Im Interview spricht Thomas Oppermann über die Zukunft der SPD. - © dpa
Im Interview spricht Thomas Oppermann über die Zukunft der SPD. | © dpa

Politik Oppermann: SPD muss jünger und weiblicher werden

Turbulente Zeiten für die SPD: Nach der Wahlschlappe spricht Thomas Oppermann im Interview über die Zukunft der Partei - und über die neue Vorsitzende Andrea Nahles.

Dieter Wonka

Herr Oppermann, Sie haben Ihr Amt an der Spitze der SPD-Fraktion abgegeben. Wie viel Wehmut ist dabei, plötzlich nicht mehr die Nummer eins zu sein? Thomas Oppermann: Ich habe bei der Bundestagswahl zum dritten Mal gegen den Trend meinen Wahlkreis direkt gewonnen. Das ist ein großer Erfolg. Darüber freue ich mich. Natürlich erfüllt es mich mit Wehmut, wenn ich den Fraktionsvorsitz jetzt aufgebe. Aber nach insgesamt zehn Jahren an der Spitze der Fraktion wäre es auch unabhängig von der schweren Wahlniederlage Zeit gewesen, über eine berufliche Veränderung nachzudenken. Sie werden neue Aufgaben übernehmen, aber nie mehr Minister sein? Oppermann: Wer weiß, was das Leben noch so bringt. Was ist für Sie schlimmer, dass Sie nun Ihr Amt los sind oder dass die SPD ein historisch schlechtes Wahlergebnis im Bund erzielt hat? Oppermann: Eindeutig Letzteres. Für einen Sozialdemokraten ist es schrecklich, wie wir als Partei verloren haben. Und das, obwohl anerkannt wird, dass wir gute Arbeit in der Regierung geleistet haben. Das Programm, die Themen waren nicht falsch. Aber es ist uns nicht gelungen, unsere Arbeit in der Regierung herauszustellen und uns gleichzeitig als die bessere Alternative zu präsentieren. Wird jetzt alles gut, weil mit Andrea Nahles eine Bessere vorn dran ist? Oppermann: Ich war gerne Vorsitzender einer Regierungsfraktion und konnte das Amt auch gut ausfüllen, denke ich. Mir war aber immer klar, dass ich nicht der richtige Oppositionsführer sein würde. Das ist eine Aufgabe, die für Andrea Nahles maßgeschneidert ist. Die SPD muss jünger und weiblicher werden. Ich bin froh, dass Andrea Nahles das Amt übernommen hat. Klar, sie kann jetzt ja auch der Regierung eins „in die Fresse" geben! Oppermann: Das war eine scherzhafte Bemerkung gegenüber einem Kollegen der Union, der das auch als Scherz verstanden hat. Gerhard Schröder sagt, es ist grundfalsch, dass die SPD jetzt die Fortführung einer Großen Koalition komplett ausschließt. Und Klaus von Dohnany meint, Schulz muss weg, weil der es nicht könne. Sind das zwei Tiefschläger, deren Platz nicht mehr wirklich in der SPD ist? Oppermann: Dohnany und Schröder sind zwei sehr verdienstvolle alte Sozialdemokraten, denen ich mit Respekt begegne. Aber solche Ratschläge helfen uns nicht. Niemand kann verdrängen, dass die Große Koalition insgesamt abgewählt wurde. Der Bundestag muss jetzt lernen, mit der AfD richtig umzugehen. Das heißt auch, nicht auf jede Provokation mit einer stundenlangen Debatte über die Provokation reagieren. Es gibt die Idee, die anderen Parteien könnten sich einigen, jeweils nur mit einer Wortmeldung zu antworten. Eine gute Idee? Oppermann: Wir werden der AfD nicht den Gefallen tun, dass sie ständig den Takt der Diskussion bestimmt. Rassistische und menschenverachtende Bemerkungen können aber auch nicht unwidersprochen bleiben – schon gar nicht im Deutschen Bundestag. Wir müssen uns den richtigen Umgang mit dieser Partei gut überlegen. Ich halte viel von der Idee, Provokationen der AfD im Bundestag nicht dadurch aufzuwerten, dass alle darauf reagieren, sondern nach Absprache nur jeweils eine der demokratischen Parteien.

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