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Uni Bielefeld forscht: Eignen sich Roboter fürs Sprachtraining?

Forscher der Uni Bielefeld arbeiten mit Kindertagesstätten in Ostwestfalen-Lippe zusammen

Ingo Kalischek

Bielefeld. Es ist eine skurrile Vorstellung: Roboter schlendern durch den Kindergarten, sprechen mit den Kindern, betreuen sie und bringen ihnen Vokabeln bei. Was an einen Science-Fiction-Streifen erinnert, ist in Teilen bereits Realität. Forscher der Universität Bielefeld gehen in einem internationalen Projekt einer zentralen Frage nach: Eignen sich Roboter im Kindergarten als Sprachtrainer? Dafür arbeiten sie mit Kindertagesstätten in Ostwestfalen-Lippe zusammen. Robin ist etwa so groß wie ein Kleiner Münsterländer, hat einen großen Kopf, bewegliche Arme und Beine und ist ausgestattet mit Kopfkamera und Tablet. Robin stammt aus Paris und ist ein Roboter. Seine Aufgabe: Kindern englische Vokabeln beibringen und sie dabei unterhalten. Das Tablet dient Robin als Hilfsmittel. Er gibt den Kindern zum Beispiel die Anweisung: „Setze den ’dog’ hinter den Baum." Das Kind kann auf dem Tablet zwischen verschiedenen Tieren wählen. Bewegt es das richtige Tier – in diesem Fall den Hund – erhält es prompt ein Lob von Robin. Dann folgt die nächste Übung. So sollen die Kinder zum Beispiel englische Begriffe im Straßenverkehr lernen – „links, rechts, geradeaus". Viele Sprachprobleme bei Kindern Auch Gesten setzt Robin ein, indem er mit seinen Armen flattert, um ein Huhn nachzumachen oder sich am Kopf kratzt, um einen Affen zu beschreiben. Zu einer spontanen Tanzeinlage ist Robin ebenso in der Lage. „Der Roboter nimmt die Rolle eines Lernbegleiters und Freundes, aber nicht die des Lehrers ein", erklärt Professor Stefan Kopp vom Exzellenzcluster Kognitive Interaktionstechnologie (CITEC) der Universität Bielefeld. Kopp koordiniert das deutsche Teilprojekt namens „L2TOR", an dem noch vier weitere Wissenschaftler der Universität Bielefeld beteiligt sind. Insgesamt sind fünf Universitäten aus der Türkei, den Niederlanden und England mit dabei. Die Wissenschaftler wollen herausfinden, ob sich Roboter im Kindergarten als Sprachtrainer eignen und welche Eigenschaften sie dafür benötigen. Warum aber gehen die Forscher dieser Frage überhaupt nach? Kopp verweist auf Sprachprobleme vieler Kinder in der Grundschule und bezeichnet sie als ausschlaggebend für den späteren Bildungserfolg. Kopp sieht in dem vorschulischen Bereich viel Entwicklungsbedarf: „In Kindergärten tummeln sich heute viele Kinder mit Migrationshintergrund und verschiedenen Sprachen. Die kann man nicht einfach bloß in eine Gruppe werfen." Wichtig sei individualisiertes Lernen. Das sei aber im Alltag aufgrund von Personalmangel oft nicht möglich. Ein Roboter könne ergänzend tätig sein, beim sogenannten „Co-learning". „Durch den Roboter sind Kinder motivierter und haben mehr Spaß. Er kann sie bei der Stange halten", erklärt Kopp. Außerdem habe der Roboter „unendlich viel Geduld". Weiterer Vorteil: „Wenn eine Erzieherin ein Kind motivieren und loben will und sich deshalb bewusst unwissend oder überrascht verhält, kaufen viele Kinde ihr das nicht ab. Dem Roboter hingegen schon." Könnten Roboter also künftig Erzieher ersetzen? Kopp geht diese Frage zu weit. Erst müsse man klären, inwieweit sich Roboter überhaupt eignen – erst danach könne man eine gesellschaftliche Debatte führen. Ohnehin sei beim Sprachtraining in Kindertagesstätten anfangs immer eine Erzieherin dabei. Der Roboter solle auf keinen Fall zu einer neuen Bezugsperson werden, sondern nur eine Ergänzung. Kinder sind begeistert Auch Joanna Rogalla ist von dem Projekt angetan. Die Leiterin der evangelischen „Kita unter’m Regenbogen" in Bielefeld durfte Robin bereits ein paar Mal zu Testzwecken in ihrem Kindergarten begrüßen. „Der Roboter erklärt viel. Das ist sehr spannend und die Kinder sind begeistert", sagt Rogalla. Bislang sei die Interaktion aber noch zu einseitig, die Kinder seien zu passiv. Die Arbeit mit dem Tablet sei für die Kinder hingegen kein Problem. Auch Angst hätten sie vor Robin nicht gehabt. „Sie waren total neugierig und fasziniert." Rogalla glaubt, dass der Roboter vor allem Kindern mit Migrationshintergrund beim Erlernen der deutschen Sprache unterstützen könnte. „Das wäre eine Hilfe." Das Projekt hält sie für richtig, auch wenn noch viele Fragen offen sind. „Aber letztlich arbeiten wir doch alle in und an der Zukunft."

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