Eine von vielen Menschenmengen in Hamburg zur Zeit - © Vivien Tharun
Eine von vielen Menschenmengen in Hamburg zur Zeit | © Vivien Tharun

Hamburg/Paderborn Wie eine Paderbornerin das Hamburger G20-Chaos erlebt

Nicht nur die Proteste beeinträchtigen den Alltag vieler Hamburger, auch die enormen Sicherheitsvorkehrungen. Mittendrin: die 24-jährige Pia S.

Teresa Kröger

Hamburg. Überall in Hamburg regiert das Chaos. Unzählige Verletzte, demolierte Autos und zerstörte Scheiben sind die Folgen der Demonstrationen „Welcome to Hell" in Hamburg. Pia S., die sich nur mit verändertem Namen äußern möchte, stammt aus Paderborn - und ist mittendrin. Nur wenige Meter entfernt von ihrer Wohnung logiert einer der mächtigsten Männer der Welt: Donald Trump mitsamt seiner Gefolgschaft. Polizei, Hubschrauber und auch Taucher sichern die Gegend ab. Ständig fliegen die Helikopter über ihr Haus hinweg und lärmen bis tief in die Nacht. Die Sirenen von Krankenwagen und Polizei ertönen in Dauerschleife. Ganz kalt lässt die 24-jährige Paderbornerin das Geschehen nicht, denn die Sicherheitsvorkehrungen zum G20-Gipfel schränken ihren Alltag deutlich ein. Pia S. arbeitet bei einem großen Modekonzern, der sich bereits auf den G20-Gipfel eingestellt hat. Gesonderte Öffnungszeiten und Planspiele bereiteten die Belegschaft vor: Was ist, wenn von außen Gefahr droht oder gar evakuiert werden muss? „Wir haben zwar nicht die Fenster mit Brettern verriegelt, obwohl das viele gemacht haben. Einige haben sogar übers Wochenende komplett geschlossen", berichtet Pia S. Nahverkehr quasi eingestellt Sie fühlt sich auf der Arbeit gut auf alles vorbereitet. Die Führungskräfte sollen Präsenz zeigen, um den Mitarbeitern die Angst zu nehmen. Dass zurzeit besonders viele „Gipfel-Urlaub" genommen haben, konnte die Paderbornerin nicht bestätigen. Aber dass beim Arbeitsplan darauf geachtet wurde, nur diejenigen einzuteilen, die in Hamburg wohnen, das stimme schon. „Wir können ja nicht wissen, was passiert, und einige würden nicht heimkommen, wenn Busse und Bahnen nicht fahren." Von der Stadt Hamburg oder ihrem Vermieter wurde sie überhaupt nicht informiert. Lediglich über ihren Arbeitgeber bekam sie Informationen, was in der G20-Woche zu erwarten sein wird. Insbesondere die Tatsache, dass der öffentliche Nahverkehr quasi eingestellt wird und auch der Individualverkehr kaum noch funktioniert, belastet die meisten Hamburger. Auf ihrem Heimweg am Donnerstagabend fuhr kein Auto und kein Bus mehr. Es ist wie in einer Geisterstadt Hamburg ähnelt in diesen Tage einer fast verlassenen Stadt aus dem wilden Westen. Nur wenige Menschen sind in der sonst so feierfreudigen City an der Elbe auf den Straßen anzutreffen. Wenn Pia S. zur Arbeit geht, stehen alle fünf Meter große Polizei-Transporter. „Da fühlt man sich eigentlich relativ geschützt auf den Straßen. Aber wir können uns einfach nicht 100-prozentig sicher fühlen. Es kann immer mal etwas Unerwartetes passieren, damit müssen wir rechnen." Die Wahlhamburgerin traut dem Frieden nicht. Ihr Handy klingelt andauernd In der Hafencity können die Menschen teilweise nicht arbeiten, da es gewalttätige Ausschreitungen gibt. Viele ihrer Freunde und die Familie haben Pia über soziale Netzwerke geschrieben. Sie erkundigen sich, wie es ihr geht und ob alles in Ordnung ist, denn die Bilder aus den Nachrichten sprechen eine deutlich andere Sprache. Gegen Freitag Mittag konnte Pia S. nach Hause gehen. Das Modegeschäft gibt seinen Angestellten frei. Es gebe viele unkontrollierte Demonstrantengruppen - die Sicherheit könnte nicht mehr gewährleistet werden. Unserer Mitarbeiterin Vivien Tharun war vor Ort und hat eine kurze Zusammenfassung zum Vorabends des Gipfels gemacht:

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