Medienexperte Hans-Peter Siebenhaar. - © FOTO: PRIVAT
Medienexperte Hans-Peter Siebenhaar. | © FOTO: PRIVAT

Hans-Peter Siebenhaar fordert die Zusammenlegung von ARD und ZDF

"Wir brauchen Qualität statt Quote"

Bielefeld. Der Handelsblatt-Medienexperte und Autor Hans-Peter Siebenhaar beobachtet seit Jahren die deutsche Medienlandschaft. Jetzt hat der 50-Jährige ein packendes Buch über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk vorgelegt. Titel: "Die Nimmersatten – Die Wahrheit über das System ARD und ZDF". In seinem Buch prangert Siebenhaar die Verschwendungssucht der Sender ebenso an wie die symbiotische Beziehung zwischen den politischen Parteien und den öffentlich-rechtlichen Sendern. Stefan Brams sprach mit dem Autor, der auch für eine Fusion von ARD und ZDF plädiert.

Herr Siebenhaar, wann haben Sie das letzte Mal bei den öffentlich-rechtlichen Sendern reingeschaut?
HANS–PETER SIEBENHAAR:
Bei aller Kritik, die ich habe, ich schaue ARD, ZDF und andere öffentlich-rechtliche Sender täglich.

Dann sind die also gar nicht so schlecht?
SIEBENHAAR:
Auch wenn im System von ARD und ZDF vieles völlig aus dem Ruder läuft, gibt es natürlich qualitativ gute Programme und auch Sender.

Information

Der Autor

  • Hans-Peter Siebenhaar, geboren 1962 in Düsseldorf, ist seit 2000 Medienexperte des Handelsblatts in Düsseldorf.
  • Siebenhaar arbeitete während seines Studiums selbst jahrelang als freie Mitarbeiter beim Bayerischen Rundfunk.
  • Von 2006 bis 2011 betrieb er den Blog "Mediawatch".
  • Siebenhaars "Die Nimmersatten" stellt Ex-Bertelsmann-Vorstand und Ex-RTL-Boss Gerhard Zeiler diesen Donnerstag in Berlin vor.

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Beispiele bitte.
SIEBENHAAR:
Die so genannten Nischenkanäle wie Phoenix, 3.Sat und Arte erfüllen in der Regel vorzüglich den eigentlichen Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks: Information, Bildung, Kultur und anspruchsvolle Unterhaltung zu bieten. Völlig daneben liegen ARD und ZDF aber mit ihrem Hauptprogramm, das vor allem auf Quote setzt und den privaten Sendern bereits zum Verwechseln ähnlich ist. Ausufernde Sportberichterstattung, seichte Filmchen, Spiel- und Kochshows und vieles mehr bestimmen immer mehr das Bild. Vom eigentlichen Programmauftrag ist da immer öfters nur noch wenig zu spüren. Dort gilt es anzusetzen.

Warum spielt der Programmauftakt so eine geringe Rolle?
SIEBENHAAR:
Als in den 80er Jahren das Privatfernsehen in Deutschland auf Sendung ging, fingen ARD und ZDF an, ihren Erfolg ausschließlich an der Quote zu messen. Und im Duell mit den Privaten begingen sie dann den folgenschweren Fehler, immer populärer und populistischer zu werden und sich so den Privaten anzugleichen. Aber genau dazu sind sie nicht da. Dafür werden sie nicht von uns Bürgern finanziert.

Es wird also alles gut, wenn ARD und ZDF den Trash sein lassen?
SIEBENHAAR:
So einfach ist das nicht. Wir brauchen einen Paradigmenwechsel, einen Totalumbau. Statt die Quote wie eine Monstranz vor sich her zu tragen, muss das Maß aller Dinge wieder die Qualität werden. In der Information und in der Unterhaltung. Erst wenn die Qualität stimmt, dann gewinnen beide Sender wieder eine höhere Akzeptanz in der Gesellschaft. Derzeit ist es doch so, dass eine ganze Generation gar nicht mehr einschaltet bei ARD und ZDF und nur noch die über 60-Jährigen ihnen felsenfest die Treue halten.

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