Abiturienten verkleiden sich in ihren Mottowochen gerne auch als Comichelden. Doch immer häufiger arten die Feiern aus. - © dpa
Abiturienten verkleiden sich in ihren Mottowochen gerne auch als Comichelden. Doch immer häufiger arten die Feiern aus. | © dpa

Köln/Bielefeld Abi-Streiche fallen immer brutaler aus

Zwei Schwerverletzte in Köln / Rivalitäten gibt es auch in OWL

Sina Wollgramm

Köln/Bielefeld. Bei den anhaltenden gewalttätigen Tumulten feiernder Oberstufenschüler in Köln sind zwei 18-Jährige schwer verletzt worden. Auch in Ostwestfalen-Lippe stehen an 96 Schulen junge Menschen vor dem Abitur. Und auch dort werden Jugendliche auffällig. Weil sich 200 Schüler mit Gegenständen bewarfen, hat es in Köln zwei Schwerverletzte gegeben, die noch im Krankenhaus liegen. Zu den Gegenständen sollen auch harte Geschosse gehört haben, so die Polizei. Die Beamten ermitteln wegen Landfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung und Verstößen gegen das Waffengesetz. Rivalitäten zwischen Abiturienten zeichnen sich auch in Lippe, Gütersloh und Herford ab. „Zu Trinkgelagen, die zu Körperverletzungen und Sachbeschädigungen führen, kommt es seit 20 Jahren jedes Jahr", sagt Polizist Klaus Fischer aus Lippe. In Gütersloh standen sich die Abiturienten des Städtischen Gymnasiums und des Evangelisch Stiftischen Gymnasiums gegenüber. Die Jugendlichen bewarfen sich mit Apfelsinen. Im Kreis Herford ist ein Schüler mit einer bedrohlichen Verkleidung, zu der auch eine unechte Waffe gehörte, in der Schule aufgetaucht. Zu einem Polizeieinsatz kam es auch im Kreis Herford. Ein Schüler war vermummt und mit Spielzeugwaffe zur Schule erschienen. Ein Pkw-Fahrer informierte die Polizei. Die Feiern werden immer größer Dass Schulleiter auch mal einschreiten, weiß Lisa Simes. Die 21-Jährige hat 2015 das Abitur an der Gesamtschule Schildesche abgelegt und sitzt als Schülervertreterin im Landesvorstand: „Wir mussten unsere Vorschläge vom Oberstufenleiter genehmigen lassen." Vandalismus erlebte sie 2011 an der Realschule Heepen. Weil dort Whiteboards beschädigt wurden, gab es keinen Abschlussabend. „Eine Kollektivstrafe darf laut Schulgesetz nicht ausgesprochen werden, aber das wussten wir nicht." Simes erkennt einen aktuellen Trend: „Viele Schulen schließen sich zum Feiern über soziale Netzwerke zusammen. Die Feiern werden immer größer und eskalieren schneller." Der kostspielige Abiball aber verlaufe gesitteter, wie Kristina Schaar vom GOP Bad Oeynhausen, wo viele Abibälle stattfinden, sagt: „Bisher ist es nur bei einem Abiball unangenehm geworden – für gewöhnlich benehmen sich die Schüler". Auch in den Discos sei es ruhiger geworden, so Sascha Berg, Geschäftsführer der Agentur „fast4ward" (Café Europa). Durch den früheren Abschluss nach 12 Schuljahren sind nicht alle Schüler volljährig und dürfen weder samstags in Discos, noch harten Alkohol konsumieren. Kommentar Randalierer vom Abitur ausschließen Reifeprüfung: durchgefallen. Was sich die angehenden Abiturienten in Köln kurz vor dem Schulabschluss leisten, hat mit traditionellen Scherzen nichts mehr zu tun. Dass junge Erwachsene, die bald das Abitur erhalten und damit in die Arbeitswelt entlassen werden sollen, ihre Mitmenschen so zurichten, dass sie ins Krankenhaus müssen, ist nicht nachvollziehbar und lässt Zweifel am Schulsystem aufkommen. Vielleicht ist der Schulabschluss nach nur 12 Schuljahren einfach doch zu früh. Zumindest scheint es einigen Schülern deutlich an Reife zu mangeln. Zum Teil sind die angehenden Abiturienten noch gar nicht volljährig. Sie dürfen weder an Samstagen in die Diskothek, noch hochprozentigen Alkohol trinken. Andere Schulkameraden dürfen dies zum Schulabschluss jedoch schon und eines steht fest: Das Alter von 17 hält nicht automatisch davon ab, harte alkoholische Getränke zu konsumieren und mitzufeiern. Dass einigen Schülern die eigenen Grenzen völlig fremd sind, zeigt sich an Vorfällen wie jenen in Köln nur zu gut. Als dummer Jungenstreich darf das aber nicht abgetan werden. Konsequenzen müssen her: Schüler, denen durch polizeiliche Ermittlungen nachgewiesen wird, an den schweren Körperverletzungen beteiligt gewesen zu sein, sollten nicht nur strafrechtlich verfolgt, sondern auch vom Abitur ausgeschlossen werden. Schon im Kindergarten wird erklärt, dass man andere Kinder weder schlagen, noch beißen und schon gar nicht bewerfen darf. Die meisten Vierjährigen haben dies bereits verinnerlicht. Vor diesem Hintergrund kann man den Abiturienten nur eines sagen: Werdet erwachsen! Kontakt zur Autorin

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