Die Schauspielerin Leonore Franckenstein ist fasziniert von Hermann Stenners "Skizze eines Selbstbildnisses" aus dem Jahr 1912. - © Foto: Andreas Frücht
Die Schauspielerin Leonore Franckenstein ist fasziniert von Hermann Stenners "Skizze eines Selbstbildnisses" aus dem Jahr 1912. | © Foto: Andreas Frücht

Starke Bilder Leonore Franckenstein stellt Hermann Stenners "Skizze zu einem Selbstbildnis" vor

"Ein faszinierender Mann"

Bielefeld. Die Neue Westfälische startet heute eine neue Serie. Sieben Leser haben aus der aktuellen Kunsthallen-Ausstellung "Das Glück in der Kunst" ihr Lieblingsbild in einer gemeinsamen Aktion von Kunsthalle und NW auswählen können. Ab heute stellen sie ihre Bilder in der Serie "Starke Bilder in der Kunsthalle" vor. Im Zentrum der Ausstellung, die aus der Sammlung Bunte mit 400 Werken bestückt worden ist, steht der Bielefelder Maler Hermann Sten-ner. Und so hat Leonore Franckenstein sein Bild "Skizze zu einem Selbstbildnis" aus dem Jahr 1912 ausgewählt, um es als Erste zu präsentieren. "Das Bild hat mich sofort angesprochen, weil ich diesen Mann gerne kennengelernt hätte", sagt die 65-Jährige. Sie sehe in seinem so intensivem Blick große Wachheit, Skepsis aber auch sehr viel Selbstbewusstsein und Weltzugewandheit. "Ich glaube, dass er ein Mensch mit Charakter war, mit dem ich mich sehr gerne unterhalten hätte", betont die Schauspielerin, die einräumt, den Maler, der 1881 in Bielefeld geboren wurde, bis dato nicht gekannt zu haben. "Er ist ein Neuentdeckung für mich. Und was für eine." Und worüber hätte sie gerne mit ihm gesprochen? "Über seine Malerei, aber auch darüber, warum er sich so dargestellt hat." Er sei wirklich ein faszinierender Mann. Neben dem Gesichtsausdruck sind es für Leonore Franckenstein die starken expressiven Farben – Rot, Gelb, Blau und Grün –, die das Bild so spannend machen. "Es ist für mich ein Türöffner in diese faszinierende Ausstellung", sagt Franckenstein, die im Vorstand des Künstlerinnenforums aktiv ist und der die Kunstvermittlung sehr am Herzen liegt. Fasziniert ist die Schauspielerin aber auch davon, dass Stenners Bild bereits so reif wirkt, obwohl er erst 21 Jahre alt war, als er es geschaffen hat. "Er hat hier mit dem Schwung der Jugend und viel Verve eine Skizze von großer Leichtigkeit und Lebendigkeit hingeworfen, die dabei so unglaublich reif wirkt. Ich frage mich immer, was für großartige Werke er wohl noch hervorgebracht hätte, wenn er nicht bereits im Dezember 1914 im Ersten Weltkrieg an der Ostfront gefallen wäre." Für Jutta Hülsewig-Johnen, die die Ausstellung kuratiert hat, ist Stenners Skizze eines seiner "stärksten Selbstbildnisse", "weil es eine so starke Unmittelbarkeit ausstrahlt". Es heiße ja auch nicht umsonst "Skizze eines Selbstbildnisses". Insgesamt sind drei Selbstbildnisse von Stenner in der Schau zu sehen. Die stellvertretende Leiterin der Kunsthalle ist angetan von der Offenheit des Werks. Es sei absolut faszinierend, wie Sten-ner mit wenigen Pinselstrichen sein Gesicht erfasst und das Spiel von Licht und Schatten auf seinem Antlitz formuliert habe. "Er setzt zum Beispiel einen grünen Fleck vor das Ohr, und schon stimmt die Wange." In dieser Skizze sei zu erkennen, welche Sicherheit dieser Maler schon in seinen frühen Jahren gehabt und wie selbstsicher er sich selbst dargestellt hat. "Sein Blick, seine Sicherheit und sein Selbstbewusstsein korrespondieren für mich unmittelbar mit seinem malerischen Können. Er ist sich zu dieser Zeit bereits absolut sicher: Ich bin ein Maler", betont Hülsewig-Johnen. Aus diesem Grund habe sich die Kunsthalle auch entschlossen, genau dieses Bild direkt im Eingangsbereich der Kunsthalle auf einem Podest aufzustellen und zu präsentieren. Sein intensiver Blick fordere die Besucher geradezu auf, sich mit ihm zu beschäftigen und genau hinzugucken, sagt Hülsewig-Johnen. Bei Schauspielerin Leonore Franckenstein ist genau das eingetreten.

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