Ein Hoffnungsschimmer für Umwelt-Themen? Bei der Bundestagswahl haben die Grünen mehr Stimmen bekommen, als sie selbst geglaubt haben. - © picture alliance/chromorange
Ein Hoffnungsschimmer für Umwelt-Themen? Bei der Bundestagswahl haben die Grünen mehr Stimmen bekommen, als sie selbst geglaubt haben. | © picture alliance/chromorange

Meinung Wahlergebnis der Grünen: Der kleine Hoffnungsschimmer

Der Klimawandel gehört zu den wichtigsten Themen unserer Zeit. Im Wahlkampf wurde er praktisch ignoriert. Umso erstaunlicher ist das gute Wahlergebnis der Grünen. Ein Hoffnungsschimmer, findet unser Autor.

Matthias Schwarzer

Bielefeld. Es sind fast 45 Minuten, in denen Angela Merkel, Martin Schulz und vier TV-Moderatoren über das Thema Flüchtlingspolitik und Einwanderung debattieren. In kaum einer anderen TV-Wahlsendung ist die Diskursverschiebung durch die AfD so deutlich zu spüren wie im TV-Duell am 3. September. Zeit bleibt anschließend nur noch für Dieselautos. Und die Maut. Mit keinem Wort erwähnt wird eins der dringendsten Themen unserer Zeit: Der Klimawandel. Zu komplex, zu weit weg, zu langweilig für eine Fernseh-Debatte. Im gesamten Wahlkampf bleibt das Thema Umwelt allenfalls eine Randnotiz. Doch während der Wähler noch gelangweilt vor sich hin gähnt, betreffen uns die Auswirkungen der Erderwärmung schon jetzt ganz direkt: Extreme Hitze, milde Winter und ungewöhnlich starke Regenfälle nehmen zu. Durch Stürme und Überschwemmungen, deren Wahrscheinlichkeit nachweislich durch den Klimawandel steigt, sterben deutlich mehr Menschen als durch islamistischen Terror. Gleichzeitig hinkt Deutschland beim Klimaschutz deutlich hinterher: Während der Strom in Norwegen bereits zu 98 Prozent aus Wasserkraft gewonnen wird, ist Deutschland Braunkohle-Meister - und der Abbau wird sogar weiterhin finanziell gefördert. Während skandinavische Länder massiv in die Elektromobilität investieren, liegt die Zahl der zugelassenen emissionsfreien Autos in Deutschland bei unter einem Prozent. Wichtige Themen weichen der "gefühlten Angst" Für Klima- und Umweltschutz war im Wahlkampf trotzdem kein Platz. Debatten über die "gefühlte Angst" der Menschen haben Debatten über tatsächliche Bedrohungen abgelöst. Eigentlich kurios: Denn auch der Klimawandel ist eine Fluchtursache. Hunderttausende müssen wegen Dürre, Überschwemmungen oder Taifunen ihre Heimat verlassen. Das konsequente Ignorieren des Problems spiegelte sich auch in den Wahlprogrammen der Parteien wieder, wie der NW-Wahlcheck analysiert hat. Während die FPD an der Braunkohle festhalten will und sich um den Abstand von Windkrafträdern zu Wohngebieten sorgt, leugnet die AfD den Klimawandel gleich komplett. Immerhin: CDU und SPD bekennen sich zum Klimaschutzplan und zum Atomausstieg. Die SPD fordert zudem mehr Elektroautos auf den Straßen - viel konkreter wird es nicht. Wirklich grüne Themen kamen im Wahlkampf nur von den Linken und den Grünen - und wurden praktisch überhört.Mit dem Ergebnis der Grünen hätte keiner gerechnet Umso überraschender das Wahlergebnis am Sonntagabend: Auf 8,9 Prozent kommt ausgerechnet die selbsternannte Umweltpartei. Mit einem solchen Ergebnis hatten nicht mal die Parteimitglieder selbst gerechnet - so mancher schloss sogar das Ausscheiden der Grünen aus dem Bundestag nicht aus. So schockierend das gute Abschneiden der AfD auch sein mag: Das solide Abschneiden der Grünen kann auch als kleiner Lichtblick dieser Bundestagswahl bezeichnet werden. Eine grüne Stimme in einer möglichen Jamaika-Koalition kann - angesichts der Dringlichkeit dieses Themas - nun wirklich nicht verkehrt sein.

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