Auf dem Organspendeausweis kann schriftlich festgehalten werden, ob man nach seinem Tod Organe spenden möchte. - © dpa
Auf dem Organspendeausweis kann schriftlich festgehalten werden, ob man nach seinem Tod Organe spenden möchte. | © dpa

Bad Oeynhausen Zahl der Organspender erreicht einen neuen Tiefstand

Rückläufig: In Deutschland sterben jährlich 1.000 Menschen während sie auf ein neues Organ warten. Experten fordern deshalb die Einführung der Widerspruchslösung.

Carolin Nieder-Entgelmeier

Bad Oeynhausen. Mehr als 10.000 schwer kranke Menschen hoffen in Deutschland auf ein neues Organ. Sie benötigen Nieren, Lebern, Herzen, Lungen, Bauspeicheldrüsen sowie Teile des Dünndarms. Während der Wartezeit sterben jährlich rund 1.000 Menschen, weil sie nicht rechtzeitig das lebensrettende Organ erhalten. Trotz langer Wartelisten hat die Zahl der Organspender einen neuen Tiefstand erreicht. Seit 2007 sinkt die Zahl der Organspender von 1.313 fast kontinuierlich. Im vergangenen Jahr waren es nur noch 857. Laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) ist auch für dieses Jahr keine Trendwende erkennbar, da es im ersten Halbjahr 2017 lediglich 412 Organspender gab. Dieser Negativtrend lässt sich auch in Westfalen-Lippe mit 39 Organspendern im ersten Halbjahr 2017 beobachten. Zum Vergleich: 2016 waren es 39, 2015 43 und 2014 50. Das führt zu langen Wartelisten. Allein im Herz- und Diabeteszentrum (HDZ) NRW in Bad Oeynhausen, dem einzigen Transplantationszentrum in OWL, warten aktuell 155 Patienten auf neue Herzen und Lungen. Die Gründe für die rückläufige Zahl der Organspender sind vielfältig. Zum Einen werden Organspender immer älter und mit dem Alter sinkt die Wahrscheinlichkeit, geeignete Organe spenden zu können. Zum Anderen sorgen Transplantationsskandale aus der Vergangenheit noch immer für Verunsicherung. „Die Verweigerungen von Organspenden beeinflussen den dramatischen Rückgang jedoch am stärksten", erklärt der Direktor der Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie am HDZ, Jan Gummert. Häufig bestimmen dabei irrationale Gefühle den Entscheidungsprozess. Forderungen nach der Widerspruchslösung „Einerseits beschäftigen sich immer mehr Menschen in Patientenverfügungen mit dem Tod, weil sie beispielsweise Angst davor haben zu lange an Geräte angeschlossen zu werden. Andererseits haben sie Angst, dass bei einer möglichen Organspende die Geräte zu früh abgeschaltet werden." Gummert vermutet zudem, dass Egoismus und Informationsdefizite zu weniger Organspenden führen. Der Herzchirurg setzt sich deshalb für die Widerspruchslösung ein, bei der einer Organspende zu Lebzeiten ausdrücklich widersprochen werden muss. „Politisch wird die Widerspruchslösung leider nicht diskutiert, obwohl Umfragen belegen, dass die Mehrheit der Deutschen dafür stimmen würde." In Deutschland gilt die Entscheidungslösung, nach der jeder Bürger seine Bereitschaft zur Organspende schriftlich festhalten soll.

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