Die SPD-Fraktion im Düsseldorfer Landtag will Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) vor den Silvesternacht-Untersuchungsausschuss laden. - © dpa
Die SPD-Fraktion im Düsseldorfer Landtag will Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) vor den Silvesternacht-Untersuchungsausschuss laden. | © dpa

Düsseldorf Auch die Bundespolizei versagte in der Silvesternacht in Köln

40 Prozent der Delikte fanden im Zuständigkeitsbereich der nationalen Behörde statt

Florian Pfitzner
Thomas Seim

Düsseldorf. Mehr als zwei Wochen nach den Übergriffen in der Silvesternacht in Köln schreitet die Aufklärung der Ereignisse voran. Erste Ermittlungen der Sicherheitsbehörden zeigen, dass sich rund ein Drittel der Delikte im Bahnhofsgebäude abgespielt haben – und damit im Zuständigkeitsbereich der Bundespolizei. Den Ergebnissen der gemeinsamen Einsatzgruppe aus Kölner Polizei und Bundespolizei zufolge wurde sowohl im Bereich des Bahnhofs als auch auf dem Bahnhofsvorplatz Hunderte Straftaten begangen. Die Auswertung zeigt, dass rund 200 Delikte im Bahnhof und damit auf dem Gebiet der Beamten der Bundespolizei geschahen. Das entspricht einem Anteil von 30 Prozent im Vergleich zum Zuständigkeitsbereich der Landespolizei. Auf dem Bahnhofsvorplatz sollen sich 475 Delikte ereignet haben. Das geht aus Zahlen des Polizeipräsidiums Köln hervor. Die SPD will Bundesinnenminister Thomas de Maizière vor den Untersuchungsausschuss des NRW-Landtags laden. Das sagte der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Norbert Römer, im Interview mit der Neuen Westfälischen. De Maizière solle zu den Silvester-Vorgängen im und am Kölner Hauptbahnhof aussagen. „Wir wollen umfassende rückhaltlose Aufklärung. Uns interessieren zum Beispiel die Fragen zur Personalausstattung innerhalb und außerhalb des Bahnhofs, zur Zahl der Anzeigen, die von der Bundespolizei im Bahnhof entgegengenommen wurden", sagte Römer. Ein Verdächtiger zur Abschiebung ausgeschrieben Der SPD-Fraktionschef kündigte außerdem an, auch die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker und den ehemaligen Polizeipräsidenten Wolfgang Albers zu den Einzelheiten der Vorgänge in der Silvesternacht einzuvernehmen. Bei einer Razzia im sogenannten Maghreb-Viertel von Düsseldorf hat die Polizei fast 300 Nordafrikaner überprüft und 40 festgenommen. Bei 38 von ihnen bestehe der Verdacht des illegalen Aufenthalts, einer sei bereits zur Abschiebung ausgeschrieben, teilte die Polizei mit. Ein weiterer wurde wegen des Verdachts der Hehlerei festgenommen. Rund 300 Polizisten hatten 18 Cafés, Spielcasinos und Shisha-Bars des bahnhofsnahen Viertels umstellt und in einer gut sechsstündigen Razzia 294 Menschen überprüft. Die auch als „Klein-Marokko" bekannte Umgebung ist geprägt von nordafrikanischen Bewohnern, ihren Restaurants und Geschäften. Sie dient laut Polizei aber auch als Rückzugsraum für mutmaßliche Kriminelle.

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