Löschversuch - © Foto: Paulo Duarte
Löschflugzeuge sind über dem Waldbrandgebiet in Zentralportugal pausenlos im Einsatz. | © Foto: Paulo Duarte

Mehr als 60 Tote Flammen fressen sich in Portugal weiter vorwärts

Lissabon - Der schlimmste Waldbrand in Portugal seit Jahrzehnten hat mindestens 62 Menschen das Leben gekostet. Einige verbrannten in ihren Autos. Ein Blitzeinschlag löste den Brand laut Polizei am Samstag in der Region Pedrógão Grande knapp 200 Kilometer nordöstlich von Lissabon aus.

Das Feuer breitete sich rasch aus, ganze Dörfer waren von Feuer umgeben. Dutzende Menschen wurden verletzt. Wie groß die betroffene Fläche ist, blieb zunächst unklar.

Inzwischen hat die Feuerwehr zwei der vier Feuerfronten unter Kontrolle, sagte Jorge Gomes, Staatssekretär im Innenministerium. Der Einsatz von Löschflugzeugen und Hubschraubern sei zunächst aufgrund der starken Rauchentwicklung unmöglich gewesen. Die extreme Trockenheit und die starken Winde behinderten weiterhin die Löscharbeiten. In der Region ist es derzeit sehr heiß mit Temperaturen von über 30 Grad.

Ministerpräsident António Costa kündigte eine dreitägige Staatstrauer von Montag bis Mittwoch an. Zudem soll vor der Confed-Cup-Partie Portugal gegen Mexiko mit einem Moment des Schweigens der zahlreichen Todesopfer gedacht werden. Cristiano Ronaldo & Co. wollen im russischen Kasan Trauerflor tragen.

Knapp 700 Feuerwehrmänner kämpfen mit mehr als 215 Fahrzeugen und vier Löschflugzeugen gegen die Flammen. Das Leiden steht den unzähligen Betroffenen ins Gesicht geschrieben. «Wir haben alles verloren, unser Haus, unsere Tiere, alles», erzählte eine ältere Frau unter Tränen dem TV-Sender RTP. Ein Mann sagte kopfschüttelnd: «In meinen 53 Jahren habe ich so etwas nicht gesehen.»

Es gebe einige Dörfer, die «von den Flammen völlig eingekesselt» seien, sagte in der Nacht der Bürgermeister von Pedrógão Grande, Valdemar Alves, der Zeitung «Público».

Nach Angaben des Innenministeriums waren etliche der später tot geborgenen Menschen mit ihren Fahrzeugen unterwegs, als die Flammen sie plötzlich einschlossen. Auf Bildern waren ausgebrannte Autos, brennende Bäume und Häuser zu sehen.

Das Feuer wurde nach Angaben der Polizei durch einen Blitzschlag ausgelöst. «Alles deutet ganz klar auf natürliche Ursachen hin», sagte der Direktor der Kriminalpolizei, José Almeida Rodrigues, der portugiesischen Nachrichtenagentur Lusa. Zuvor hatte Bürgermeister Alves noch gesagt, er sei überzeugt, dass das Feuer gelegt wurde.

Zu Beginn war die Feuerwehr nach Angaben von Augenzeugen völlig überfordert. «Als die Flammen in der Nacht unseren Häusern immer näherkamen, habe ich stundenlang keinen einzigen Feuerwehrmann gesehen», sagte eine ältere Frau dem Fernsehsender RTP. Bürgermeister Alves hatte zuvor eine «ungenügende Zahl von Einsatzkräften» beklagt.

Portugals Staatspräsident Marcelo Rebelo de Sousa war in der Nacht zur Unglücksstelle geflogen und sprach von einer «beispiellosen Situation». Ministerpräsident Costa, der die Entwicklung die gesamte Nacht von der Zentrale des Zivilschutzes in Carnaxide bei Lissabon aus verfolgte, sagte, er sei vom «Ausmaß der Tragödie schockiert».

Die Europäische Union sagte Portugal im Kampf gegen die Flammen Hilfe zu. «Es wird alles getan werden, um den Behörden und den Menschen in Portugal in dieser Zeit der Not zu helfen», erklärte der zuständige EU-Kommissar Christos Stylianides. Auf Bitte Portugals würden Löschflugzeuge organisiert. Frankreich habe sofort drei Maschinen zugesagt. Zusätzlich helfe Spanien mit Flugzeugen.

Auch die Bundesregierung bot Portugal Hilfe an, wie Regierungssprecher Steffen Seibert auf Twitter schrieb. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe gegenüber dem portugiesischen Ministerpräsidenten António Costa zudem die Anteilnahme der Deutschen zum Ausdruck gebracht.

Links zum Thema
TV-Sender SIC zum Tod des Feuerwehrmannes, Portugiesisch
Mitteilung des Innenministeriums, Portugiesisch
INEM-Mitteilung auf tvi24.iol.pt, Portugiesisch
Mitteilung des französischen Außenministeriums, Französisch
Informationen auf der Homepage des Zivilschutzes
Regierung auf Twitter

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