Sie können ab sofort wieder in intakten Räumen lernen: Schülerinnen und Schüler der Shree Kaledevi Lower School versammeln sich zum Gruppenfoto. Auch ihre Klassenzimmer in der Region Dhading waren nach dem Erdbeben im Frühjahr 2015 zerstört. - © Aufbauhilfe Nepal
Sie können ab sofort wieder in intakten Räumen lernen: Schülerinnen und Schüler der Shree Kaledevi Lower School versammeln sich zum Gruppenfoto. Auch ihre Klassenzimmer in der Region Dhading waren nach dem Erdbeben im Frühjahr 2015 zerstört. | © Aufbauhilfe Nepal

Bielefeld/Dhading Freude in Nepal über Hilfe aus OWL

Reisebilanz: Vertreter der Bielefelder Jetty-Hattenhauer-Beck-Stiftung und der Gütersloher Aufbauhilfe Nepal freuen sich über die Eröffnung zweier neuer Schulgebäude in der Erdbebenregion. Die Projekte gehen weiter.

Matthias Bungeroth

Bielefeld/Dhading. Der Besuch der kleinen Delegation aus Bielefeld in Nepal war mitunter abenteuerlich, aber auch ermutigend. „Es war eine erfolgreiche Reise", sagt der Vorsitzende der Jetty-Hattenhauer-Beck-Stiftung, Rolf Hattenhauer. Mit seiner Lebensgefährtin Rita Heitholt übergab Hattenhauer zwei neue Schulgebäude in der Region Dhading ihrer Bestimmung – zur Freude zahlreicher Lehrer und Eltern, aber vor allem der vielen Schüler. „35.000 Euro sind in beide Projekte geflossen", berichtet Hattenhauer. Dass diese Spenden aus Ostwestfalen-Lippe in dem seit dem Erdbeben vom 25. April 2015 zerstörten Gebiet gut angelegt sind, davon sind die Besucher fest überzeugt. „Was wir hier machen, hat einen Sinn", fassen Hattenhauer und Heitholt zusammen. In den beiden Grundschulen haben nun mehrere Hundert Mädchen und Jungen bis zur achten Klasse wieder gute Lernbedingungen. „Die Dankbarkeit ist zu spüren. Die Eltern waren bei der Einweihung auch alle da", erzählt Heitholt. Wie groß die Freude vor Ort ist, das nun wieder in intakten, modernen Räumen unterrichtet werden kann, zeigt die Tatsache, dass es alleine drei Stunden dauert, bis alle Reden gehalten sind, bevor es zur feierlichen Eröffnung kommt. Hattenhauer: „Ich habe sogar ein Band durchgeschnitten." "Wir konnten 
in Nepal bisher
zwölf Schulen 
wieder aufbauen" Der Bielefelder zögerte nicht lange, sich mit seiner Stiftung an den Hilfsaktionen in dem von den Folgen des Bebens gebeutelten Land zu beteiligen, als er über die Berichterstattung in dieser Zeitung von der Existenz des Gütersloher Vereins Aufbauhilfe Nepal erfuhr. Dieser hat sich dem Wiederaufbau von Schulen verschrieben und fördert auch Gesundheitsprojekte im Bereich Zahnmedizin, den Wiederanschluss von Schulen ans Trinkwassersystem oder Patenschaften für Schüler aus besonders benachteiligten Familien. „Wir konnten bisher zwölf Schulen so weit aufbauen, dass der operative Betrieb dort wieder aufgenommen werden konnte", erklärt der gebürtige Nepalese und Vorstandsvorsitzende der Aufbauhilfe Nepal, Santos P. Ojha. Rund 65.000 Euro investierte der kleine Verein aus Spendenmitteln. Doch der Bedarf ist noch immer groß. Von 2.970 weitgehend zerstörten Klassenzimmern in der Region wurden bislang lediglich 200 wieder komplett instand gesetzt, berichtet Ojha. Der Staat ist offensichtlich mit der Aufgabe des Wiederaufbaus überfordert. „Es geht privat billiger und schneller", sagt Ojha. 14 Kinder, darunter zwölf Mädchen, werden aktuell über die Aufbauhilfe Nepal von Paten unterstützt. Das Geld, 20 bis 30 Euro pro Monat, gehe direkt an die Familien, sagt die Gütersloher Heilpraktikerin Claudia Ahnepohl, Gründungsmitglied des gemeinnützigen Vereins. „Manche Kinder konnten vorher nur einmal pro Tag essen und können das jetzt mehrmals", berichtet sie. 1.500 Euro investierte der Verein zudem in ein Gesundheitscamp Hilfe sei schon ab einem Betrag von fünf Euro im Monat möglich. Ahnepohl: „Wir schauen, dass es sehr schnell zu einer Verbindung zwischen dem Paten und der Familie kommt." Dann würden Fotos und Briefe ausgetauscht, damit die Paten sicher sein könnten, dass die Hilfe auch wirklich ankommt und etwas bewirkt. 1.500 Euro investierte der Verein zudem in ein Gesundheitscamp für den Bereich Zahnmedizin in der Region Dhading. Das Geld floss in den Transport der Ausrüstung, die Medikamente und 400 Zahnbürsten, die an die Schulkinder ausgegeben wurden, wie Ahnepohl berichtet. „400 Menschen waren zuletzt dort, auch Eltern waren da", berichtet Ahnepohl. Rolf Hattenhauer und Rita Heitholt haben derweil auch schon wieder die Fühler zu einem neuen Hilfsprojekt ausgestreckt. Eine Schule mit derzeit rund 180 Schülern muss dringend wieder aufgebaut werden. Die Bhagmati Basic School existiert derzeit nur in Form von Zelten, auch das Trinkwasser fehlt. Der Sanierungsaufwand liegt bei rund 50.000 Euro. Doch dass sie helfen wollen, steht für die ehrenamtlichen Kräfte aus Ostwestfalen-Lippe außer Frage. „Die Zerstörungen des Erdbebens sind leider noch immer überall im Land zu sehen", sagt der Stiftungsvorsitzende Hattenhauer.

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