Mietwohnungen machen einer Studie zufolge besonders einkommensschwächere Mieter immer ärmer. - © picture alliance / Silas Stein/dpa
Mietwohnungen machen einer Studie zufolge besonders einkommensschwächere Mieter immer ärmer. | © picture alliance / Silas Stein/dpa

Bielefeld Mieten für Großstädter kaum noch bezahlbar

Vier von zehn Haushalten geben mehr als 30 Prozent ihres Nettoeinkommens für die Miete aus

Ingo Kalischek

Berlin/Bielefeld. Hohe Mieten tragen erheblich zur sozialen Ungleichheit in Deutschland bei. Das ist das Ergebnis einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung. Einkommensschwache Familien müssen in Großstädten rund 40 Prozent ihres Nettoeinkommens für das Wohnen ausgeben. Bei Haushalten mit überdurchschnittlichem Einkommen mache die Bruttokaltmiete nur 17 Prozent aus. „Das Problem trägt zu einer Spaltung bei", sagt Veronika Rosenbohm, Vorstandsvorsitzende des Mieterbundes OWL. Die Belastung führe bei ärmeren Familien zu Mietrückständen und Räumungen. Sie würden in die Außenbereiche gedrängt, da sie sich die Miete in den Innenstädten nicht mehr leisten könnten, sagt der Geschäftsführer des Mieterbundes OWL, Ralf Brodda – auch in Bielefeld. Die Studie besagt weiter: Die Mietbelastung liegt in 5,6 Millionen Großstadt-Haushalten bei mehr als 30 Prozent. Diese Grenze gilt bei Sozialwissenschaftlern als problematisch, weil Familien dann nur noch relativ wenig Geld zum Leben haben. 1,3 Millionen Haushalten bliebe sogar nur ein Resteinkommen unterhalb der Hartz-IV-Sätze übrig. "Die Mietpreisbremse greift nicht" „Eine Familie kann sich bei einem Nettoeinkommen von 2.200 Euro lediglich eine 70 Quadratmeter große Wohnung leisten. Das ist eine Katastrophe", sagt Rosenbohm. Sie bemängelt, dass Vermieter die Preise wegen der starken Nachfrage immer weiter anziehen könnten. Eigentlich solle die Mietpreisbremse genau das verhindern. Sie sieht vor, dass der Mietpreis nicht um mehr als zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen darf. „Die Bremse greift aber nicht", kritisiert Rosenbohm. Eigentümer: Hohe Mietbelastung durch Nebenkosten Niemand kontrolliere, ob Vermieter sich daran hielten. Mieter würden vor einer Klage oft zurückschrecken. Der Mieterbund fordert deshalb, die Mietpreisbremse zu verschärfen. Die neue Landesregierung will sie jedoch abschaffen. „Bezahlbarer Wohnraum entsteht nur durch eine Ausweitung der Wohnungsbautätigkeit", sagt Bauministerin Ina Scharrenbach dieser Zeitung. „Unsere Mitglieder wägen eine Mieterhöhung genau ab", betont Jürgen Upmeyer. Er ist Geschäftsführer der Eigentümerschutz-Gemeinschaft Haus und Grund OWL und sagt: „Ein gutes Mietverhältnis ist für unsere Mitglieder von großer Bedeutung." Die hohe Mietbelastung begründet er mit den Betriebskosten durch Abwasser, städtische Gebühren und Versicherungen. Sie machten eine Großteil der Summe aus, so Upmeyer.

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