Özil und Gündogan müssen zum Rapport beim DFB. Auch Bundestrainer Löw muss Stellung beziehen. - © picture alliance / dpa
Özil und Gündogan müssen zum Rapport beim DFB. Auch Bundestrainer Löw muss Stellung beziehen. | © picture alliance / dpa

Sport Kommentar zu Özil und Gündogan: Der Bundestrainer muss reagieren

Torsten Ziegler

Bundestrainer Joachim Löw erhielt am Montag einen Vorgeschmack, welchen Stress eine Fußball-Weltmeisterschaft im Vorfeld erzeugen kann. Dagegen ist die anstehende Entscheidung in der Neuer-Frage fast unbedeutend. Denn hier geht es nur um Sport. In eine andere Dimension stießen Löws Nationalspieler Ilkay Gündogan und Mesut Özil mit ihrem Treffen in London vor. Indem sie sich vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan vor dessen Wahlkampfkarren spannen ließen, fielen sie auf diplomatischem Parkett auf die Nase. Dabei ignorierten sie den Unterschied zwischen Autokratie und Demokratie. Beide hatten Trikots für Erdogan dabei. Jener Staatsführer, der Oppositionelle und Journalisten einsperrt, durfte sich auch über Gündogans liebedienerische Widmung freuen. „Für meinen verehrten Präsidenten – hochachtungsvoll", schrieb der Profi von Manchester City. Natürlich ist eine solche Positionierung in Deutschland erlaubt, obwohl sie falsch ist. Gündogan ist wie Özil Deutscher mit türkischer Abstammung, beider Präsident heißt Frank-Walter Steinmeier, und wenn sie vorher nachgedacht hätten, wäre ihnen sicher der Name eines Berufskollegen eingefallen. Deniz Naki, früher Paderborn, der um sein Leben bangte, weil er Erdogans Kurden-Politik kritisierte. Es ist aber auch nicht auszuschließen, dass sie die Nähe zu Erdogan bewusst gewählt haben. Das würde die Führungsaufgabe für Löw und den Fußballverband noch schwieriger gestalten. Auf sich beruhen lassen, können sie diesen Fehltritt nicht. Es muss eine klare Ansage folgen, dass sich Nationalspieler Deutschlands so nicht präsentieren dürfen. Russland mit WM-Gastgeber Wladimir Putin wird schließlich ebenfalls etliche Fettnäpfchen aufstellen, in die unbedachte Fußballprofis stolpern können.

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