Harvey Weinstein und Georgina Chapman - © Foto: Ian Langsdon
Nach übereinstimmenden Medienberichten soll sich Georgina Chapman von Harvey Weinstein getrennt haben. | © Foto: Ian Langsdon

Los Angeles Skandal um Produzent Weinstein zieht immer größere Kreise

Polizei in New York und London nimmt Ermittlungen auf, Oscar-Akademie berät über Ausschluss

Los Angeles. Der Sex-Skandal um den Hollywood-Mogul Harvey Weinstein nimmt immer größere Ausmaße an. Die Polizeibehörden in New York und London kündigten am Donnerstag (Ortszeit) an, Ermittlungen aufnehmen zu wollen. Die Oscar-Akademie will am Samstag über einen Ausschluss des Produzenten beraten.

Unterdessen melden sich immer neue Schauspielerinnen mit Vorwürfen gegen Weinstein. Als sie 17 war habe sie der Produzent im Bademantel in einem Hotelzimmer empfangen und ihr Alkohol angeboten, schrieb die Schauspielerin Kate Beckinsale auf Instagram. Ihre Kollegin Cara Delevingne berichtete, Weinstein habe sie in einem Hotelzimmer aufgefordert, eine andere Frau zu küssen und dann selbst versucht, sie zu küssen.

 Die New Yorker Polizei kündigte an, eine eigentlich bereits abgeschlossene Ermittlung gegen Weinstein aus dem Jahr 2004 neu aufzurollen. Es werde untersucht, ob es zusätzliche Beschwerden und Hinweise zu dem Fall gebe. Einzelheiten wollte die Polizei zunächst nicht nennen.

Vorfall aus den 80er Jahren

Auch die Polizei in London erwägt nach britischen Medienberichten ein Ermittlungsverfahren gegen den Produzenten. Scotland Yard bestätigte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur, dass die Polizei den Vorwurf eines sexuellen Übergriffs prüfe, der von den Kollegen in Liverpool weitergeleitet worden sei. Es handele sich um einen Vorfall aus den 80er Jahren, teilte die Polizei in Liverpool mit. Details veröffentlichte die Polizei jedoch zunächst nicht.

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Die Oscar-Akademie in Los Angeles hatte zuvor mitgeteilt, dass bei einer Dringlichkeitssitzung am Samstag über den möglichen Ausschluss von Weinstein beraten werden solle. Das in Vorwürfen beschriebene Verhalten Weinsteins sei „widerlich, abscheulich und gegensätzlich zu den hohen Standards der Akademie und der kreativen Gemeinschaft, für die sie steht", zitierte der „Hollywood Reporter" aus einem Statement der Academy.

Weinstein ist seit mehr als 20 Jahren Mitglied des mächtigsten Verbands der US-Filmindustrie. Seine mit den Miramax-Studios und der Weinstein Company produzierten Filme wurden von der Academy mit insgesamt 81 Oscars ausgezeichnet. Fünf davon gewannen den Oscar als bester Film, für „Shakespeare in Love" gewann Weinstein persönlich den Oscar als bester Produzent. In den vergangenen Tagen haben ihm zahlreiche Frauen Vorwürfe wegen sexueller Belästigung bis hin zu Vergewaltigung gemacht, zahlreiche prominente Weggefährten haben sich distanziert.

Prominente beziehen Stellung

«Es gibt keine Entschuldigung für sexuelle Übergriffe oder sexuelle Belästigung - egal wer du bist und egal in welchem Beruf», schrieb Schauspieler Leonardo DiCaprio am Dienstag (Ortszeit) auf Facebook.

Inmitten der Vorwürfe trennte sich auch Ehefrau Georgina Chapman (41) von dem 65-jährigen Weinstein, wie mehrere US-Medien übereinstimmend berichteten. Sie leide mit allen Frauen, die «nach diesen unverzeihlichen Aktionen» unermesslichen Schmerz erlitten hätten, zitierte unter anderem das Magazin «People» aus einer Erklärung Chapmans.

Weinstein habe sie als 22-Jährige angefasst und massieren wollen, sagte Schauspielerin Gwyneth Paltrow der «New York Times». Sie habe sich aber geweigert. Auch ihre Kollegin Angelina Jolie berichtete der Zeitung von einer «schlechten Erfahrung» mit Weinstein in ihrer Jugend. «Als Ergebnis habe ich mich entschieden, nie wieder mit ihm zu arbeiten, und andere vor ihm zu warnen. Dieses Verhalten gegenüber Frauen ist in jeder Branche und in jedem Land inakzeptabel.»

«Hangover»-Star Heather Graham erzählte der «Variety» von unangenehmen Avancen Weinsteins. In den frühen Nullerjahren habe er ihr zunächst gesagt, dass er sie in einem Film unterbringen wolle. Später habe er dann von einer Vereinbarung mit seiner Frau erzählt, dass er mit jedem schlafen könne, wenn er aus der Stadt sei. «Er hat es zwar nicht explizit gesagt, dass ich mit ihm schlafen muss um in einen seiner Filme zu kommen. Aber der Subtext war da.» Später habe sie ein Treffen mit Weinstein in einem Hotelzimmer abgesagt.

Zuvor waren bereits Weggefährten wie Meryl Streep, George Clooney, Lena Dunham, Judi Dench, Kate Winslet, Mark Ruffalo und Christian Slater auf Distanz zu Weinstein gegangen, ebenso die frühere US-Außenministerin Hillary Clinton, die von Weinstein in früheren Wahlkämpfen unterstützt wurde.

Lindsay Lohan nimmt Weinstein in Schutz

Sängerin und Schauspielerin Lindsay Lohan («Ein Zwilling kommt selten allein») nahm Weinstein hingegen in Schutz. «Harvey Weinstein tut mir gerade sehr leid. Ich glaube, was gerade passiert, ist nicht richtig», sagte die 31-Jährige in einem Video, das sie am Dienstagabend (Ortszeit) auf Instagram postete. «Er hat mir niemals geschadet oder sich irgendwie falsch gegenüber mir verhalten, wir haben einige Filme zusammen gemacht», sagte Lohan in einem zweiten Clip.

Außerdem forderte der frühere Teenie-Star die Noch-Ehefrau des Produzenten, Georgina Chapman (41), auf, Weinstein zur Seite zu stehen. «Georgina sollte Stellung beziehen und für ihren Ehemann da sein». Später löschte Lohan die beiden Videos wieder. Die britischen Boulevard-Blätter «Daily Mail» und «Mirror» hatten die Clips jedoch gespeichert und veröffentlichten sie auf ihren Websites.

Nach Berichten der «New York Times» soll der einflussreiche Produzent jahrzehntelang junge Talente und Mitarbeiterinnen sexuell belästigt und mit Abfindungen zum Schweigen gebracht haben. Weinstein hatte daraufhin erklärt, eine Auszeit nehmen zu wollen. Am Sonntag erhielt er von seinem Filmstudio The Weinstein Company (TWC), das er zusammen mit seinem Bruder Bob gegründet hat, die Entlassung.

Der ältere Weinstein-Bruder Harvey hatte mit seinem Bruder Bob 1979 das Studio Miramax gegründet. 1993 veräußerten sie das Unternehmen an Walt Disney Co., führten es aber aktiv weiter. Im Jahr 2005 gründeten die beiden eine neue Firma, The Weinstein Company (TWC). An dieser hielten sie zuletzt einen Anteil von 42 Prozent.

Links zum Thema
Facebook-Seite DiCaprio
Graham bei "Variety"
Lohan-Video bei "Daily Mail"
Clooney in "The Daily Beast"
Artikel in der "New York Times"
Dunhams Post bei Instagram
Dunhams Beitrag in der "New York Times"
Winslet bei "Variety"
Slaters Tweet
Bericht der New York Times
Chapman-Erklärung in People
abc zu Trennung Chapman-Weinstein

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