"Ludwig II." ist ein schwungvoller Bilderbogen

Mit charismatischem Hauptdarsteller neu im Kino

Neu im Kino:

Sabin Tambrea

als "Ludwig II." - © Kultur
Neu im Kino:
Sabin Tambrea
als "Ludwig II." | © Kultur

Bielefeld. Der Schauspieler Helmut Berger galt einmal als schönster Mann der Welt und feierte an der Seite des Regisseurs Luchino Visconti seine größten Triumphe. Demnächst wird Berger ins RTL-Dschungelcamp einziehen. Das ist traurig. Aber seine Filme bleiben. Und wenn sich mal wieder jemand anschickt, den "Märchenkönig" König Ludwig II. zu spielen, dann wird sich immer wieder die Frage stellen: Ist der Neue so gut wie Helmut Berger?

Dem Vergleich muss sich auch der 28-jährige Sabin Tambrea stellen. Der am Berliner Ensemble Engagierte spielt die Titelrolle in Peter Sehrs und Marie Noëlles opulentem Kinofilm "Ludwig II.", der am zweiten Weihnachtstag startet.

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Tambrea ist jugendlich, frisch und androgyn. Was das Charisma und die Schauspielkunst angeht, muss er sich hinter Helmut Berger nicht verstecken. Tambrea ist das schillernde Zentrum dieses unterhaltsamen, traumhaft ausgestatteten Films. Man kann diesem Werk zwar einiges vorwerfen: Es schwelgt in polierten Bildern, findet selten zu Ruhe und Tiefe, wirkt überfrachtet. Aber der flott erzählte Film strahlt viel Enthusiasmus aus und ist ein überschwängliches Bekenntnis zu Üppigkeit, Theatralik und großer Geste. Wenn man bereit ist, sich dieser überraschend humorvollen Feier des Exaltierten hinzugeben, macht dieser Film großen Spaß.

"Mensch Ludwig" ist ihr Motto

Jede Zeit erschafft sich ihren eigenen Ludwig. Regisseur Peter Sehr und Autorin Marie Noëlle scheren sich nicht um Mythos und Mysterium. "Mensch Ludwig" ist ihr Motto. Sie präsentieren eine moderne Figur, einen verhinderten Künstler, der mit 18 plötzlich König wird und im Räderwerk der Politik zerbricht.

Für den androgynen Sabin Tambrea (28) dürfte "Ludwig II." der Beginn einer großen Karriere sein. - © FOTO: DPA
Für den androgynen Sabin Tambrea (28) dürfte "Ludwig II." der Beginn einer großen Karriere sein. | © FOTO: DPA

Aus ihrer Verehrung Ludwigs machen Sehr und Noëlle keinen Hehl. Sie feiern ihn als eine Mischung aus Popstar und Visionär. Der junge Wilde ist ein Idealist und träumt von Frieden, Freiheit, Glück für alle. Er galoppiert gern ungestüm durch die Gegend und streift das höfische Korsett ab. Als glühender Fan und Förderer des umstrittenen Richard Wagner schließt er verzückt die Augen, wenn er "Lohengrin" lauscht. Die Oper inspiriert ihn – zum Entsetzen seines Vaters – anfangs nur zu einer filigranen Papierbastelarbeit. Am Ende wird er Neuschwanstein in die Berge klotzen.

Seine Zeitgenossen halten ihn für verschwenderisch, ja verrückt. In diesem Film ist er ein bisschen König Gaga, aber keinesfalls geisteskrank. Eher ein exzentrischer und sensibler Unverstandener, der seiner Zeit weit voraus war. Einsam kämpft er gegen kleinmütige Beamte, Politiker und Sparfüchse, die die Größe seiner Visionen nicht erkennen. Die nicht wissen, dass die Nachwelt Richard Wagner für einen großen Komponisten halten wird. Und dass Neuschwanstein und die anderen Schlösser in der Zukunft bestaunte Attraktionen sein werden.

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