Immer wieder blockieren Autofahrer Rettungsgassen. - © picture alliance/APA/picturedesk.com
Immer wieder blockieren Autofahrer Rettungsgassen. | © picture alliance/APA/picturedesk.com

Bielefeld Ersthelfer klagen über fehlende Rettungsgassen

Die freie Bahn soll den herbeieilenden Einsatzkräften die Fahrt zur Unfallstelle ermöglichen. Doch immer wieder blockieren Autofahrer den Weg

Ingo Kalischek
Marlen Grote

Bielefeld. Rettungskräfte auf den Autobahnen schlagen Alarm: Vermehrt kommt es zu massiven Behinderungen, weil Autofahrer keine Rettungsgasse bilden. Dabei kann diese helfen, Leben zu retten. Doch auf den Straßen in OWL ist immer wieder das Gegenteil der Fall: Autofahrer versperren Einsatzkräften den Weg und blockieren die Fahrbahn. Konsequenzen hat das selten. „Das ist leider ein permanentes Problem", sagt Bernd Lüke, Leiter der Feuerwehr Borchen. Seine Kollegen müssten sich auf der A33 häufig mit dem Martinshorn den Weg frei machen. „Das Mitdenken der Autofahrer hat nachgelassen", sagt Lüke. Besonders deutlich wurde das kürzlich auch auf der Autobahn 5 in Hessen. Einsatzkräfte erreichten den Unfallort erst gar nicht, da Autos die Rettungsgasse blockierten. Die Folge: Die Feuerwehrleute liefen die letzten 800 Meter zu Fuß – um dem schwer verletzten Unfallopfer zu helfen. Folgen für Autofahrer „Das ist dramatisch", sagt Rettungssanitäter Alexander Ditz. „Was machen wir denn, wenn ein Auto brennt und uns die Durchfahrt verwehrt wird?" Bei Einsatzfahrten öffne Ditz häufig das Fenster – und weise die vorausfahrenden Autos mit Handbewegungen daraufhin, an die Seite zu fahren. „Einmal musste ich sogar aussteigen und an die Fensterscheibe klopfen. Ganze drei Minuten haben wir dadurch verloren." Folgen hat das Verhalten für Autofahrer selten. „Die Polizei hat vor Ort keine Zeit, um dem nachzugehen", sagt Lüke. Die Vorschriften sind eindeutig: „Bei Stau muss eine Rettungsgasse gebildet werden, und zwar immer zwischen der linken und der benachbarten Spur, egal wie viele Fahrspuren die Autobahn hat" erklärt ADAC-Sprecher Ralf Collatz. Sonst droht ein Bußgeld von 20 Euro. „Wenn ein Einsatzfahrzeug naht, sollten Autofahrer so weit wie möglich nach außen fahren; sie dürfen dann auch Grün- und Standstreifen nutzen", heißt es aus dem Innenministerium. In engen Baustellen sei das aber oft nicht möglich, so Collatz. Manche Autofahrer nutzen eine Rettungsgasse, um dicht hinter dem Einsatzfahrzeug dem Stau zu entkommen. Ein gefährliches Manöver, aber: „Das ist kein expliziter Tatbestand; ein festgelegtes Bußgeld gibt es nicht", sagt Michael Kötter von der Polizei Bielefeld. Der Einzelfall entscheide. Wer dabei erwischt wird, muss in der Regel mit 100 Euro Bußgeld wegen rechtswidrigen Überholens und einem Punkt rechnen. Bei hohem Tempo zählt es als Straftat. „Im Stau sollten sich Autofahrer frühzeitig auf einer Spur einordnen", rät Collatz.

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