRW werden landesweit aktuell 453 neue Lkw-Parkstände gebaut. Knapp 500 sollen noch zusätzlich in diesem Jahr in Bau gehen. Die Kosten liegen pro Stellplatz bei 30.000 bis 50.000 Euro. Das Ausweichen auf Gewerbegebiete in den Städten an der Autobahn ist für viele Trucker keine Option. „Da gibt es ja keine Toiletten und außerdem muss man dafür die Gegend kennen", sagt Puodziukas. So bleibt nur der Stopp auf überfüllten Raststätten – notfalls eben auch im Parkverbot.

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