Der Protest gegen Montagsspiele ist bislang vor allem kreativ und friedlich. Sein Erfolg ist dennoch ungewiss. - © picture alliance / SvenSimon
Der Protest gegen Montagsspiele ist bislang vor allem kreativ und friedlich. Sein Erfolg ist dennoch ungewiss. | © picture alliance / SvenSimon

Fußball Kommentar zu Montagsspielen in der Bundesliga: Protest ohne Mehrheit

Björn Vahle

Das Spiel wird wohl ein denkwürdiges werden: Borussia Dortmund gegen den FC Augsburg, Termin: Montagabend, 20.30 Uhr. Weil der zusätzliche Spieltermin zahlreichen Fans als Symbol des Ausverkaufs "ihres" Fußball gilt, haben mehr als 350 Fan-Gruppierungen ihr Fernbleiben angekündigt. Ein starkes Signal - das bislang unter Fans aber noch nicht mehrheitsfähig ist. Sicher, der Protest ist lautstark. Und zwar im wörtlichen Sinne. Für den Auftakt des Protests wählten Fans von Eintracht Frankfurt ein beinahe 90-minütiges Pfeifkonzert und Tennisbälle auf dem Feld als Symbol eines klang- und bildgewaltigen Neins zu Montagsspielen. In Dortmund wird es wohl ungewohnt still bleiben, weil jene Fans, die die Stimmung erst anheizen, zuhause bleiben wollen. Aber: Das grundsätzliche Interesse am Fußball, egal wann er läuft, ist ungebrochen groß. In Frankfurt blieben vergangenen Montag lediglich knapp 6.000 der 51.500 Plätze im Stadion leer, auch weil die Fans ihren Protest möglichst sichtbar machen wollten - und eben da waren. Ein genereller Boykott, zu dem das Bündnis Südtribüne Dortmund aufruft hat, sieht anders aus. Komplett-Boykott? Nicht zu erwarten Erst wenn tatsächlich ganze Stadien größtenteils leer blieben, wären die Verantwortlichen von Vereinen und Liga wohl tatsächlich gezwungen, ihre Entscheidung, den Spieltag zugunsten höherer TV-Einnahmen stärker aufzusplitten, möglicherweise zu überdenken. Allein: Es steht nicht zu erwarten, dass das passiert. Die Beweggründe für Fans, ins Stadion zu gehen, sind zu unterschiedlich, als dass in absehbarer Zeit mit einem flächendeckenden Boykott zu rechnen wäre. Und so mancher mag sich denken, dass Tennisbälle und Plakate an dem entrückten Finanzgebahren internationaler und der Bundesligen dann doch wenig ändern werden. Das Problem der Fans sind - wollte man es plakativ machen - auch sie selbst. Ultras, für die es nie infrage käme, Auswärtsfahrten über hunderte Kilometer nicht mitzumachen, sind die Montagstermine nicht zuletzt aus beruflichen Gründen ein Dorn im Auge. Da gehen schon mal zwei Urlaubstage drauf, und das alles, damit die Vereine noch mehr Geld verdienen können, so der Tenor. Dort hat die Kritik, die Fans von Zweitliga-Vereinen an den Montagsbegegnungen schon vor 15 Jahren äußerten, weiß Gott ihre Berechtigung. Gute Gründe gegen den Montag Aber für Eltern, die ihre Kinder mitnehmen? Für Freunde, die sich zum Stadionbesuch verabreden? Für solche, für die der Verzicht anderer einfach nur mehr Auswahl bei der Platzwahl bedeutet? Diese Heterogenität könnte dem Protest der Lautesten am Ende zum Verhängnis werden. Dabei gibt es gute Gründe, gegen zusätzliche Spieltermine zu sein. Die Mehrbelastung für Spieler. Die Überversorgung mit Fußball, die schon zu Übersättigung geführt hat. Der kaum zu vertretende Aufwand für Fans, die ihren Klubs durch die Republik hinterherreisen. "Weil etwas zu lieben nicht bedeutet, daran vor Fülle ersticken zu wollen", wie es jüngst die 11 Freunde schrieb. Diese Kritikpunkte dürfte tatsächlich eine Mehrheit der Fans auch ohne persönliche Betroffenheit teilen. Doch es scheint, als habe sich der Großteil bereits damit abgefunden, dass die Termine nun so sind, wie sie sind. Ob der Protest so tatsächlich Erfolg hat, ist indes mehr als fraglich.

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