Hinweisschild zum anonymen Gräberfeld auf einem Friedhof. - © picture alliance / blickwinkel/G. Franz
Hinweisschild zum anonymen Gräberfeld auf einem Friedhof. | © picture alliance / blickwinkel/G. Franz

Paderborn Immer mehr Menschen in OWL werden anonym beerdigt

Begräbnis: Einige Kommunen bestatten Verstorbene ohne Verwandte in fremden Regionen, um Geld zu sparen. In OWL ist das umstritten

Ingo Kalischek

Paderborn/Minden. Wer stirbt und keine Angehörigen zurücklässt, muss vom kommunalen Ordnungsamt bestattet werden. Einige Kommunen sparen dabei Geld, indem sie die Verstorbenen auswärtig beisetzen – auf fremden Friedhöfen, Hunderte Kilometer entfernt und ohne Grabplatte, also völlig anonym. Ein Fall sorgt aktuell in Schleswig-Holstein für Schlagzeilen, wo ein Mann ohne Angehörige starb – und deshalb anonym auf einem Waldfriedhof in Niedersachsen bestattet wurde. Die Kosten trägt der Amtshaushalt. In OWL ist das Problem bekannt. Im Mindener Krematorium machten auswärtige anonyme Bestattungen bis zu fünf Prozent aus, sagt Friedhofsverwalter Alwin Pamin. „Das ist relativ viel." Grundsätzlich sei es zwar das Ziel der Kommunen, jeden Verstorbenen auf einem heimischen Friedhof zu bestatten. Doch gibt es laut Pamin auch in Minden Fälle, bei denen mittellose Verstorbene oder Menschen ohne Angehörige in der Nähe von Bremen bestattet würden. „Das können eingezäunte Flächen, alte Friedhöfe oder private Flächen für Urnen sein", erklärt Pamin. Die Kosten: rund 70 Euro. In Minden koste eine behördlich veranlasste Urnenbestattung 370 Euro. Sprecherin Susann Lewerenz von der Stadt Minden entgegnet: „Verstorbene werden innerhalb des Kreises Minden-Lübbecke beigesetzt." Anonyme Bestattungen auch auf Wunsch Manchmal sind es aber auch die Sterbenden oder die Angehörigen selbst, die eine auswärtige und anonyme Bestattung wünschen. Das seien oft Familien, die kein Geld für eine normale Bestattung hätten – und auch gar kein Interesse daran. Tenor: „So billig wie möglich." Diese Entwicklung nimmt laut Pamin seit rund 15 Jahren zu. „Das ist zur Gewohnheit geworden, die wir anerkennen müssen." Manchmal seien Angehörige auch schlichtweg nicht bereit, Bestattungskosten zu tragen, berichtet Susanne Zimmermann von der Stadt Gütersloh. Auch dann kümmert sich das Ordnungsamt um die Bestattung. Je nach Region fallen dafür Gebühren von 200 bis 300 Euro an. Ebenso gibt es Sozialhilfeempfänger, die sich die Bestattung eines Angehörigen nicht leisten können. Sie dürfen einen Antrag beim Sozialamt stellen, das dann für die Kosten aufkommt. In Bielefeld gibt es jährlich rund 150 kommunale Bestattungen, bei denen keine Angehörigen ermittelt wurden. In Gütersloh sind es 70. Tendenz steigend. Auf auswärtige Bestattungen verzichtet die Stadt jedoch. In der Regel werden die Urnen auf dem Kommunalfriedhof in Gütersloh-Avenwedde beigesetzt. Auch in der Stadt Paderborn werden mittellose Verstorbene nicht an fremden Orten beigesetzt. „Jeder hat bei uns Anspruch auf einen Platz", sagt Roswitha Claes von der Friedhofsverwaltung der Stadt. Es sei denn, Verstorbene hätten das zuvor ausdrücklich gewünscht und schriftlich bestätigt. „Nur dann kommen wir dem nach. Der Wunsch der Angehörigen allein reicht nicht aus", sagt Claes. Pro Jahr gebe es in Paderborn rund zwei anonyme Bestattungen, von deren Lage nur die Friedhofsverwaltung weiß. Auswärtige Bestattungen habe es in Paderborn in den vergangenen Jahren nicht gegeben. Baumgräber und Gemeinschaftsfelder werden beliebter Alternativen sind vielerorts Gemeinschaftsgrabfelder, die sich auf verschiedenen Friedhöfen befinden. In Minden kostet eine Urnenbestattung auf einem Gemeinschaftsgrabfeld der Diakonie rund 500 Euro, statt sonst 1.400 Euro. Auch eine Erdbestattung ist um einige Hundert Euro günstiger. Mitarbeiter der Diakonie pflegen das „Grabfeld der Erinnerung". Auch in Paderborn werden die Gemeinschaftsgrabfelder gut angenommen. Besonders beliebt seien zudem sogenannte Baumgräber, bei denen Urnen in der Erde um einen Baum herum verteilt sind, neben einer kleinen Grabplatte. Allein 213 seien im vergangenen Jahr hinzu gekommen. Mit diesen Modellen könne man den auswärtigen anonymen Bestattungen etwas entgegensteuern. Alwin Pamin wünscht sich, dass auch bei kommunalen Bestattungen wenigstens der Name des Verstorbenen auf einem Schild erwähnt wird. Es gebe fast immer Menschen, die sich nach einem Verstorbenen erkundigen, um sich am Grab von ihm zu verabschieden.

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