Die "Osmanen Germania" bei einem Treffen in Neuss am 25. Januar unter starker Polizeibeobachtung. Die Gruppe wächst vor allem in NRW rasant. - © picture alliance / dpa
Die "Osmanen Germania" bei einem Treffen in Neuss am 25. Januar unter starker Polizeibeobachtung. Die Gruppe wächst vor allem in NRW rasant. | © picture alliance / dpa

Bielefeld Neue Rockergang "Osmanen Germania" wächst in NRW rasant

Bundesweit sind bereits 20 Gruppen entstanden. Auch in Bielefeld gibt es einen Ableger. Die Polizei ist besorgt

Johannes Hülstrung

Bielefeld. Expandierende Rocker: In neun Monaten haben es die türkischstämmigen „Osmanen Germania" bundesweit auf 20 Gruppen gebracht – darunter auch eine in OWL. Das bestätigt die Polizei. „Wir haben von der Ankündigung der Gründung in Bielefeld erfahren", sagt Polizeisprecher Michael Kötter. Das rasche Wachstum nach der Gründung in Hessen im April 2015 beschäftigt auch das Landeskriminalamt (LKA). „Wir können davon ausgehen, dass hinter der Expansion ein Plan steckt", sagt Dietmar Kneib, der für Organisierte Kriminalität zuständige Kriminaldirektor. In Nordrhein-Westfalen gebe es Chapter, wie die Gruppen sich nennen, in sieben weiteren Städten: Aachen, Köln, Düsseldorf, Duisburg, Essen, Bochum und Dortmund. „Das ist das aktuelle Ergebnis unserer Aufklärungsmaßnahmen", sagt LKA-Sprecherin Heidi Conzen. „Es handelt sich aber um eine noch junge Gruppierung, die an den einzelnen Standorten ganz unterschiedlich in Erscheinung getreten ist." "Eine große Familie für alle verschiedenen ethnischen Gruppen" Für Aufsehen sorgten die Rocker in der vergangenen Woche. Mit rund 80 Mitgliedern liefen sie am Montag in Neuss auf, mit etwa 40 am Mittwochabend in Duisburg. Das LKA sieht darin eine Machtdemonstration, auch in Richtung der konkurrierenden „Hells Angels". Kneib vermutet, „dass die Osmanen sich Marktanteile an den illegalen Geschäften sichern wollen". Zwischen „Osmanen" und „Höllenengeln" besteht eine Vorgeschichte. Dass letztere auch Migranten aufgenommen haben, wird laut Kneib inzwischen von einigen Alt-Rockern als Fehler eingestuft. Ein Streit habe die Gründung der neuen Gruppe provoziert. Zudem gibt es Gerüchte, die ehemalige Hells-Angels-Größe Necati „Neco" Arabaci führe die „Osmanen". Arabaci galt lange als „Pate von Köln" und ist inzwischen in der Türkei abgetaucht. Die Gerüchte kann Kriminaldirektor Dietmar Kneib weder bestätigen noch dementieren. In einem Exklusivinterview einer Insiderseite aus Südafrika distanziert sich der Kopf der Osmanen, Mehmet Bagci, von Arabaci und den türkischen „Hells Angels": „Wir sind definitiv keine Untergruppierung der Nomads Turkey. Ebenso haben wir mit Neco Arabaci nichts am Hut. Wir sind ein eigenständiger Boxclub und auch keine Rocker." Auf Facebook bezeichnen sich die „Osmanen Germania" als „eine große Familie für alle verschiedenen ethnischen Gruppen". Sie präsentieren sich in schwarzen Kutten mit aufgenähtem Logo, einem sogenannten Patch. Dieser ähnelt den Patches anderer Rockerbanden in Schriftart und Anordnung. In Abgrenzung zu den „Hells Angels" verstehen sich die „Osmanen" jedoch nicht als „Motorcycle Club" (MC), sondern als „Boxclub" (BC). Es gehe vor allem um den Boxsport. Der „Boxclub" in Bielefeld steckt offenbar noch in den Kinderschuhen. Laut Polizeisprecher Michael Kötter überprüfen Ermittler die Gruppe. „Kenntnisse zur Örtlichkeit, einer Mitgliederzahl oder zu konkreten Namen haben wir aber noch nicht." Es ist wahrscheinlich, dass Mitglieder aus den offenbar bisher starken Gründungsstädten Düsseldorf, Neuss, Duisburg und Dortmund eine Gruppe in Bielefeld erst aufbauen sollen.

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