Bielefelder Wissenschaftspreisträger Josef Perner im Interview

Psychologe spricht über seine "Theory of Mind"

Josef Perner läuft gern Ski und spielt Blockflöte in einem kleinen Ensemble. - © FOTO: ANDREAS KOLARIK
Josef Perner läuft gern Ski und spielt Blockflöte in einem kleinen Ensemble. | © FOTO: ANDREAS KOLARIK
Josef Perner bekommt 

Bielefelder Wissenschaftspreis - © Kultur
Josef Perner bekommt
Bielefelder Wissenschaftspreis | © Kultur

Bielefeld. Der österreichische Psychologe Josef Perner gilt als Begründer des Konzepts der Theorie des Geistes (Theory of Mind), die als eine der bahnbrechenden Erkenntnisse in den Kognitionswissenschaften gewertet wird. Heute wird ihm der mit 25.000 Euro dotierte Bielefelder Wissenschaftspreis der Stiftung der Sparkasse Bielefeld verliehen, 2004 aus der Taufe gehoben in Gedenken an den Bielefelder Soziologen Niklas Luhmann. Heike Krüger sprach mit Professor Perner über frühkindliches Lernen und das Nachdenken über das Denken.

Herzlichen Glückwunsch zum Bielefelder Wissenschaftspreis, Professor Perner. Was bedeutet diese Auszeichnung, die in der Tradition eines Soziologen steht, für Sie als Psychologen?
JOSEF PERNER:
Der Preis kam für mich überraschend, weil ich wenig Kontakt zur Soziologie hatte. Aber die Idee dahinter ist ja, interdisziplinäre Forschung zu belohnen. Ich war immer an einem Zusammenhang zwischen Psychologie, Philosophie und Logik interessiert. Deshalb freut es mich sehr, dass ich diesen Preis erhalte.

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Die Laudatio

Die Laudatio hält die Entwicklungspsychologin und Autismusforscherin Uta Frith/London, heute um 19 Uhr in der Kunsthalle Bielefeld.

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Die von Ihnen entwickelte "Theorie des Geistes" gilt als Meilenstein in der Psychologie. Warum ist es hilfreich zu wissen, ab welchem Alter Kinder über eine "Theory of Mind" verfügen, also in der Lage sind, sich in andere hineinzuversetzen?
PERNER:
Es ist generell wichtig zu wissen, dass wir das können und andere "Tiere" nicht oder nur minimal. Wir können begreifen, dass das Handeln von anderen Menschen von Gedanken, Gefühlen und Absichten geleitet wird. Unser gesamtes Gesellschaftsleben baut darauf auf. Auch praktische Dinge hängen davon ab, zum Beispiel die Schulfähigkeit.

Autisten fällt gerade das Sich-Hineinversetzen in andere schwer. Inwiefern nützt Ihre Forschung, etwa um Menschen mit Autismus besser interpretieren, sie vielleicht beeinflussen zu können?
PERNER:
Es hilft, sie zu interpretieren, vom Beeinflussen sind wir noch weit entfernt. Allerdings bin ich kein spezifischer Autismus-Forscher. Ich bin nur mit dem Gebiet in Berührung gekommen, weil unsere Arbeit dafür relevant geworden ist.

Was muss ich mir unter einer "False-Belief-Aufgabe" vorstellen, die Sie 1983 mit Heinz Wimmer entwickelt haben?
PERNER:
Das Ganze hat nichts mit religiösem Glauben zu tun, wie der Begriff vielleicht suggerieren könnte. Es ist vielmehr ein Test, um herauszufinden, wann Kinder verstehen, dass jemand anderer einem Irrtum unterliegen kann. Dass er also eine falsche Annahme über die Welt hat. Das kann aufzeigen, dass Kinder die Subjektivität der Welt wahrnehmen.

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