Am 11. April waren kurz nach der Abfahrt des BVB vom Hotel zum Stadion in der Nähe des Mannschaftsbusses drei Sprengsätze explodiert. - © picture alliance / Carsten Linhoff/dpa
Am 11. April waren kurz nach der Abfahrt des BVB vom Hotel zum Stadion in der Nähe des Mannschaftsbusses drei Sprengsätze explodiert. | © picture alliance / Carsten Linhoff/dpa

Kommentar Mutmaßlicher BVB-Attentäter gefasst: "Blick in den Abgrund"

Aktienbetrug als mögliches Motiv des Anschlags

Thomas Seim

Gerade mal zehn Tage haben unsere nationalen Sicherheitsbehörden benötigt, um den mutmaßlichen Täter des Bombenanschlags auf die Fußballmannschaft von Borussia Dortmund dingfest zu machen. Das ist die gute Nachricht des Tages. Es ist aber auch die einzige gute Nachricht dazu. Alle anderen Umstände und Fragen zu diesem Attentat, seinem Täter, zu Ursache und Durchführung sind geeignet, uns allen den Schweiß auf die Stirn zu treiben. Ein 28 Jahre alter Börsenspekulant soll die Sprengsätze gezündet haben. Er hatte auf dramatisch fallende Kurse der BVB-Aktie gewettet und wollte so seine ersten Millionen verdienen. Niemand hat solch eine Motivlage offenbar bislang auf dem Schirm gehabt – nicht einmal die Sicherheitsbehörden in Baden-Württemberg, dem Bundesland, das gewöhnlich sehr viel wert darauf legt, dass in seinen Grenzen alles so viel besser organisiert sein soll als in anderen Bundesländern. Geldgier also soll den Täter angetrieben haben. Gier – eine der sieben Todsünden. Wie Hass. Ein paar hundert Kilometer weiter westlich – in Paris – sorgte auch dieser Trieb wieder für einen Anschlag. In diesem Fall gab es sogar Tote. Ein Islamist, den die Terror-Organisation Islamischer Staat zu den ihrigen zählt, erschoss auf dem Prachtboulevard Champs-Élysées einen Polizisten und starb selbst. Unsicherheit bestimmt unseren Alltag Die Menschheit blickt in ihren Abgrund. Nationale, internationale Konflikte nehmen täglich neue Ausmaße an. Die Unsicherheit bestimmt unseren Alltag. Politische Spieler, aber auch politische Extremisten nutzen die Verunsicherung für ihre Angriffe auf die Demokratie. Sie spiegeln vor, sie hätten die Antworten, die alles zum Besseren richten. Tatsächlich aber artikulieren sie nur Interessen und Inhalte, die vor allem negativ definiert werden und sich vornehmlich gegen andere richten. Ein eigenes, konstruktives und auf eine lebenswerte Zukunft gerichtetes Angebot haben sie nicht. Jedenfalls nicht für die Mehrheit der Bürger und Bürgerinnen – nur für sich selbst wissen sie meist sehr genau, wie sie profitieren wollen. Dieser Egoismus und die Egomanie sind Gift für die Gesellschaft. Und sie sind lebensgefährlich. Das zeigen – nicht nur, aber auch – der Anschlag auf den BVB und der Grund für diesen Anschlag. Das zeigt auch der Anschlag vor Paris. Hass und Gier – diese Triebe und Todsünden sind widerlich. Sie gefährden Menschen und Menschheit. Wir dürfen sie nicht über uns siegen lassen.

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