Am Handgelenk tragbar: Armbänder wie diese können Bewegungsdaten aufzeichnen. - © picture alliance / dpa
Am Handgelenk tragbar: Armbänder wie diese können Bewegungsdaten aufzeichnen. | © picture alliance / dpa

Düsseldorf Datenschützer machen Front gegen Fitness-Armbänder

Tragbare Mini-Computer: Nutzer wissen meist nicht, wer Zugriff auf die sensiblen Gesundheitsdaten hat und wie lange sie gespeichert werden

Lothar Schmalen

Düsseldorf. Viele gängige Fitness-Armbänder verstoßen gegen geltende Datenschutzbestimmungen. Darauf hat die Datenschutzbeauftragte des Landes NRW, Helga Block, hingewiesen. Die Nutzer erführen oftmals nicht, wer konkret Zugriff auf die in den tragbaren Kleincomputern gesammelten Daten habe und wie lange diese gespeichert würden. Helga Block berichtete bei Vorstellung ihres Datenschutzberichts im Düsseldorfer Landtag davon, dass die Datenschutzbehörden in den vergangenen Monaten Fitness-Armbänder überprüft hätten, die rund 70 Prozent des Marktanteils ausmachen. Viele der Armbänder, bei denen der Nutzer zahlreiche sensible Daten über seine Gesundheit und seine Lebensgewohnheiten preisgibt, sind bereits für unter 100 Euro erhältlich. Auch viele Smartphones haben, ohne dass der Nutzer dies frei entscheiden könnte, automatisch Gesundheits-Apps installiert, in denen Daten beispielsweise über die tägliche Bewegung erfasst werden. Front macht die Datenschützerin auch gegen ein Geschäftsmodell von Lebens- und Krankenversicherungen, wonach Versicherte Vergünstigungen erhalten, wenn sie ihrer Versicherung Daten von Gesundheits-Apps oder tragbaren Computern zur Nutzung überlassen. Inzwischen hat die Datenschutzbehörde eine aufsichtsrechtliche Prüfung beispielsweise gegen eine regionale Versicherungsgesellschaft eingeleitet. Diese belohnt Versicherte mit geringeren Beiträgen, wenn sie in regelmäßigen Abständen die Daten ihrer Fitness-Armbänder oder Gesundheits-Apps an das Versicherungsunternehmen übermitteln. Dieses Geschäftsmodell bedeute gleichzeitig, dass Versicherte, die kein Smartphone mit den entsprechenden Apps oder kein Fitness-Armband gekauft hätten, durch Schlechterstellung bestraft würden, erläuterte Block ihre Bedenken. Die NRW-Datenschutzbeauftragte forderte einen klaren gesetzlichen Rahmen für den Einsatz von tragbaren Computern und Gesundheits-Apps in der Versicherungswirtschaft. Block warnt auch vor dem Verlust oder Weiterverkauf der Handys mit Gesundheits-Apps oder Fitness-Armbänder. Viele Geräte böten keine Möglichkeit, die sensiblen Daten vollständig zu löschen. „Einige Hersteller weisen sogar darauf hin, dass eine Löschung nicht möglich ist." Viele Datenschutz-Probleme mit den Fitness-Armbändern ließen sich lösen, wenn die Daten nur an die Smartphones weitergeleitet und dort nur lokal verarbeitet würden, sagte die Datenschutzbeauftragte.

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