ARCHIV - Das Containerschiff "Cap San Raphael" der Reederei "Hamburg Süd" hat am 29.06.2014 in Hamburg im Stadtteil Waltershof an den Containerterminals festgemacht. (zu dpa: «Dr. Oetker trennt sich vom Reederei-Geschäft» vom 01.12.2016) - © dpa
ARCHIV - Das Containerschiff "Cap San Raphael" der Reederei "Hamburg Süd" hat am 29.06.2014 in Hamburg im Stadtteil Waltershof an den Containerterminals festgemacht. (zu dpa: «Dr. Oetker trennt sich vom Reederei-Geschäft» vom 01.12.2016) | © dpa

Meinung Oetker verkauft Reederei - Kommentar: Das beste Rezept

Martin Krause

Über die Gewinnsituation spricht man im Hause Oetker nicht so gerne, konkrete Ertragszahlen werden wie ein Staatsgeheimnis gehütet. Das ist typisch ostwestfälisch, auch andere Unternehmen in OWL schweigen an dieser Stelle gern. Dahinter steckt vielleicht die Überlegung, dass hohe Renditen Neid und Missgunst schüren, während Defizite die Mitarbeiter und Zulieferer nervös machen, von den Banken ganz zu schweigen. Diesmal hätten die Bielefelder aber eine Ausnahme machen sollen. Denn der Oetker-Konzern will sich durch den Verkauf einer Tochter – der Reederei Hamburg Süd – vom Umsatz her glatt halbieren. Und alle Welt fragt nach dem Warum. Die Branche mache hohe Verluste, räumte Oetker immerhin ein. Es ist ein offenes Geheimnis, dass auch Hamburg Süd von der globalen Misere betroffen ist – von einer Million Euro Verlust pro Tag war in Berichten die Rede. Seit der Weltwirtschaftskrise von 2009 und 2010 ist die Schifffahrt nicht mehr richtig auf Touren gekommen. Die großen Wettbewerber setzten auf immer größere Frachter und schufen Überkapazitäten, die zu Preisverfall führten. Vor allem asiatische Staaten schützten ihre Reedereien durch Subventionen, die den Konkurrenzkampf verzerrten. Hoffnungsträger des Welthandels wie Brasilien oder Russland schwächelten. Und weltweit macht sich Protektionismus breit. Die Weltschifffahrt ist längst nicht mehr das lohnende Wachstumsgeschäft, als das es galt. Die 2013 gescheiterte Übernahme von Hapag-Lloyd war vielleicht eine verpasste Gelegenheit – sie hätte aber auch in noch größere Defizite münden können. Am Ende blieb nur die Wahl, entweder hohe Investitionen zu riskieren und zudem noch eine unabsehbare Durststrecke zu überstehen – oder schweren Herzens zu verkaufen. Die Familie Oetker hat sich mit dem Verkauf für das geringere Risiko entschieden, und in dieser ökonomischen Überlebensfrage waren sich die acht Kinder von Rudolf-August Oetker offenbar einmal einig. Einigkeit und Vernunft, das dürfte auch weiterhin das beste Rezept sein, denn das Familienunternehmen steht vor weiteren Herausforderungen. Das Brau-Geschäft etwa stagniert, international gibt es eine atemberaubende Konzentration. Das Bankgeschäft leidet an Niedrigzinsen und staatlichen Vorschriften, auch das Bankhaus Lampe ist schon als Übernahmekandidat gehandelt worden. Selbst der Verkauf von Sekt oder Tiefkühlpizza ist kein Selbstläufer mehr. Die Oetkers werden die Milliarden aus dem Reederei-Verkauf gut gebrauchen können, um die anderen Sparten zu stärken. Ihr Kontakt zum Autor

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