Haller Bach-Tage feiern Jubiläum

50. Ausgabe des Musikfests / Kartenvorverkauf

Bielefeld. Anfang der 1960er Jahre verschlug es Burghard Schloemann nach dem Studium der evangelischen Kirchenmusik in die ostwestfälische 7.000-Einwohner-Stadt Halle. Als Kantor der dortigen St. Johanniskirche setzte er sich zum Ziel, den "unbekannten Johann Sebastian Bach", den Komponisten der Kirchenkantaten, bekannt machen. Aus der offenbar gedeihlichen Arbeit mit dem Kirchenchor heraus gründete Schloemann 1963 die Haller Bach-Tage.

Das 50-jährige Bestehen des auch überregional beachteten Musikfests wird im nächsten Jahr ab dem 1. Februar mit einem auf 14 Tage ausgedehnten Jubiläumsprogramm unter dem Gotteslob-Motto "Te Deum Laudamus" gefeiert. Erstmals werden aus Anlass der 50. Haller Bach-Tage auch die Bielefelder Philharmoniker bei den zwei großen Abschlusskonzerten in Halle und Bielefeld spielen.

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Dass aus den "Geistlichen Abendkonzerten" der Bach-Tage-Anfänge, mit denen Schloemann die nach Weihnachten einsetzende "kirchenmusikalische Januarflaute" lindern wollte, einmal eine so dauerhafte Tradition erwachsen sollte, ahnte Schloemann damals nicht. Der heute 77-jährige Kirchenmusiker und Komponist betont, dass die Haller Bach-Tage "von unten nach oben" gewachsen seien. "In Westfalen geht das nicht anders. In Bayreuth mag das anders sein", so der komponierende Kirchenmusikdirektor. Seine systematische musikalische Nachwuchsarbeit mit Kindern und Jugendlichen in Chor- und Instrumentalgruppen erlangte als "Haller Modell" bundesweit beachteten Vorbildcharakter. Schloemann lockte zudem zeitgenössische Komponisten wie Karlheinz Stockhausen, Mauricio Kagel oder Hans Werner Henze nach Halle, um den Austausch der Kirchenmusik mit der allgemeinen Musikentwicklung zu fördern.

Sein Nachfolger Martin Rieker trat vor fast 25 Jahren in große Fußstapfen. "Es gab nicht viel, was nach Schloemann kommen konnte", sagte er gestern bei der Vorstellung des Jubiläumsprogramms. Rieker führte die Bach-Tage, die jährlich bis zu 3.600 Zuhörer anlocken, im Geist Schloemanns mit eigenen Akzentsetzungen erfolgreich fort. Aus dem "Jubiläums-Musikpaket" hob der Kantor die Chorkonzerte (unter anderem Bachs Magnificat BWV 243, Dvo¹áks Te Deum op. 103 und Schloemanns "Es sungen drei Engel" op. 6) hervor. Hinzu kommen Konzerte mit "German Brass", ein Kinderkonzert mit Bachs Bauernkantate und ein Nachtkonzert mit dem kompletten ersten Teil des "Wohltemperierten Klaviers".

Der Kartenvorverkauf beginnt am 3. Dezember: Bürgerbüro Halle, Tel. (05201) 183-152

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