Dichter Bau: Neue „urbane Gebiete" sollen das Zusammenleben stärken. - © dpa
Dichter Bau: Neue „urbane Gebiete" sollen das Zusammenleben stärken. | © dpa

Bielefeld Regierung will dichtere Bebauung in Städten

Urbane Gebiete: In Innenstädten dürfen Gebäude künftig höher werden und enger stehen. Das betrifft auch Bielefeld

Stefan Boes

Bielefeld. Seit Jahren zieht es Menschen vom Land in die Städte und Ballungsräume. Dort wird Wohnraum knapp und teuer. Um der Wohnungsnot zu begegnen, hat das Bundeskabinett jetzt einen Gesetzentwurf zur „Stärkung des neuen Zusammenlebens in der Stadt" beschlossen. Die Regierung will Kommunen mehr Spielraum für den Wohnungsbau eröffnen. Teil der Lösung sollen sogenannte „urbane Gebiete" sein. Die im Städtebaurecht neu eingeführte Baugebietskategorie sieht weniger strenge Vorgaben etwa zu Lärmschutz und Bebauungsdichte vor. Sie erlaubt den Kommunen, dass künftig auch in stark verdichteten städtischen Gebieten oder in Gewerbegebieten Wohnungen gebaut und Gebäude als Wohnraum genutzt werden dürfen. „Das neue urbane Gebiet soll das Miteinander von Wohnen und Arbeiten in den Innenstädten erleichtern und neue Möglichkeiten für den Wohnungsbau schaffen", sagte Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD). „Mit dem urbanen Gebiet folgen wir dem Leitbild einer Stadt mit kurzen Wegen, Arbeitsplätzen vor Ort und einer guten sozialen Mischung", so Hendricks. In nächster Nähe sollen Gewerbebetriebe, Wohnungen, aber auch soziale, kulturelle und andere Einrichtungen gemeinsam existieren. Im Idealfall wären dann Gastronomie, Werkstätten, Geschäfte, Musikschule, Club und Kita dicht beieinander und schnell zu erreichen. In den urbanen Gebieten soll nicht nur dichter und höher gebaut werden dürfen als im sogenannten Mischgebiet, das ebenfalls Wohnungen und Gewerbebetriebe nebeneinander erlaubt. Die Gewerbebetriebe dürfen außerdem mehr Lärm verursachen. Auch Anwohner von Sportplätzen in der Stadt sollen künftig mehr Krach tolerieren müssen. Dass Kabinett beschloss, dass abends und während der Nachmittagsruhe an Sonn- und Feiertagen fünf Dezibel mehr erlaubt sind. Urbane Gebiete in Bielefeld kommen "definitiv" Der Bielefelder Baudezernent Gregor Moss nennt die urbanen Gebiete eine „Zwitterform zwischen Mischgebiet und Wohngebiet", die eine „andere Qualität des Wohnens" mit sich bringen werden. Moss spricht damit die hohen Immissionen, etwa durch Lärm und Verunreinigungen der Luft an. Bei den urbanen Gebieten gehe es darum, Wohnraum an Standorten anzubieten, an denen das bisher nicht möglich war. „Urbane Gebiete wird es definitiv in Bielefeld geben", sagt Moss. Die Prüfung im gesamten Stadtgebiet werde ein langwieriges Verfahren. Der Mieterbund OWL wertet das Konzept positiv. Da es bei ausgewiesenem Bauland oft zu Verzögerungen durch Einsprüche und bürokratische Hürden komme, sei es dringend erforderlich, dass gegengesteuert wird, sagte Ralf Brodda.

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