Profi-Killer Cogan (Brad Pitt) und Frankie (Scoot McNairy). - © FOTO: FILMPRESSKIT
Profi-Killer Cogan (Brad Pitt) und Frankie (Scoot McNairy). | © FOTO: FILMPRESSKIT

"Killing Them Softly" mit Brad Pitt als Auftragskiller

Amerikanische Gangster in der Krise

Bielefeld. "Amerika ist kein Land, sondern ein Geschäft", sagt der Auftragskiller Cogan (Brad Pitt) in einer Kneipe zu einem Unterhändler des organisierten Verbrechens. Das ist seine Reaktion auf eine Ansprache, in der der gerade neu gewählte US-Präsident Barack Obama am 4. November 2008 die Einigkeit der Amerikaner beschwört.

Der düstere Gangsterfilm "Killing Them Softly" zeigt eine Nation am Abgrund: Finanzkrise, Rezession, da sind selbst die bösen Buben durch den Wind. Hauptdarsteller und Produzent Brad Pitt ließ den Film im vom Hurrikan Katrina verwüsteten New Orleans drehen, das aber als solches nicht erkennbar ist.

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Regisseur Andrew Dominik hat die ödesten, nichtssagendsten Ecken ausgesucht. Der Straßenzug, in dem sich die Kleinkriminellen Frankie (Scoot McNairy) und Russell (Ben Mendelsohn) anfangs treffen, ist abgerockt und verlassen. Es regnet auch viel in diesem Film. Die Farben sind schmuddelig, die Straßen meist menschenleer.

So düster wie die Inszenierung, so desillusionierend ist die Geschichte, die auf dem 1974 erschienen Krimi "Cogan’s Trade" von George V. Higgins basiert. Frankie und Russell brauchen Geld. Dilettantisch, aber erfolgreich überfallen sie ein illegales Pokerspiel und kassieren das Geld. Damit haben sie das organisierte Verbrechen am Hals, denn das Syndikat organisiert und reguliert die Spiele. Die können erst fortgesetzt werden, wenn die Diebe gefasst sind. Es geht um Geld und Macht. Für Ordnung soll der Profikiller Jackie Cogan (Brad Pitt) sorgen. Er tötet am liebsten aus der Entfernung, weil er die Gefühle der Opfer nicht erträgt. Cogan ist ein Mann mit Prinzipien, und das Kompetenzgerangel und die Entscheidungsschwäche der Mafia gehen ihm auf die Nerven. Aber auch er macht Fehler.

Als Zuschauer kann es einem durchaus passieren, irgendwann nicht mehr durchzublicken, aber da geht es einem nicht anders als den Charakteren.

Regisseur Dominik geht mit großem Stilwillen ans Werk – von der trüben Optik bis zur nostalgischen Musik, die Ironie ins Spiel bringt. Die Gewaltszenen sind sehr brutal und mit irritierender Lust am Detail inszeniert und ästhetisiert. Die Figuren plappern oft wie improvisiert vor sich hin. Das klingt authentisch, ermüdet aber auch. Schäbig sind alle, aber die unbeholfenen Loser Frankie und Russell tun einem fast ein wenig leid. Der ewig verschwitzte Russell vertickt gestohlene Hunde und träumt davon, Drogendealer zu werden. Frankie hätte gern Auto und Frau. Der Film bleibt frauenfreie Zone, mit Ausnahme einer Prostituierten. Auch das ist konsequent trostlos.

Der Film lebt von den schauspielerischen Leistungen. Der charismatische Pitt ist als aalglatter Vollstrecker Cogan routiniert lässig. Selbst er bekommt am Ende zu spüren, was Krise bedeutet.
Einen starken Auftritt hat James Gandolfini als Hilfs-Killer Mickey, ein weinerlicher, sexbesessener Alkoholiker. Aber selbst das wirkt vertraut, denn Mickey ist eine verschärfte Version von Gandolfinis Paraderolle des Mafia-Bosses Tony Soprano.

Zunehmend penetrant sind die Radio- und Fernsehsequenzen mit Reden von Obama, McCain und Bush, die den ganzen Film durchziehen. Sie klingen angesichts der deprimierenden Wirklichkeit grotesk. Letztlich gibt sich der Film aber nur einen gesellschaftspolitischen Anstrich. Hintergründig ist er nicht. "Killing Them Softly" ist eine stimmige Milieustudie mit guten Schauspielern. Nicht mehr, nicht weniger.

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