Auch der Funkturm in Berlin wurde am Mittwoch zum Weltmädchentag pink angestrahlt. - © picture alliance / Paul Zinken/dpa
Auch der Funkturm in Berlin wurde am Mittwoch zum Weltmädchentag pink angestrahlt. | © picture alliance / Paul Zinken/dpa

Kommentar Pinke Beleuchtung zum Weltmädchentag: Gut gemeint, schlecht gemacht

Mit der Farbwahl stärken die Organisatoren genau die Klischees, die sie bekämpfen wollen

Anneke Quasdorf

Bielefeld. Wer derzeit Solidarität ausdrücken und Aufmerksamkeit auf eine Sache lenken will, der beleuchtet Gebäude. Vorzugsweise passiert das nach Terroranschlägen in den Nationalfarben des betroffenen Landes. Seit mehreren Jahren springt auch die renommierte Kinderhilfsorganisation Plan International auf den Zug auf und illuminiert Wahrzeichen in einem kräftigen Pink, um auf den Weltmädchentag aufmerksam zu machen. Auch in diesem Jahr war das so. Und auch in diesem Jahr hat das nicht funktioniert. Weil die Organisation damit genau die Klischees stärkt, die sie kritisieren und bekämpfen will. Weltweit werden Mädchen anders und damit schlechter behandelt als Jungs. Sie werden zwangsverheiratet, sie erhalten schlechteren Zugang zu Bildung, sie werden häufiger Opfer von Gewalt. Und das alles, weil sie als schwächer gelten, als wehrloser, weil sie von klein auf in feste Rollen gepresst werden, aus denen sie kaum ausbrechen können. Feen und Barbies als Vorbilder In der westlichen Welt ist die Farbe Pink ein festes Instrument in diesem System der klaren Rollenverteilungen. Mädchen werden damit auf niedlich, klein und süß reduziert, sollen sich Feen und Barbies als Vorbilder nehmen, bekommen klar von Werbung und Wirtschaft vorgezeichnet, wie sie zu sein haben. Das sieht auch Stevie Schmiedel so, Geschäftsführerin der Organisation Pinkstinks, die sich gegen Gender-Marketing wehrt. "Ich halte die Farbwahl an so einem Tag für völlig ungeeignet. Weil die Leute bei Pink ein festes Bild im Kopf haben, das man kaum umcodieren kann. Jedenfalls nicht auf die Schnelle. Und dieses Bild hat mit den Zielen des Weltmädchentages nichts zu tun. Aber ein solches Bild von Mädchen zieht natürlich viele Spender an. Und darum geht es eben an solch einem Tag auch." Bei Plan International sieht man das anders. "Wir merken, dass die Farbe sehr kontrovers diskutiert wird", sagt Pressesprecherin Barbara Wessel. "Und damit haben wir ein wichtiges Ziel unserer Aktion, nämlich Aufmerksamkeit, schon erreicht." Grundsätzlich habe man keine Farbe ausschließen wollen. Und sich bewusst gegen ein Rosa und für ein kraftvolles Magenta entschieden. "Aber es ging uns natürlich auch darum, dass über die Farbe eine Orientierung stattfindet." Im Klartext: Bei gelb, blau oder grün hätte niemand gewusst, worum es eigentlich gehen soll. Und damit hat die Aktion am Ende doch etwas Gutes: Sie entlarvt unsere Gesellschaft und ihre Denkmuster. Wobei man sich leider auch fragen muss, wie viele Passanten überhaupt wissen, dass heute Weltmädchentag ist.

realisiert durch evolver group