Es staut sich: Seit Dienstag läuft der Verkehr auf der Passadetalbrücke der Ostwestfalenstraße in Lemgo nur noch einspurig. - © Till Brand
Es staut sich: Seit Dienstag läuft der Verkehr auf der Passadetalbrücke der Ostwestfalenstraße in Lemgo nur noch einspurig. | © Till Brand

Bielefeld Elf marode Brücken an Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen in OWL

Auf elf maroden Bauwerken ist Verkehr nur eingeschränkt möglich. 
Für 2017 rechnet Straßen NRW mit weiteren Großbaustellen und Einschränkungen.

Carolin Nieder-Entgelmeier

Bielefeld. 236 Brücken an Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen in NRW müssen in den nächsten Jahren ersetzt werden, weil sie marode sind. Allein in OWL können elf Brücken an vielbefahrenen Verkehrsadern derzeit nur eingeschränkt genutzt werden. Nach Einschätzung des Landesbetriebs Straßenbau Nordrhein-Westfalen (Straßen NRW) wird es 2017 weitere Einschränkungen geben, denn von 808 Brücken, die überprüft werden müssen, sind erst 373 nachgerechnet worden. Den Ertüchtigungsbedarf für 400 große Brücken schätzt Straßen NRW in den nächsten zehn Jahren auf 4,5 Milliarden Euro. Insgesamt betreut Straßen NRW 10.000 Brücken. „Die neueren Bauwerke entsprechen den aktuellen technischen Standards und zukünftigen Verkehrsanforderungen", erklärt der Sprecher der Straßen NRW-Regionalniederlassung OWL, Sven Johanning. Für Brücken aus den 1960er- und 1970er-Jahren, wie die Passadetalbrücke der Ostwestfalenstraße (L 712) zwischen Lemgo und Blomberg im Kreis Lippe, gelte das nicht, es bestehe großer Handlungsbedarf. „Ein Großteil der Brücken in NRW wurde in dieser Zeit gebaut. Diese Bauwerke wurden für deutlich geringere Verkehrsbelastungen geplant und gebaut." Der stetig wachsende Anteil des Schwerlastverkehrs stelle die größte Belastung der Straßen dar und führe bei Brücken zu statischen Problemen, die zwar von außen nicht sichtbar seien, aber trotzdem zu Instabilität führen. „Bis 2050 soll nach den bundesweit gültigen Prognosen noch einmal 80 Prozent mehr Güterverkehr auf den Straßen fahren", sagt Johanning. „Dabei hat ein Lkw mit zweimal zwanzig Tonnen Achslast auf der Autobahn die gleiche Zerstörungswirkung wie 100.000 Autos." Ein Sicherheitsrisiko bestehe trotzdem nicht, versichert Johanning. „Die Brücken werden in kurzen Abständen von Experten geprüft und der Verkehr bei Bedarf eingeschränkt." Aktuell gelten in OWL auf Brücken folgende Einschränkungen: KREIS PADERBORN Die Brücken in Bad Lippspringe an der Gemeindestraße/B 1 und an der B 64 im Ortsteil Buke der Gemeinde Altenbeken sind für den Lkw-Verkehr ab 12 Tonnen gesperrt. „Dabei wird es bleiben", erklärt der Sprecher der Regionalniederlassung Sauerland-Hochstift von Straßen NRW, Gerhard Hüllweg. „Sanierung oder Neubau der beiden Brücken sind nicht geplant." Diese Entscheidung stehe für die Brücke der Umgehung Paderborn an der B 64/L 755 noch aus. „Zur Entlastung der Brücke gilt eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 60 Stundenkilometern. Zudem haben wir Abfahrt- und Beschleunigungsspur verkürzt." KREIS HÖXTER Die Weserbrücke an der B 241 in Beverungen habe nach Angaben von Hüllweg nicht mehr die erforderliche Tragkraft, um den Schwerlastverkehr aufzunehmen. „Deshalb wird die Brücke neu gebaut." Seit 2014 laufe der Verkehr nur noch einspurig. „Auch auf der Nethebrücke an der L 890 in Höxter läuft der Verkehr einspurig", erklärt Hüllweg. Zudem gelte ein Verbot für Schwerlastverkehr ab 16 Tonnen. „Der Neubau ist für 2017 geplant." Ein weiteres Sorgenkind ist die Weserbrücke an der L 755 in Höxter. Derzeit gilt ein Verbot für Lkw-Verkehr ab 3,5 Tonnen. „Am 20. Dezember rechnen wir mit einem Ergebnis der Überprüfung. Erst dann entscheidet sich, ob die Brücke neu gebaut oder nur saniert werden muss", sagt Hüllweg. Auf der Brücke der B 252 im Warburger Stadtteil Scherfede sei das Verbot für Schwerlastverkehr ab 12 Tonnen hingegen ausreichend. KREIS HERFORD Auf der A 30 in Fahrtrichtung Bad Oeynhausen zwischen den Anschlussstellen Kirchlengern und Löhne wird laut Johanning in der kommenden Woche eine Großbaustelle eingerichtet, die vier Jahre bestehen soll. „Bis 2020 werden zwei Brücken saniert und verstärkt und eine weitere Brücke abgerissen und neu gebaut." Auch die Sudbachtalbrücke an der B 61 in Löhne, auf der derzeit Schwerlastverkehr ab 30 Tonnen verboten ist, wird 2017 neu gebaut. Die Bahnbrücke an der L 557 in Rödinghausen wurde bereits abgerissen und soll bis Ende 2017 neu gebaut werden. KREIS LIPPE Eine weitere Großbaustelle könnte auf die Nutzer der Ostwestfalenstraße (L 712) in Lemgo zukommen, denn in dem Beton der Passadetalbrücke fehlt Stahl für eine ausreichende Tragkraft. „Ob die Brücke saniert oder neu gebaut werden muss, wird noch geprüft", sagt Johanning. Bis zum Um- oder Neubau werde der Verkehr nun einspurig über die Brücke laufen und für Staus sorgen.

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