Die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Annette Kurschus. - © epd
Die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Annette Kurschus. | © epd

Bielefeld/Detmold Präses Kurschus: In die Pläne Gottes vertrauen

Leitende Geistliche werben für Zuversicht und Offenheit

Bielefeld/Detmold (epd). Leitende Geistliche haben am Ersten Weihnachtsfeiertag für Zuversicht, Offenheit und Zusammenhalt geworben. Die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Annette Kurschus, rief am Montag in ihrer Predigt in Bielefeld zu mehr Vertrauen in die Pläne Gottes auf. Gott habe gerade erst angefangen mit den Menschen und mit der Welt, sagte sie laut Redetext. Der Lippische Landessuperintendent Dietmar Arends kritisierte Fremdenfeindlichkeit, der Bischof von Münster, Felix Genn, sprach sich gegen Nationalismus aus.

Angesichts vieler aktueller Krisen scheine manches erbärmlich aussichtslos und festgefahren, sagte Kurschus, die auch stellvertretende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist. Als Beispiele nannte sie Jemen, Somalia und Sudan sowie Europa und auch Deutschland. „Aber wir müssen es auch hier nicht von uns aus zwingen, sondern wir dürfen und sollen von aller Welt so denken, wie sie in den Augen Gottes daliegt", erklärte sie. Durch den Blick der Liebe werde Schönheit und Würde deutlich, die jeder menschlicher Anstrengung und Fürsorge wert seien.

Der Lippische Landessuperintendent Dietmar Arends betonte in seiner Weihnachtspredigt, dass Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus der christlichen Botschaft widersprächen. Forderungen nach Abschottung unter dem Verweis auf ein sogenanntes christliches Abendland seien Missbrauch des christlichen Glaubens, sagte er laut Redetext in der Detmolder Erlöserkirche.

Antisemitismus verurteilt

Arends verurteilte auch jede Form von Antisemitismus. In dem jüdischen Kind von Bethlehem begegne Gott den Christen. Ohne dieses Kind würden Christen den Gott Israels nicht kennen, geschweige denn davon sprechen können, dass er ihr Gott sei. „Wir sind Hinzugekommene, da verbietet sich jede Form von Antisemitismus doch von selbst", unterstrich Arends.

Christen lebten von Anfang an in einer globalisierten Welt, erklärte Arends laut Redetext. In Jesus seien Christen schon immer mit Menschen überall auf dieser Welt verbunden. Deshalb könne es nicht egal sein, „wie es Menschen an anderen Orten dieser Erde geht - ob sie genug zum Leben haben oder nicht; ob man sie leben lässt oder ihr Leben durch Krieg und Gewalt bedroht ist", unterstrich der Landessuperintendent.

Christen sollen nach den Worten des Bischofs von Münster, Felix Genn, nicht nur auf die Größe der eigenen Nation oder Person setzen. Ein „wahres Ich" habe immer Platz für ein Gegenüber, für Anderes und Fremdes, sagte Genn laut Redemanuskript am Montag in seiner Weihnachtspredigt. Gott sei „reine, umsonst geschenkte Liebe", erklärte der Bischof. Daher sei es „der Mühe wert, unablässig für den Frieden zu beten".

Dialog und Fortschritt durch Perspektivwechsel

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann warb für einen Perspektivwechsel. Anstatt in geschlossenen Zirkeln bleiben, solle man grundlegend bereit sein, die Perspektiven, Sichtweisen und Empfindungen des Anderen einzubeziehen, sagte er laut Redetext in seiner Predigt im Trierer Dom. „Erst dann wird es einen wirklichen Dialog und einen gemeinsamen Fortschritt geben."

Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki hob unterdessen das Menschenrecht auf Wohnen hervor. „Jeder Mensch braucht eine Wohnung, die ihm Heimat ist", sagte Woelki laut Redetext in seiner Weihnachtspredigt im Kölner Dom. Die rund 860.000 wohnungslosen Menschen in Deutschland hätten diese Sicherheit und diesen Schutz jedoch nicht. 50.000 von ihnen seien ganz ohne Obdach und lebten das ganze Jahr auf der Straße, sagte der Kardinal weiter.

Woelki prangerte zudem hohe Mieten an. „Mehr und mehr Menschen können sich Wohnen in unserem an sich wohlhabenden Land nicht mehr leisten, weil Wohnungen nicht selten ausschließlich zu Renditeobjekten geworden sind."

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