Die Eisenbahnbrücke an der Schillerstrasse gehört zu den drei geplanten Bahnbaustellen in Bielefeld. - © Oliver Krato
Die Eisenbahnbrücke an der Schillerstrasse gehört zu den drei geplanten Bahnbaustellen in Bielefeld. | © Oliver Krato

Bielefeld Brücken-Sanierung in OWL stürzt Bahnverkehr ins Chaos

Großprojekt: Zugfahrer müssen ab 2018 in OWL besonders geduldig und flexibel sein. Dann sind von und nach Bielefeld nur noch zwei statt vier Gleise befahrbar

Ingo Kalischek

Bielefeld. Pendler in Ostwestfalen-Lippe müssen sich ab dem kommenden Jahr auf massive Beeinträchtigungen im Bahnverkehr einstellen. Grund sind unter anderem Neubauarbeiten an drei Brücken in Bielefeld, weshalb dann nur noch zwei statt bislang vier Gleise befahrbar sein werden. Die damit verbundenen Einschränkungen sind noch größer als bislang bekannt. Der Region Lippe droht das Szenario, während der Bauphase komplett vom Schienenverkehr abgehängt zu werden. Grund ist der ebenfalls nötige Neubau einer Eisenbahnbrücke am Kreuzungspunkt Lage, wo die Strecke nach Bielefeld über die nach Herford geführt wird. Erneuert wird auch eine weitere Brücke zwischen Horn-Bad Meinberg und Detmold. Das berichtet Rainer Engel, stellvertretender Vorsitzender des Fahrgastvereins Pro Bahn, im Gespräch mit nw.de. Beide Strecken müssten deshalb für ein halbes Jahr gesperrt werden. Lippe wäre per Zug nicht mehr erreichbar. 100.000 Einwohner betroffen Die Verkehrsgemeinschaft Ostwestfalen-Lippe (VVOWL) verhandelt deshalb zurzeit mit dem Unternehmen DB Netz darüber, einen Teil der für 2019 geplanten Bauarbeiten um ein Jahr zu verschieben. Sonst drohe der Region Lippe, vollkommen vom Schienennetz abgehängt zu werden. "Betroffen wären mehr als 100.000 Einwohner. Das ist die Dimension einer Großstadt", sagt Engel und fordert: "Die Totalsperrung muss unbedingt verhindert werden." Wie außerdem bekannt wurde, wirkt sich das Großbauprojekt auch auf den Bahnhof Bielefeld-Brackwede aus. Er soll laut Engel barrierefrei gestaltet werden, also erhöht und um Aufzüge ergänzt werden. Das hätte die Sperrung von zwei Gleisen zur Folge. Für die Kosten wird laut Engel der Rhein-Ruhr-Express aufkommen. Dass dieser Zug künftig in Brackwede halten soll, "ist ein Stück weit der Anlass, weshalb die Großbauarbeiten zu diesem Zeitpunkt abgewickelt werden sollen", sagt Engel. Busse sollen dann vom Hauptbahnhof nach Quelle und Sennestadt fahren. Umstiege und Ersatzverkehr Bahnreisende aus Paderbon dürften Bielefeld rund 20 Minuten später erreichen, unter anderem wegen eines Umstiegs in Brackwede. Die drei Regionalzüge im Stundentakt zwischen Gütersloh und Herford sollen weiterfahren. Die Arbeiten an den drei Bielefelder Eisenbahnbrücken sollen in zwei Abschnitte von Juni 2018 bis März 2019 und von April 2019 bis Oktober 2019 aufgeteilt werden. Davon betroffen wären bis zu 300.000 Fahrgäste, allein 5.000 Menschen pendeln jeden Tag nach Bielefeld. Trotz der drohenden Einschränkungen lobt Engel den Einsatz des VVOWL: "Er verhindert einen Stillstand in Bielefeld."

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