Ausfälle: Auf einer Hinweistafel im Hauptbahnhof in Dresden wird nach den Anschlägen auf Ausfälle und Verspätungen im Zugverkehr hingewiesen. - © dpa
Ausfälle: Auf einer Hinweistafel im Hauptbahnhof in Dresden wird nach den Anschlägen auf Ausfälle und Verspätungen im Zugverkehr hingewiesen. | © dpa

Leipzig Brandanschläge auf Bahnanlagen in mehreren deutschen Bundesländern

Verspätungen von Zügen auch in OWL

Leipzig (dpa).Knapp drei Wochen vor dem G20-Gipfel in Hamburg haben vermutlich extremistische Täter in mehreren Bundesländern Bahnanlagen in Brand gesteckt. Züge fielen am Montagmorgen aus, Reisende mussten mit Verspätungen zurechtkommen. Insgesamt gab es nach ersten Ermittlungen etwa ein Dutzend Anschläge, die vor allem in den Morgenstunden auch in OWL für Verspätungen im Zugverkehr sorgten. Wie die Bahn auf Ihrer Internetseite mitteilte, erreichten vor allem Regionalzüge aus Richtung Ruhrgebiet und Bielefeld ihre Ziele mit mindestens halbstündiger Verspätung. Aus Richtung Hannover waren nach Bahnauskunft nur Fernzüge betroffen. "Zu kompletten Ausfällen ist es aber im Bereich Ostwestfalen nicht gekommen", sagte ein Pressesprecher der Bahn auf Anfrage von nw.de. Betroffen waren nach Angaben der Bundespolizei Berlin, Hamburg, Köln, Dortmund, Leipzig und Bad Bevensen in Niedersachsen. Auch in Bremen habe es eine mutmaßliche Brandstiftung gegeben, sagte ein Sprecher der Bundespolizei in Hannover. Der für politisch motivierte Taten zuständige Staatsschutz der Polizei in den Ländern nahm die Ermittlungen auf. Unterdessen geht die Berliner Polizei einem möglichen Bekennerschreiben nach, das auf der Internetplattform „linksunten.indymedia.org" aufgetaucht ist. Das Schreiben sei bei der Berliner Polizei bekannt und werde jetzt geprüft, sagte ein Sprecher. Aus Sicherheitskreisen hieß es, das mutmaßliche Bekennerschreiben passe ins „Raster". Allerdings sei es noch zu früh zu sagen, ob dies tatsächlich authentisch sei. Indymedia versteht sich als offene Plattform zur freien Verbreitung von Informationen. In der Vergangenheit waren dort im Zusammenhang mit Bekennerschreiben zu Straftaten auch Fälschungen aufgetaucht. Im Vorfeld des G20-Gipfels hatten Linksextremisten wiederholt Aktionen und Anschläge angekündigt. Am 7. und 8. Juli treffen sich Staats- und Regierungschefs aus den führenden Industrie- und Schwellenländern sowie Vertreter der EU. Nach Einschätzung des Operativen Abwehrzentrums (OAZ) der sächsischen Polizei haben die Vorfälle möglicherweise einen Bezug zum G20-Gipfel. Eine politische Motivation könne nicht ausgeschlossen werden und sei Gegenstand der weiteren Ermittlungen, teilte das OAZ mit. Brandanschläge auf Kabelschächte Im Raum Leipzig wurden nach Angaben der Bundespolizei seit 2.40 Uhr am Montag Brandanschläge auf Kabelschächte und elektronische Stellwerke verübt. „In einigen Fällen konnten Brandvorrichtungen unschädlich gemacht werden, bevor sie Schaden anrichteten", sagte ein Sprecher. Zudem sei mit einem Hubschrauber aus der Luft nach weiteren Brandorten gesucht worden. Bisher seien bundesweit zwölf Brandanschläge auf Bahnstrecken in festgestellt worden. Die Ermittler gehen davon aus, dass es zwischen den Bränden einen Zusammenhang gibt. Die Berliner Polizei sprach von 13 mutmaßlichen Anschlägen. Am Berliner S-Bahnhof Treptower Park wurde vermutlich ein Feuer in einem Kabelschacht gelegt. „Es sieht derzeit danach aus, dass der Brand vorsätzlich gelegt wurde", sagte ein Polizeisprecher. In Hamburg gab es zwei Brände an Zuggleisen, im Stadtteil Eidelstedt und im Bereich Höltigbaum brannten Kabel neben den Gleisen. Der Zugverkehr auf der Strecke Hamburg-Lübeck war unterbrochen. Die Störung werde vermutlich den ganzen Tag dauern.

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