Wissenschaftler kritisieren die Qualifikation der Heilpraktiker in Deutschland heftig und stellen den Fortbestand dieses Berufsbilds insgesamt in Frage. - © Verwendung weltweit Modelfreigabe vorhanden.
Wissenschaftler kritisieren die Qualifikation der Heilpraktiker in Deutschland heftig und stellen den Fortbestand dieses Berufsbilds insgesamt in Frage. | © Verwendung weltweit Modelfreigabe vorhanden.

Bielefeld Experten stellen den Beruf des Heilpraktikers in Frage

Vorstoß: Münsteraner Memorandum fordert massive Reform der Ausbildung. Der Fachverband weist dies zurück. Ärztepräsident Windhorst will Kompetenzen begrenzen

Matthias Bungeroth

Bielefeld. Wissenschaftler kritisieren die Qualifikation der Heilpraktiker in Deutschland heftig und stellen den Fortbestand dieses Berufsbilds insgesamt in Frage. Eine 17-köpfige Expertengruppe um die Münsteraner Medizin-Ethikerin Bettina Schöne-Seifert wendet sich in einem Memorandum gegen die „unangemessene Ausbildung und die meist unhaltbaren Krankheitskonzepte" der Heilpraktiker. Das Berufsbild müsse entweder ganz abgeschafft werden oder durch die Einführung spezialisierter „Fach-Heilpraktiker abgelöst werden", heißt es in dem Papier. Der Fachverband Deutscher Heilpraktiker (FDH) wies den Vorstoß umgehend zurück. „Hier scheint es ausschließlich darum zu gehen, unliebsame Konkurrenz loszuwerden", erklärt FDH-Präsident Christian Wilms. „Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker sind ein fester Bestandteil des Gesundheitswesens und leisten mit ihrer Arbeit einen großen Beitrag zur Gesunderhaltung und Gesundwerdung der ihnen anvertrauten Patienten." Dies bewertet Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, allerdings anders. Es brauche eine Reform der Ausbildung von Heilpraktikern „ganz dringend", sagt der Bielefelder der Neuen Westfälischen. Zwar fordert Windhorst kein Berufsverbot für Heilpraktiker. Doch sagt er auch: „Heilpraktiker sind nicht die Lösung für Versorgungsprobleme und schon gar nicht ein Arzt-Ersatz." Der Gesetzgeber müsse „klare Verbote für krebstherapeutische Maßnahmen und Injektionsbehandlungen" erlassen. Denn Heilpraktiker „können eine Gefahr für die Patientensicherheit sein". "Arbeiten lediglich mit Vermutungen" Das kritisiert auch das Münsteraner Memorandum. Die Politik dürfe nicht länger hinnehmen, dass sich Alternativmediziner nach einer kurzen, weitgehend unregulierten Ausbildung als staatlich anerkannte Heilpraktiker bezeichnen dürfen, heißt es da. Die Debatte um das Berufsbild hat sich verschärft, seit in einer heilkundlichen Praxis in Brüggen im September 2016 drei Patienten starben, die sich dort an Krebs hatten behandeln lassen. Windhorst betont, dass Heilpraktiker keine ärztliche Heilkunde anwendeten. „Sie können keine Diagnosen stellen oder Therapien verordnen. Sie arbeiten lediglich mit Vermutungen." Die Deutsche Stiftung Patientenschutz begrüßt das Memorandum als „überfällig". Auch Günter Garbrecht (SPD), langjähriger Vorsitzender des Gesundheitsausschusses im Düsseldorfer Landtag sagt: „Das ist eine unendliche Geschichte, die endlich mal angepackt werden muss.".

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